Das große Hin und Her. Ist die Fusion von CBS und Viacom nur der Anfang?

07.08.2019

13. August 2019: CBS und Viacom (beide New York) geben den schon erwarteten Re-merger, den Zusammenschluss der seit 2006 getrennt gelisteten Medienkonzerne bekannt. Für Variety „the latest twist in the saga of the media giants“. Aufsichtsratsvorsitzende der neuen ViacomCBS Inc. wird Shari Redstone, bislang Vize-Vorstandsvorsitzende der beiden Einzelunternehmen und seit Jahren treibende Kraft hinter der Fusion. Spätestens jetzt ist sie, so der Guardian, „a major force in male-dominated Hollywood”.

Wieder geht es darum, wie bei allen großen Konzernzusammenschlüssen der letzten Jahre, die eigene Position zu stärken vor dem Hintergrund der Streaming-Aufruhr von Netflix und den anderen, und den daraus resultierenden millionenfachen Kündigungen von Kabelfernseh-Kunden („cord-cutters“). Dazu Shari Redstone: “My father once said ‘content is king,’ and never has that been more true than today. Through CBS and Viacom’s shared passion for premium content and innovation, we will establish a world-class, multiplatform media organization that is well-positioned for growth in a rapidly transforming industry.” Man macht auch gleich klar: Der Katalog des neuen ViacomCBS wird 140.000 Serienepisoden und 3.600 Filmtitel umfassen. Außerdem würden 22 Prozent des gesamten US-Fernsehkonsums über Sender/Plattformen von ViacomCBS laufen. Womit man deutlich vor Comcast (18%) und Disney (14%) läge.

Im Rückblick eine lange Geschichte. CBS, gegründet 1927 als Radionetzwerk, ab Anfang der 1940er eines der drei kommerziellen US-Fernsehnetworks (NBC, CBS, ABC), musste 1973 aus kartellrechtlichen Gründen die Filiale zur Inhalte-Syndication ausgliedern. Viacom entstand. 1987 wurde Viacom von Sumner Redstones Kinokette National Amusements gekauft, übernahm Paramount Pictures 1994 und 2000 dann die frühere Muttergesellschaft CBS. Bis 2005, als Redstone eine Wiederaufspaltung in CBS und Viacom beschloss, mit Wirkung vom 1.1.2006. Beide Firmen blieben aber unter Kontrolle der privaten National Amusements-Holding. Und jetzt geht es wieder zusammen.

Nach Les Moonves: Der langjährige Vorstands- und Aufsichtsratschef der CBS Corporation und designierte Redstone-Nachfolger hatte sich immer gegen eine neue CBS/Viacom-Fusion gestemmt, die seit 2016 im Gespräch war. Moonves allerdings ist nach Vorwürfen sexueller Belästigung in einem Bericht im New Yorker (Juli 2018) und seinem Abgang bei CBS am 9.9.18 „out of the picture”, der Fusion stand danach nichts mehr im Wege. Sumner Redstone ist immer noch da, mittlerweile 96, altersschwach („schwere kognitive Defizite“) und mit unbezahltem Ehrenvorsitz. Seine Tochter Shari (Jg. 1954), auch President von National Amusements, ist die starke Frau hinter dem mega-media merger. Doch damit nicht genug. nbcnews.com etwa schreibt von Gerüchten, Shari Redstone habe in Kürze noch Größeres vor. „Diese Fusion ist für sie der Start, nicht die Ziellinie“, so ein Insider. Verglichen mit Top-Konzernen wie AT&T und Disney ist selbst die neue „CBS/Viacom-combo“ noch relativ klein. Und Redstone könne sich „other sizable media operations“ vorstellen. Potentielle Übernahmeziele (laut CNBC): Sony und Discovery.

 

Zur Erinnerung ein Blick auf die ganz großen Übernahmen der vergangenen Zeit:

2018 die Mutter aller Mergers, so to say, von AT&T und TimeWarner. Für nicht weniger als 85,4 Milliarden Dollar kaufte der weltgrößte Telekomkonzern den (ab Ende der 1990er bis 2010) weltgrößten klassischen Medienkonzern (Warner Bros, HBO, CNN). Das neue AT&T sicherte sich so auf unbestimmte Zeit den Spitzenplatz im Medienkonzern-Ranking des IfM.

Dann Disney. Nach Abschluss des Kaufprozesses im März 2019 ging ein Großteil von Rupert Murdochs 21st Century Fox in den Disney-Konzern ein. Zum Preis von 71,3 Milliarden Dollar. Was für Hollywood bedeutet, dass erstmals seit dem Ende von MGM in den 1980ern mit Fox ein Major-Studio verschwindet. Und nur noch fünf übrig bleiben: Disney, Warner Bros (AT&T), Sony, Paramount (Viacom) und Universal (Comcast).

Comcast hatte Mitte Juli 2018 den Bieterwettbewerb um 21st Century Fox gegen Disney verloren; zwei Monate später konnte man Plan B umsetzen und mit Sky den größten europäischen Pay TV-Konzern übernehmen. Eine verworrene Sache: Auch hier gab es eine Versteigerung, diesmal war Rupert Murdochs 21st Century Fox der Gegner. Der Konzern also, der gerade an Disney gegangen war, und dem zudem bei Auktionsende noch 39 Prozent der Anteile an Sky gehörten. Ende September 2019 entschied man sich bei Fox, diese 39 Prozent an den Auktionsgewinner Comcast zu verkaufen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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