Hassprediger in US-Medien

05.03.2012

Sie attackieren in US-Medien regelmäßig ethnische Minderheiten, nicht-christliche Religionsgemeinschaften, politisch Andersdenkende und Frauen. So genannte 'shock jocks' und rechtsextremistische Kommentatoren in der amerikanischen Radio-, Fernseh- und Zeitungslandschaft sind längst zu einem erträglichen Geschäft für die großen Medienkonzerne geworden, die mit deren Verbreitung Milliardengewinne erwirtschaften. Jüngst sorgte Rush Limbaugh, der populärste Radiomoderator der USA (Foto), in seiner von der Radiokette Premiere Radio Networks (Clear Channel) vertriebenen Show für einen Eklat, als er eine Studentin, die sich im Rahmen einer Kongress-Anhörung für die Bereitstellung kostenloser Verhütungsmittel durch Krankenversicherer einsetzte, als "Prostitutierte" und "Schlampe" bezeichnete. Zwar weigerten sich daraufhin einzelne Werbekunden weiterhin Werbung während der "Rush Limbaugh Show" zu schalten, Mutterkonzern Clear Channel verteidigte jedoch die Aussagen von Limbaugh, der für seinen bis 2016 laufenden Vertrag rund 400 Millionen US-Dollar erhält. Bei der jüngsten Kontroverse handelt es sich jedoch um keine Einzelfälle: In den vergangenen Jahren ist es in den so genannten Mainstream-Medien immer wieder zu rassistischen und sexistischen Hasstiraden von Kommentatoren und Kolumnisten gekommen. Die Redaktion von mediadb.eu hat die bekanntesten Fälle zusammengefasst:

Don Imus: 2007 bezeichnete Radiomoderator Don Imus in seiner von CBS und der NBC-Radiosenderkette vertriebenen Show das überwiegend aus schwarzen Spielerinnen bestehende Frauenbasketballteam der Rutgers University als "kräuselhaarige Huren". Wegen diesen und vergleichbaren Aussagen gegen Schwarze, Frauen und Juden wurde Imus gefeuert, erhielt jedoch ein Jahr später vom Fox Business Network (News Corp.) einen neuen Vertriebsdeal seiner Radioshow.

Glenn Beck: Beck sorgte in seiner nach ihm benannten täglichen Sendung auf dem Sender Fox News (News Corp.) regelmäßig für Skandale, etwa wenn er Präsident Obama als "Rassisten mit einem tiefsitzenden Hass auf weiße Menschen" bezeichnete, Bürgerrechtler wie Van Jones oder Milliardäre wie George Soros als "Kommunisten" diffamierte oder abstruse Verschwörungstheorien über die progressive Bewegung in den USA in die Welt setzte. Im Zuge seiner extremer werdenden Meinungsäußerungen, fallender Einschaltquoten, und Werbeboykotten entschied das Fox-Management, Becks Vertrag Ende 2010 nicht zu verlängern.

Jennifer Rubin: Die islamophobe Kommentatorin Jennifer Rubin kommt regelmäßig im "Right Turn"-Blog der Washington Post zu Wort. 2011 mutmaßte sie irrtümlich, die Terroranschläge in Norwegen wurden von islamistischen Terroristen verübt. Im selben Jahr bezeichnete sie die Occupy Wall Street Bewegung als "antisemitische Verschwörung" und empfahl ihren Twitter-Followern einen Blog-Post von Rachel Abrams, in dem diese sich für den Genozid an Palästinensern aussprach.

Michael Savage: Savage mobilisiert in seiner vom Talk Radio Network vertriebenen Radiosendung regelmäßig gegen Muslime, Homosexuelle und Immigranten. Er wurde 2003 vom Fernsehsender MSNBC gefeuert, nachdem er in seiner Show einem vermeintlich homosexuellen Anrufer gewünscht hatte, er solle Aids bekommen und daran sterben. 2009 wurde er von der britischen Regierung auf eine Liste der Individuen gesetzt, die fortan nicht mehr nach Großbritannien einreisen dürfen, weil er zum Mord an 100 000 Muslimen aufgerufen hatte.

Mehr dazu:

New York Times: Limbaugh Advertisers Flee Show Amid Storm (4.3.2011)

O'Connor, Rory 2008: Shock Jocks: Hate Speech and Talk Radio: America's Ten Worst Hate Talkers and the Progressive Alternatives, AlterNet Books.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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