E-Books: Geheime Absprachen von Apple mit Lagardère, News Corp., CBS, Pearson und Holtzbrinck?

06.12.2011

Die EU Kommission leitet ein förmliches Prüfverfahren für den Verkauf von E-Büchern gegen die internationalen Verlage Penguin (Pearson Group, Vereinigtes Königreich), Hachette Livre (Lagardère Publishing, Frankreich), Harper Collins (News Corp., USA), Simon & Schuster (CBS Corp., USA), Georg von Holtzbrinck sowie gegen Apple ein. Dies geht aus einer am 6.12.2011 veröffentlichten Pressemitteilung hervor. Das US-Justizministerium hat sich der EU Kommission angeschlossen und ermittelt ebenfalls im Hinblick auf ein mögliches E-Book-Kartell. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Hintergründe für die Eröffnung dieses Verfahrens untersucht und die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst:

1. Warum leitet die EU Kommission dieses Prüfverfahren ein?
Im März 2011 führte die Europäische Kommission unangekündigte Nachprüfungen in den Geschäftsräumen mehrerer Unternehmen durch, die im Bereich E‑Books tätig sind. In Zusammenarbeit mit der britischen Wettbewerbsbehörde Office of Fair Trade untersuchte die Kommission, ob Vereinbarungen zwischen Unternehmen für den Absatz von E‑Büchern gegen die Wettbewerbsvorschriften der EU verstoßen. Aufgrund von Verwaltungsprioritäten stellte das Office of Fair Trade seine Ermittlungen ein. Nichtsdestotrotz leisteten die britischen Nachforschungen einen wesentlichen Beitrag zu den Recherchen der EU Kommission, sodass Letztgenannte nun ein Prüfverfahren eingeleitet hat. Das kartellrechtliche Verfahren soll prüfen, ob die genannten Verlage mit Hilfe von Apple beim Verkauf von E‑Books im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) gegen die kartellrechtlichen Vorschriften der EU verstoßen.

Primär wird die EU Kommission untersuchen, „ob die Verlage und Apple rechtswidrige Vereinbarungen geschlossen oder durch andere Verhaltensweisen Wettbewerbsbeschränkungen in der EU oder im EWR bezweckt oder bewirkt haben“ (siehe Pressemitteilung). Laut Aussagen der EU Kommission gibt es Bedenken, dass die Verhaltensweisen der genannten Unternehmen die Kartellvorschriften der EU einhalten, wonach wettbewerbsbeschränkende Verhaltensweisen und Kartelle verboten sind. Außerdem kommen Art und Konditionen der Verträge, die die fünf Verlage mit Einzelhändlern für den E-Book-Absatz geschlossen haben, auf den Prüfstand.

Durch die Einleitung eines Prüfverfahrens kann die Kommission den Fall vorrangig behandeln. Dies impliziert jedoch noch keinen Verstoß, so die EU Kommission.

2. Hintergrund: Wie agiert Apple im Bereich E-Books?
Als Apple im Januar 2010 sein iPad vorstellte, vollzog das Unternehmen zeitgleich den Eintritt in den Markt für elektronische Bücher. Bis in die Nacht haben laut Informationen des Wall Street Journal Apple-Vertreter mit den Verlagen über die Preisgestaltung diskutiert. Letztlich wurde der Preis mit 12,99 US-Dollar oder 14,99 US-Dollar über die Amazon-Einheitsmarke von 9,99 US-Dollar (bzw. weniger) gehoben. Derartige Preisabsprachen führten im September dieses Jahres zu einer Sammelklage gegen Apple, Penguin, Macmillan und HarperCollins, in der den Unternehmen illegale Absprachen als Antwort auf die Einheitspreispolitik von Amazon vorgeworfen wurden. Laut Brancheninsidern entwickelte sich nach dem Markteintritt von Apple ein derartiger E-Book-Preiskrieg, an dem ebenfalls die Verlage Penguin Group, HarperCollins, Hachette Book Group und CBS’s Simon & Schuster beteiligt waren, dass auch Amazon die Preise erhöhte und seine Fehde mit dem Macmillan-Verlag (Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck) beendete. Damit bestätigte sich Steve Jobs’ Behauptung, dass die Preise sich angleichen werden („The prices will be the same.“).  Branchenkenner interpretieren die Aussage so, dass die Verlage Apple als neuen Konkurrenten im E-Book-Markt dazu nutzen wollten, um Amazons Preise zu erhöhen. Im Gegensatz zu der Intention der Verlage brachte die Abkehr von Amazons Preispolitik den Verlagen noch weniger Einnahmen, mit denen sie sich jedoch aus Angst vor einem ähnlichen Einbruch wie in der CD-Industrie zufrieden geben.

Mehr dazu:

- All Things Digital: Apple, Book Publishers Face European Antitrust Probe (06.12.2011)

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