Google gibt den Medien Mitschuld am 'Brand Safety'-Problem

03.04.2017

YouTube-Zentrale in San Bruno, Kalifornien (CoolCaesar, CC BY-SA 3.0)

Die Kontroverse um Werbeschaltungen für extremistischen YouTube-Content geht weiter. Das Unternehmen ist deutlich sichtbar um Schadensbegrenzung bemüht, schließlich hat der Rückzug diverser namhafter Firmen und Mediagenturen aus dem YouTube-Netzwerk - ebenso wie massenhafte Verbreitung von Fake News in sozialen Netzwerken - zur bisher wohl größten Debatte um das Selbstverständnis und die Rolle von Medien- und Wissenskonzernen wie Google und Facebook geführt. Die Ereignisse der letzten Wochen und Monate haben die Unternehmen wie selten zuvor als de facto Verlagshäuser demaskiert, die sich als 'Technologieunternehmen' ausgeben, um keine Verantwortung über die von ihnen publizierten Inhalte übernehmen zu müssen.

Googles deutscher Business-Chef Phillip Schindler hat nun in einem Interview mit der Technologie-Website recode erneut versucht, das YouTube-Werbe-Debakel kleinzureden. Fehlschaltungen bei Google-Content, so Schindler sei schon immer "ein kleines Problem" gewesen und würden nur in "sehr, sehr, sehr geringer Anzahl" passieren. Was die fehlerhaften Platzierungen zum Problem mache, seien nicht nur Software-Fehler, sondern Medien, die das Thema "aggressiv auf den ersten Seiten [von Zeitungen] platzieren." Weil Googles-Werbepraktiken auf einmal im Scheinwerferlicht der Presse sind, würden werbetreibende Firmen noch ablehnender reagieren. Doch im gleichen Interview räumt Schindler Probleme mit den Werbe-Algorithmen ein, insbesondere wenn Personen kontroverse Begriffe wie das US-amerikanische "N-Word", eine Verunglimpfung von Afro-Amerikanern, benutzen. Offenbar kann die Google-Werbesoftware noch immer nicht identifizieren, in welchen Kontext solche Begriffe benutzt werden.

Für "alte" Medienunternehmen und Verlagshäuser sind solche Enthüllungen über Googles anfällige Werbetechnologie - auch wenn sie nur einen geringen Bruchteil aller YouTube-Videos betreffen - natürlich Gold wert. Sie können in ihren TV-Kanälen, Zeitungen und Homepages aufgrund menschlicher Redakteure - anstatt Bots und Algorithmen - die 'Brand Safety' für werbetreibende Firmen sicherstellen. Dass traditionelle Medienkonzerne Interesse daran haben, das Geschäftsmodell von Google zu beschädigen, steht ausser Frage. Vielleicht ist die jüngste Debatte um die Aktiväten von Google und Facebook jedoch auch einer Öffentlichkeit geschuldet, die mehr denn die "disruptive Vorrangstellung von Facebook und Google" infrage stellt.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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