Comcast will Time Warner Cable übernehmen (Hintergründe)

14.02.2014

Gestern wurde bekannt, dass der größten Medienkonzern der Welt und größte Kabelanbieter der USA, Comcast, seinen größten Konkurrenten Time Warner Cable übernehmen will. Ein entsprechendes Kaufangebot in Höhe von 45,2 Milliarden US-Dollar in Aktien wurde von Time Warner Cable bereits akzeptiert, so das Unternehmen. Der wesentlich kleinere Kabelkonzern Charter Communications, der ebenfalls an einer Übernahme von TWC interessiert war, ist damit bis auf weiteres aus dem Rennen. Erst vor einem Jahr hat Comcast die medienpolitisch und konzentrationsrechtliche höchst umstrittene Übernahme des Film- und TV-Giganten NBC Universal formal abgeschlossen.

Das US-Justizministerium und die Medienregulierungsbehörde FCC müssen in den kommenden neun bis zwölf Monaten entscheiden, ob sie den Mega-Deal genehmigen und der Marktführer die Nummer Zwei auf dem Kabelmarkt schlucken darf. Ein kombiniertes Comcast/NBC/Time Warner Cable-Unternehmen würde mit einem jährlichen Umsatz von ca 90 Milliarden US-Dollar seine Spitzenposition im Ranking der größten Medienkonzerne der Welt deutlich ausbauen (Time Warner Cable ist seit 2009 nicht mehr Bestandteil des gleichnamigen Medienkonzerns Time Warner).

Die Verantwortlichen von Comcast, Brian Roberts und David Cohen, sind optimistisch und gehen davon aus, dass die Übernahme ohne Probleme genehmigt werden wird. Roberts hat in den vergangenen Jahren insgesamt 136 Milliarden US-Dollar für Übernahmen ausgegeben und gilt schon lange als Kabelkönig der USA. US-Technologieexperten, Medienpolitiker und Verbraucherorganisationen zeigen sich jedoch entsetzt angesichts von Comcast Expansionsplänen. Sie fürchten, dass die Übernahme dramatische Konsequenzen für Kabelkunden und die im internationalen Vergleich marode Netz-Infrastruktur der USA haben wird. Die Redaktion von mediadb.eu hat die beiden Positionen zusammengefasst:

Was spricht für eine Genehmigung der Übernahme?
Wie bei der Übernahme von NBC wird Comcast argumentieren, die Übernahme hätte keinerlei Auswirkungen auf Kabelkunden, da beide Unternehmen bisher nicht in den gleichen regionalen Märkten aktiv sind. Um eventuellen regulatorischen Auflagen zuvorzukommen, wird Comcast dazu Zugeständnisse machen und nur acht anstatt der gesamten elf Millionen Pay-TV-Kundenverträge von Time Warner Cable mitübernehmen. Auf diese Weise wird Comcasts landesweiter Anteil am Pay-TV-Markt die Marke von 30 Prozent nicht überschreiten, die gemeinhin als akzeptabel gilt. Aktionäre beider Unternehmen könnten gegen eine Übernahme stimmen, was jedoch unwahrscheinlich ist (der Wert einer Time Warner Cable-Aktie beziffert sich bei der Übernahme auf attraktive 160 US-Dollar). FCC-Chef Tom Wheeler hat sich bisher nicht zu den Übernahmeplänen geäußert. Wheeler, ein ehemaliger Lobbyist für die Telekommunikationsbranche, hat in der Vergangenheit geäußert, nur eingreifen zu wollen, wenn bei einer Übernahme der Wettbewerb zwischen Unternehmen eingeschränkt würde. Lobbying-Ausgaben (mit 18 Millionen US-Dollar im Jahr 2013 ist Comcast auch in dieser Hinsicht Spitzenreiter unter den Medienkonzernen) werden ihr übriges tun, um die Übernahme in Washington populärer zu machen.

Warum könnte die Übernahme untersagt werden?
Für den ehemaligen FCC-Kommissar Michael Copps ist das Übernahmeangebot "dermaßen übertrieben, dass die FCC es rundum ablehnen sollte, sich damit überhaupt zu befassen". Free Press, die größte Medien-Reform-NGO der USA, bezeichnete den Merger als "Desaster" und warnte vor einem "skandalösen Deal", der einen bisher nie dagewesenen "TV- und Internet-Koloss" entstehen lassen würde. Und die ehemalige Obama-Beraterin Susan Crawford bezeichnete die Übernahme als "beängstigend" für Kunden und mittelständische Unternehmen, die auf moderne Internetanschlüsse angewiesen sind. In 19 der 20 größten US-Städte werden Internetnutzer und insbesondere Tech-Unternehmen in Zukunft auf schnelle Comcast-Verbindungen zugreifen müssen. Comcast kurzfristige Renditeziele stehen jedoch in Konflikt mit langwierigen und teuren Investionen in schnelle Glasfaser-Verbindungen.

Zwar stimmen die Kritiker darin überein, dass der Wettbewerb durch den Deal formal nicht weiter eingeschränkt werde. Dies sei allerdings nur der Fall, weil es auch schon bisher keinerlei Vielfalt für die meisten Kabel- und Internetkunden bei der Wahl ihrer Provider gibt (in den meisten US-Metropolen haben Kabel- und Internetkunden de facto keine Auswahlmöglichkeit). Die Kritiker sind der Meinung, dass kein Unternehmen so groß werden sollte, dass es ein Drittel aller Kabel-TV-Kunden und die Hälfte aller Triple-Play-Abonnenten (TV, Internet, Telephonie) kontrolliert. Das Hauptproblem bleibt jedoch Comcasts Kontrolle über NBC-Content, der als Druckmittel gegenüber den verbliebenen Konkurrenten von Comcast und TWC benutzt werden könnte, wie die American Cable Association warnte, die kleinere Kabelunternehmen vertritt. Für Analyst Craig Moffet könnte die Übernahme jedoch aus Gründen der Meinungs- und Informationsfreiheit scheitern: Alternative Programmanbieter, mit deren Inhalten Comcast nicht übereinstimmt, könnten mit einem Schlag aus den Haushalten von rund der Hälfte aller Amerikaner verschwinden.

Mehr dazu:

New York Times: Comcast Deal Seeks to Unite 2 Cable Giants (12.02.2013)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

Zur Instituts-Website

European Media Pluralism

Mediadb.eu unterstützt die European Initiative for Media Pluralism

Partner

Mediadb.eu wird gefördert vom medienboard Berlin-Brandenburg,

dem Media Program der Open Society Foundations,

der Bundeszentrale für Politische Bildung,

der Rudolf Augstein Stiftung

sowie der Stadt Köln

dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie

und dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V.