Dauman, der 54-Millionen-Dollar-Mann

04.02.2016

Viacom-CEO Philippe Dauman. CC by Joi

Philippe Dauman wird nach dem erzwungenen Rücktritt von Sumner Redstone neben seiner Tätigkeit als CEO wohl neuer Chairman von Viacom. Zudem darf er sich über eine satte Gehaltserhöhung freuen. Lag die Vergütung des Viacom CEO im Jahr 2014 noch bei 44,3 Millionen Dollar, bewilligte ihm das fünfköpfige Board des Medienkonzerns für 2015 54,2 Millionen. Das entspricht einer Erhöhung um 22 Prozent. Und das ist, angesichts eines Wertverlusts der Unternehmensaktien von rund 44 Prozent im selben Fiskaljahr, für Aktionäre auch eine Provokation.

Ohnehin kritisieren insbesondere Anteilseigner ihren CEO Dauman und das Board spätestens seit Bekanntgabe der letzten Bilanz im Herbst 2015 laut und deutlich. Insbesondere nun deswegen, weil das Unternehmen (MTV, Comedy Central, Paramount) zu Beginn dieses Jahres angegeben hatte, die Ausgaben für Philippe Dauman gekürzt zu haben. Besonders drastische Kritik kam von der Eignergruppe SpringOwl Asset. Sie führt eine regelrechte Kampagne gegen Dauman und seine Unternehmenspolitik. Beanstandet wurde beispielsweise der Erwerb und das Abstoßen von Anteilen an Vice Media Inc. unter Dauman. Das Unternehmen gilt als besonders innovativ und wird in der Branche als „das neue MTV“ bezeichnet. Zeitweise war Viacom Mehrheitseigner. Während Viacom verkaufte, investierten Disney, Hearst Corp. und 21st Century Fox und andere mehr. Schwerer noch wiegt für Viacom vielleicht der Verlust von 3,4 Milliarden Dollar, der dem Unternehmen durch Rückkäufe eigener Aktien zwischen 2010 und 2015 entstand – ebenfalls zu Daumans Zeiten.

Zudem sind Umsätze und Erlöse im klassischen Kabelgeschäft zwar stabil, doch „cord-cutting“ bedroht genau diese Grundlage des Viacom-Kerngeschäfts. Im Jahr 2014 kündigten 260.000 amerikanische Haushalte ihre Pay-TV Abos und für 2015 rechnet man mit mehr als 300.000, die es ihnen gleich tun. Streaminganbieter wie Hulu, Netflix und andere bieten ihren Kunden größere Vielfalt als feste Programmsender – zu niedrigeren Preisen. Während Dauman also dem Anschein nach für Stagnation und Verluste belohnt wurde, wurden die Bezüge des 92-jährigen Boardmitglieds Sumner Redstone anscheinend um 85 Prozent gekürzt.

Redstone ist Mehrheitseigner von Viacom und CBS. Seine gesundheitliche Verfassung und seine Geschäftsfähigkeit gaben in den vergangenen Monaten wiederholt Anlass für Spekulationen. Gesundheitliche Gründe wurden für das Ausscheiden Redstones am 3. Februar aus dem CBS-Board genannt, und es zeichnet sich nun auch sein Ausstieg aus dem Viacom-Board ab. Die neue starke Frau in seinen Fußstapfen bei Viacom und auch bei CBS ist seine Tochter Shari Redstone. Bei CBS hat sie umgehend den Hauptgeschäftsführer Leslie Moonves zum Nachfolger ihres Vaters ernannt. Mit Philippe Daumann habe sie eine entsprechende Nachfolgevereinbarung nicht getroffen, heißt es.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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