Facebook, Disney, ProSiebenSat.1: Games-Offensive

04.02.2013

Es gibt derzeit viele Anzeichen dafür, dass sich das traditionelle Konsolen- und PC-Geschäft in einer ernstzunehmenden Krise befindet: Nintendo musste jüngst die Verkaufsprognosen seiner neuen Wii U Konsole nach unten korrigieren, Electronic Arts vermeldete im dritten Quartal 2012 einen Verlust von 205 Millionen US-Dollar und Games Publisher haben im vergangenen Jahr einen durchschnittlichen Rückgang von verkauften Konsolentiteln um 20 Prozent hinnehmen müssen. Derweil wächst der Markt für Casual und FreeToPlay-Games unvermindert an. Längst haben die großen Medien- und Onlinekonzerne das wirtschaftliche Potenzial von teilweise kostenlosen Online- und Social Games für sich entdeckt. Ein neuer Trend ist hierbei die Entwicklung von qualitativ höherwertigen Titeln, um auch die Hardcore-Gamer anzusprechen und den Konsolenherstellern und traditionellen Games Publishern weitere Marktanteile streitig zu machen. Zu den Konzernen, die in den vergangenen Wochen angekündigt haben, Onlinegames zu signifikanten Geschäftsbereichen ausbauen zu wollen, gehören unter anderem Facebook, Walt Disney und ProSiebenSat.1. Die Redaktion von mediadb.eu hat die aktuellen Gamesstragien der drei Unternehmen näher beleuchtet.

Facebook
Von den weltweit rund eine Milliarde aktiven Facebook-Nutzern spielt mehr als ein Viertel Games in dem sozialen Netzwerk. Dieser Anteil soll sich weiter vergrößern, da Facebook mehr Anzeigen verkauft je länger die User eingeloggt bleiben und darüber hinaus mit 30 Prozent an den Erlösen beteiligt werden, die die prinzipiell kostenlosen Facebook-Spiele mit dem verkauf von virtuellen Gütern und Zusatzinhalten generieren. Weil Zynga, der bisherige Marktführer für Facebook-Spiele seit Monaten schwere Krisensymptome zeigt, hat das soziale Netzwerk seine Game-Plattform für andere Entwickler geöffnet und plant für 2013 eine Qualitätsoffensive. So werden insgesamt zehn hochwertige Titel veröffentlicht, die es in Sachen Grafik und Gameplay mit Konsolentiteln aufnehmen können und Hardcore-Spieler von ihrer Xbox oder Playstation zu Facebook locken sollen. First-Person-Shooter oder Rollenspiele sind besonders lukrative Genres für Facebook, da deren Zielgruppe (Männer zwischen 18 und 30 Jahren) besonders viel Zeit bei Facebook verbringen würden. Mittels der Reichweite von Facebook ist es einfach für die Entwickler, die Titel auf Facebook zu bewerben und Online-Communities zu formen.

Walt Disney
Disney stellte im Januar seine neue 'Infinity'-Games-Reihe vor, deren Grundidee von Activisions "Skylanders"-Serie inspiriert wurde. Ab Juni 2013 sollen für alle gängigen Konsolen Spiele-Titel veröffentlicht werden, die mit passenden Spielzeugen kompatibel sind. Diese werden per USB-Schnittstelle in die virtuelle 'Infinity'-Welt transportiert. Die bisher eher vernachlässigte Games-Sparte Disney Interactive könnte im Zuge der Übernahme der gesamten Marvel- und LucasArts-Kataloge (umfasst unter anderem Charaktere wie "Spider-Man" oder das "Star Wars"-Universum) mit 'Infinty' zu einem potenziellen Marktführer aufsteigen, so die Prognosen von Experten. Doch auf im FreeToPlay-Sektor möchte Disney expandieren. Ende 2012 wurde dazu eigens der koreanische Entwickler Studio Ex gekauft.

ProSiebenSat.1
ProSiebenSat.1 Games-Geschäftsführer Markus Büchtemann verkündete Anfang diesen Jahres bis zu 40 neue Mobile Games im Rahmen des Inkubator-System "Mobile Talen Pool" zu vermarkten. Erfolgreichster Titel ist momentan der FreeToPlay-MMO-Shooter "PlanetSide 2". Zudem wurde jüngst mit dem Hamburger Entwickler Goodgame Studios eine Kooperation beschlossen. Seit längerer Zeit bestehen zudem Beteiligungen und Vermarktungsdeals mit den Entwicklern ZeniMax, burda:ic, Corvus Games und bigpoint.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

Zur Instituts-Website

European Media Pluralism

Mediadb.eu unterstützt die European Initiative for Media Pluralism

Partner

Mediadb.eu wird gefördert vom medienboard Berlin-Brandenburg,

dem Media Program der Open Society Foundations,

der Bundeszentrale für Politische Bildung,

der Rudolf Augstein Stiftung

sowie der Stadt Köln

dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie

und dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V.