EU-Kommission überprüft Universal/EMI-Deal

16.07.2012

Im November vergangenen Jahres wurde die EMI Group nach wochenlangem Bieterwettstreit aufgesplittet und verkauft. Die recorded music-Sparte (Tonträger, Labels) ging für 1,9 Mrd. US-Dollar an die Universal Music Group (Teil des Medienkonzerns Vivendi), während sich ein von Sony angeführtes Konsortium für 2,2 Mrd. US-Dollar die publishing-Sparte (Kataloge, Musikverlage) sicherte. Das 114 Jahre alte Traditionsunternehmen EMI wurde 2007 von der Private Equity-Firma Terra Firma Capital erworben und brach unter seiner enormen Schuldenlast zusammen, so dass die Großbank Citigroup das Unternehmen seit Februar 2011 verwaltete. Während der Sony-Deal im Juni von US-amerikanischen und europäischen Wettbewerbsbehörden auch formal bestätigt wurde, steht eine kartellrechtliche Genehmigung für Universal noch aus. In dieser Woche beginnt die Europäische Kommission mit ihrem Prüfverfahren. Beobachter gehen davon aus, dass die Kommission nur grünes Licht gibt, wenn strenge Auflagen erfüllt werden. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Entwicklungen zusammengefasst:

1. Welche Folgen hätte eine Genehmigung ohne Auflagen?
Universal würde durch die Übernahme der EMI-Labels 40 Prozent des weltweiten Musikmarktes kontrollieren. Die Konsolidierung in der internationalen Musikindustrie würde weiter voranschreiten. Noch 1995 war die EMI Group mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 4,95 Mrd. D-Mark im Ranking der größten Medienkonzerne der Welt auf Platz 22, 2006 mit 2,5 Mrd. Euro immerhin noch auf Platz 44. Gab es in den vergangenen Jahrzehnten mit den "Big Four" (Warner, Universal, Sony BMG und EMI) vier große Labels, die den gesamten Musikmarkt unter sich aufteilten, so sind es nun nur noch drei (Warner, Universal, Sony). In der EU und in den USA (wo die Federal Trade Commission die Übernahme prüft) haben sich in den vergangenen Monaten diverse Lobby-Vereine und Interessengruppen formiert, die den Deal vehement ablehnen. Neben Universals Konkurrenten Warner Music (dem Behörden in der Vergangenheit selbst mehrfach eine Übernahme von EMI untersagt haben) kritisieren auch Verbraucherverbände die Übernahme. In den USA befürchten insbesondere Gruppen wie Public Knowledge oder die Consumer Federation of America, dass Universal mit seinem erweiterten Musikkatalog künftig in den Verhandlungen mit Online-Musikportalen und Webradios die Preise für Flatrates in die Höhe treiben könnte. In Europa warnt IMPALA, eine Vereinigung von Indie-Labels vor negativen Folgen für kleinere Labels und unabhängige Künstler.

2. Welche Auflagen könnte die EU-Kommission festsetzen?
Als wahrscheinlich gilt, dass Universal die bisher zu EMI gehörenden Labels Virgin Records (u.a. The Rolling Stones und Spice Girls) und EMI Classics (Paul McCartney, Daniel Barenboim) sowie die Distributionsrechte des Independent-Labels Mute Records (Depeche Mode, Yann Tiersen) umgehend wieder verkaufen müsste. Denkbar wäre auch, dass Universal gezwungen wäre, in einzelnen Ländern Musikrechte abzutreten, in denen der Marktanteil höher ist als 50 Prozent.

Strenge Auflagen könnten Universals Anreize, die Übernahmen überhaupt vorangetrieben zu haben, signifikant schwächen. Dennoch kann sich Mutterkonzern Vivendi eine Ablehnung durch die EU-Kommission nicht leisten und steht möglichen Auflagen aufgeschlossen gegenüber: Das Unternehmen hat bereits 80 Prozent des Kaufpreises bezahlt und wird diesen auch nicht zurückerstattet bekommen, sollte die Übernahme von EMI nicht genehmigt werden. Experten gehen davon aus, dass ein Urteil Anfang September gefällt werden wird, nachdem die Mehrheit der EU-Parlamentarier aus dem Sommerurlaub zurückgekehrt ist.

Mehr dazu:

The New York Times: Concessions Entangle Universal's Bid for EMI (15.07.2012)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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