Gannett will Tribune kaufen

25.04.2016

Gannett-Zentrale in McLean, Virginia. CC by Patrick Neil

Der US-Zeitungsmarkt befindet sich weiter im Umbruch. Gannett, das größte Verlagshaus der USA hat ein Übernahmeangebot für Tribune Publishing abgegeben. 815 Millionen Dollar ist das Unternehmen aus Virginia bereit für Tribunes Portfolio auszugeben, das unter anderem die Los Angeles Times und den San Diego Union-Tribune umfasst. Sowohl Gannett als auch Tribune Publishing sind in ihrer jetzigen Form Ergebnisse der seit rund zehn Jahren allgegenwärtigen Printkrise. Gannett wurde letztes Jahr vom weitaus profitabeleren TV-Arm abgespalten, der jetzt unter dem Namen Tegna firmiert. Und Tribune war bis 2014 ebenfalls ein Print- und TV-Konzern ehe das Zeitungssegment nach jahrelanger Misswirtschaft abgespalten wurde (die TV-Sender sind nun Teil von Tribune Media).

Gannett's Strategie sieht offensichtlich vor möglichst viele Zeitungsmarken unter einem Dach zu vereinen und mit einer geschickten Zentralisierungsstrategie Kosteneinsparungen zu erreichen. Was für Gannett wirtschaftlichen Sinn macht, bedeutet für die Medienvielfalt nichts gutes: Gannett würde - sofern Kartellbehörden grünes Licht geben - inklusive der LA Times, dem Chicago Tribune, der größten landesweiten Zeitung USA Today insgesamt 50 Zeitungstitel kontrollieren. Bereits unter dem Leitung von Tribune Publishing hat es massive Spannungen zwischen lokalen Herausgebern und dem zentralen Management gegeben. In Los Angeles beispielsweise wollte Austin Beutner mittels einer radikale Lokalisierungsstrategie die kriselnde LA Times revitalisieren, ehe er im vergangenen Jahr nach Meinungsverschiedenheiten über die Ausrichtung freigestellt wurde. Sollte Gannett tatsächlich den Zuschlag für Tribune erhalten wären weitere Entlassungen wohl unausweichlich; die Aktionäre würden sich angesichts von Einsparungen in Höhe von 50 Millionen aber freuen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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