Ehemaliger Vivendi-Chef Messier steht vor Gericht

02.06.2010

Heute hat vor dem Pariser Strafgericht der Prozess gegen den ehemaligen Vivendi Universal-Chef Jean-Marie Messier begonnen. Dem 53-jährigen Franzosen (Foto) wird vorgeworfen, zwischen 2000 und 2002 den Aktienkurs des Unternehmens manipuliert zu haben. Zudem soll Messier bei öffentlichen Auftritten und in Zeitungsinterviews falsche Informationen bezüglich der prekären Finanzlage des Medienkonzerns verbreitet haben. Von dem zunächst bis zum 25. Juni angesetzten Prozess versprechen sich insbesondere die als Nebenkläger auftretenden französischen Kleinaktionäre Schadenersatz für ihre Millionenverluste. Neben Messier sind noch fünf weitere ehemalige Spitzenmanager von Vivendi Universal angeklagt, darunter auch Edgar Bronfman Jr., der mittlerweile Chef der Universal Music Group ist. Dem ehemaligen Vize-Vorsitzenden wird Insider-Handel vorgeworfen, da er im Gegensatz zu den Kleinaktionären im Frühjahr 2002 von der katastrophalen Situation gewusst haben soll und seine Aktienanteile rechtzeitig verkaufte.

Jean-Marie Messier wurde 1994 Vorsitzender des Wasserunternehmens Compagnie Générale des Eaux und baute diesen durch diverse Zukäufe (u.a. der Bezahlsender Canal+ und die kanadische Seagram Company) sukzessive in einen Medien- und Telekommunikationskonzern um. Die Einkaufstour führte 2002 zu einem Schuldenberg von 35 Milliarden Euro, in dessen Folge Messier entlassen wurde. Inzwischen hat sich das Unternehmen, das heute nur noch unter dem Namen Vivendi S.A. firmiert, finanziell rehabilitiert und erwirtschaftet - vor allem wegen eines erfolgreichen Einstiegs in den Computer- und Videospielmarkt – wieder hohe operative Gewinne.  

Mehr dazu:

Wall Street Journal: Former Vivendi Chief Heads to Court (02.06.2010)

AFP: Ex-Vivendi-Chef Messier wegen Bilanzschieberei vor Gericht (02.06.2010)

Le Monde: Vivendi : à Paris, le procès des années Messier (01.06.2010)

Le Figaro: Jean-Marie Messier veut faire oublier «J6M» (01.06.2010)

Hintergrund:

Handelsblatt: Einmal Wahnsinn und Zurück (01.03.2010)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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