Google und Co. fordern Kabelkonzerne heraus

17.07.2013

Wie das Wall Street Journal gestern berichtet hat, befindet sich Google in Verhandlungen mit Medienkonzernen zwecks Erwerb von TV-Senderlizenzen. Offenbar soll bereits ein vorzeigbarer Prototyp existieren, mittels dessen man Kabelsender- und Pakete über einen Google-Dienst auf mit dem Internet verbundendenen Endgeräte streamen kann. Andere Medien-, Kabel- und Onlinekonzerne wie etwa Intel, DirecTV, Sony und Apple arbeiten ebenfalls an einer neuen Generation von Online-TV-Angeboten. Sollten sich solche Dienste langfristig durchsetzen, würde dies zu einer Zäsur im Kabel- und Satelliten-TV-Markt führen: die regionalen Monopole der Kabelbetreiber würden aufgebrochen und neu geschaffene Konkurrenz könnte zu signifikanten Umsatzeinbußen im traditionellen Pay-TV-Markt führen. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Pläne von Google und Co. zusammengefasst:

1. Was plant Google mit seinem TV-Angebot?
Im Gegensatz zu Video-on-Demand-Angeboten wie Netflix (das in Kürze als erster nicht-TV-Sender prestigeträchtige Emmy-Nominierungen erhalten wird), Hulu oder Amazon Video, die einzelne Filme oder Serien-Episoden zum streamen anbieten, plant Google das konventionelle Programm sämtlicher großen US-Kabelsender auszustrahlen. Nutzer sollen sich genau so durch das Programm zappen können, wie mit einem herkömlichen Kabel- oder PayTV-Anschluss. Google denkt dabei nicht nur an PC- und Smartphone-User, sondern vor allem an die neue Generation internetfähiger Fernseher.
Die Realisierung eines entsprechenden Angebots hängt jedoch von der Bereitschaft der großen Medienkonzerne ab, ihre Inhalte und Kabelsender für die Google-Nutzung zu lizenzieren. Die günstigsten Übertragungsrechte erhält in der Regel der Anbieter mit der größten Kundenzahl. Google müsste also in kurzer Zeit mehr Abonenten als die Kabelkonzerne bekommen, um ein preislich konkurrenzfähigen Dienst anbieten zu können. Viele Vertreter in der TV-Industrie zweifeln jedoch, ob es momentan genug potenzielle Interessenten an einer Online-Kabel-TV Alternative gibt und zögern, die bewährten Distributionswege für ihre Inhalte - Glasfaser-)Kabel oder Satellit - zu ändern. Die vor einer weiteren Konsoldierung befindliche Kabelindustrie wird sich gegen die Google-Initiative wehren. Die Kabelkonzerne verweisen auf bestehende Abkommen mit Medienkonzernen, die es teilweise verbieten, neue Distributionspartnerschaften einzugehen. Mögliche Kunden des Google-Dienstes müssten wiederum mit der aus der Kabelbranche bekannten Praxis des Bundlings (das Zusammenfassen von diversen Sendern zu Programmpaketen) vorlieb nehmen. Genau gegen dieses preistreibende Modell hat sich jedoch jüngst Widerstand auf Seiten von Politik und Verbraucherschützern formiert.

2. Welche Pläne verfolgen Googles Konkurrenten?
Chip-Hersteller Intel plant einen ähnlichen Dienst wie Google (Arbeitstitel: OnCue), scheiterte jedoch bisher an Weigerung von Kabelkonzernen, deren exklusive Distributionsabkommen mit den TV-Sendern zu lockern. Sony plant Kabelfernsehen über seine TV- und Blu-Raygeräte anzubieten. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die im Winter erscheinende neue Generation der Playstation, die neben einem Fokus auf Games auch als Multimedia-Konsole konzipiert wurde. Apple hingegen möchte sich für sein TV-Angebot mit der Vorherrschaft der Kabelkonzerne arrangieren. Anstatt direkt mit den Medienkonzernen zu verhandeln, setzt Apple auf die Kooperation mit Konzernen wie Time Warner Cable oder Comcast. Die Kabelindustrie selber plant derweil bereits eine eigene Form von Online-Kabel-TV, um den Initiativen von Google und Co frühzeitig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Cox Communications hat bereits in einigen regionalen Märkten mit dem neuen Übertragungsweg experimentiert. Auch DirecTV möchte seine Programme online an den Endkunden bringen; wohl auch deshalb hatte sich das Unternehmen vergeblich an einem Kauf von Hulu.com versucht.

Mehr dazu:

Wall Street Journal: Google Pitches Online TV Service to Media Companies (16.07.2013)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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