Fox: O'Reilly-Skandal erschwert Sky-Übernahme

10.04.2017

Bill O'Reilly (Author: WAC CC BY 3.0)

Der Skandal um angeblich wiederholte sexuelle Belästigung durch Fox News-Moderator Bill O'Reilly hat sich zu einem Politikum ausgeweitet. Nachdem sich bereits zahlreiche Firmen in den letzten Wochen dazu entschieden haben, die Sendung 'The O'Reilly Factor' zu boykottieren und dort keine Werbung mehr zu schalten, hat Mutterkonzern 21st Century Fox nun offenbar reagiert und eine interne Untersuchung eingeleitet, die Aufschluss geben soll, wie weit verbreitet die vermeintliche Belästigungskultur ist. Zuvor hatte eine investigate Reportage der New York Times enthüllt, dass O'Reilly und sein Sender in den letzten Jahren mehr als 13 Millionen Dollar für außergerichtliche Einingungen mit mutmaßlichen Opfern sexueller Belästigung bezahlt haben.

Es scheint, als ob sich die Ränge um Amerikas erfolgreichsten News-Anchor weiter schließen können. Neben Fox-Chef Rupert Murdoch, der unbedingt verhindern will, dass Fox News sein kommerziell erfolgreichsten Zugpferd verliert, hatte sich ausgerechnet Präsident Donald Trump in die Affäre eingemischt und O'Reilly in einem Interview mit der New York Times verteidigt (Interessanterweise hält der Medienexperte und Murdoch-Biograph Michael Wolff die Vorwürfe für eine teilweise politisch motivierte Kampagne der "Times" gegen Murdoch und indirekt auch die Trump-Administration). Murdochs Söhne James und Lachlan, die mittlerweile das Tagesgeschäft kontrollieren, sehen Fox News und das Verhalten einiger Mitarbeiter hingegen bereits seit langen kritisch und gelten als die Triebfedern hinter der de facto Entlassung des langjährigen Fox News-Chefs Roger Aisles im Sommer 2016 - ebenfalls wegen angeblicher Belästigungsvorfälle.

Was letztendlich zu einer Entlassung von O'Reilly führen könnte ist jedoch nicht ein anhaltender Werbeboykott - die werbetreibenden Firmen haben fast ausnahmslos ihre Budget auf andere Fox-Sendungen umgelegt; erst wenn die Firmen sich komplett von Fox News oder gar der gesamten Fox-Senderkette entfernen würden, müssten die Murdochs reagieren. Stattdessen könnte der Skandal der angestrebten Komplettübernahme von Sky durch 21st Century Fox in Europa einen Strich durch die Rechnung machen. Diese sollte bereits im Sommer 2013 über die Bühnge gehen, doch das Unternehmen nahm damals Abstand, weil das Image wegen des Abhör-Skandals von 2011 noch immer stark ramponiert war. Obwohl das Europäische Parlament dem Deal letzte Woche zugestimmt hat, wird die britische Regulierungsbehöred Ofcom unter anderem darüber entscheiden, ob die handelden Personen im Konzern "geeignet" sind, einen Medienkonzern zu führen. Ein Festhalten an O'Reilly könnte die Ofcom-Prüfer zumindest unterbewusst daran zweifeln lassen.

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