Disney: Frontalangriff auf Netflix und Amazon

14.12.2017

"The Simpsons", "Planet der Affen", "X-Men", "Avatar", "Home Alone", "Homeland": Das sind nur einige der Hollywood- und TV-Franchises, die Disney seinem mit "Star Wars-", Pixar und Marvelfilmen ohnehin schon riesigen Portfolio an Blockbustern hinzufügen darf. Seit heute ist es offiziell: Sollten Regulierungsbehörden der Übernahme keine Steine in den Weg legen, wird Disney für 52,4 Milliarden die Hollywoodstudios, Fernsehproduktionsfirmen, regionalen Sportsender und Pay-TV-Gruppen von Rupert Murdochs 21st Century Fox kaufen.

Während Disney in allen oben genannten Märkten wachsen wird, ist das Hauptkalkül des Mickey Mouse-Konzerns klar: CEO Robert Iger wird seinen eigentlich 2019 auslaufenden Vertrag um zwei weitere Jahre verlängern, um sein Unternehmen neben Amazon und Netflix als dritten (und langfristig möglicherweise größten und einflussreichsten) Streaminganbieter zu etablieren. Sämtliche Disney, bzw. Fox-Filme und Serien, die momentan noch an externe Streaminganbieter lizenziert sind, werden mittelfristig nur noch auf Disneys eigener Plattform zu sehen sein - ob das Hulu.com sein wird, an dem Disney nach der Übernahme die Mehrheitsanteile halten wird, oder ein neues Portal, ist noch unklar. Auch dank der regionalen Fox-Sportsender wird Disney in einem zweiten strategischen Schachzug seine seit Jahren kriselnde Kabelsportsenderkette ESPN ebenfalls in Form eines Streamingangebots diversifizieren.

Sollte Kartellbehörden grünes Licht für den Deal geben, würde der internationale Medienmarkt weiter konsolidiert, bzw. hochgradig konzentriert werden. Disney würde seinen jährlichen Umsatz auf umgerechnet ca. 75 Milliarden Euro steigern, und im Ranking der größten Medienkonzerne zur Nummer zwei hinter Google avancieren. Der Merger wird vermutlich auch weitere Übernahmen befeuern, zumal diesen in der Trump-Ära (mit Ausnahme von CNN-Mutter Time Warner) scheinbar keine Steine in den Weg gelegt werden. Kinogänger und Filmfans müssten sich wohl auf weitere Superheldensequels, Star Wars-Prequels und Disney-Remakes einstellen - auf Kosten von anspruchsvolleren Independentproduktionen (ob der in der vergangenheit reaktionäre und zuletzt auf Political Correctness geeichte Disney-Konzern etwa Fox Arthouse-Sparte Searchlight in der jetzigen Form weiterbetreiben wird, ist unwahrscheinlich. Netflix und Amazon bleibt derweil nichts anderes übrig, als noch mehr Filme und Serien selbst zu produzieren. Ob sie allerdings langfristig mit dem mehr als 40 Jahre Filmgeschichte umfassenden Blockbuster-Katalog von Disney/Fox mithalten können, steht in den Sternen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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