HBO Now: enttäuschende Nutzerzahlen

11.02.2016

Zum ersten Mal hat Time Warner Abonnentenzahlen für HBO Now bekannt gegeben. Demnach beziehen 800.000 Amerikaner den Streamingdienst, der erst im April 2015 den Betrieb aufnahm. Die Zahl wird angesichts des rasanten Wachstums der Konkurrenz mit Enttäuschung aufgenommen. So konnte Branchenprimus Netflix die Zahl der amerikanischen Abonnenten im Jahr 2015 in allen Quartalen jeweils um rund eine Million steigern. HBO-CEO Richard Plepler möchte seine Zahlen dennoch nicht als Misserfolg werten. In der Telefonkonferenz zur Verkündung der Quartalszahlen von Time Warner beharrte er darauf. Doch auch für das Unternehmen selbst müssen die Zahlen eine Enttäuschung sein. Dafür ist das Ziel von erhofften 10 bis 15 Millionen Nutzern für HBO Now noch zu weit entfernt.

An Erklärungen für die Zurückhaltung der Konsumenten mangelt es indes nicht: Nachdem HBO Now in den ersten drei Monaten exklusiv nur für Apple-Nutzer verfügbar war, können inzwischen Besitzer aller browserfähigen Geräte und Eigentümer von Google-Produkten (Chromecast und Android) das Angebot nutzen. Xbox und Playstation sind als Plattform jedoch noch nicht erschlossen. Hinzu kommt die lizenzrechtlich bedingte Begrenzung des Angebots auf den amerikanischen IP-Raum. Ein Hauptargument gegen ein HBO-Now-Abo dürfte indes der verhältnismäßig hohe Preis von rund 15 Dollar monatlich sein. Zum Vergleich die Preise und Nutzerzahlen der Konkurrenz: Netflix-Abos kosten zur Zeit gerundet 8, 10 und 12 Dollar monatlich. Das Unternehmen hatte in den USA im vierten Quartal 2015 rund 43 Millionen zahlende Nutzer. Ein Hulu-Abo kostet monatlich gerundet 8 Dollar (12 Dollar ohne Werbung). Das Portal hatte nach eigenen Angaben im April 2015 rund 9 Millionen Abonnenten. Ein weiterer Mitbewerber ist Amazon. Das Unternehmen versorgt die Amazon-Prime Kunden, auch in Deutschland, mit einem umfassenden Video- und Audio-Streaming-Angebot. Genaue Zahlen gibt Amazon nicht bekannt. Schätzungen gehen in den USA von 54 Millionen zahlenden Kunden aus. Fast jeder zweite Haushalt in den USA wäre dann mit Amazon-Prime versorgt.Die Jahresmitgliedschaft, die auch besondere Vorteile bei Zustellgeschwindigkeit und Versandkosten bietet, kostet 99 Dollar. Im Monat sind das 8,25 Dollar.


HBO-Content gibt es jedoch als Stream nicht nur bei HBO Now. Mit Sling TV leistet sich das Unternehmen noch eine besondere Form der Konkurrenz. Das zum Dish Network gehörende Unternehmen versucht, den Content einiger Kabelkanäle auch vom Kabelabonnement unabhängig zu vermarkten. Das Angebot gilt als nutzerfreundlich (keine Zweijahresverträge), ist nicht werbefrei und mit Preisen ab 20 Dollar monatlich eines der teureren auf dem Markt. Zuletzt wurde die Zahl der Abonnenten im August 2015 mit 169.000 angegeben. Inzwischen gehen Schätzungen von 394.000 zahlenden Kunden aus. Allerdings hat Sling TV Skalierungsprobleme. Ab 200.000 parallelen Streams kommt es zu technischen Problemen.

HBO Now sieht sich also starker – auch hausgemachter – Konkurrenz gegenüber. Das könnte die niedrige Zahl der Abonnenten erklären. Insgesamt ist der Streamingmarkt in den USA recht unübersichtlich und die einzelnen Angebote nur schwer miteinander vergleichbar. Und noch etwas: Addiert man die Abozahlen von Netflix, Amazon Prime, Hulu und HBO, so kommt man auf 106 Millionen Kunden. Angesichts von gut 320 Millionen amerikanischen Bürgern könnte der Markt eines Tage auch gesättigt sein. Noch ist es nicht so weit, mein Netflix. In seinen Antworten auf die FAQ von Investoren strebt das Unternehmen selbstbewusst Nutzerzahlen von 60 bis 90 Millionen in den USA an.

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