Buzzfeed, Mashable, Daily Beast: Krise der Digitalmedien

04.12.2017

Buzzfeed-CEO Jonah Peretti (Max Morse CC BY 2.0)

Die schlechten Nachrichten für journalistische Onlineportale häufen sich derzeit: Vergangene Woche wurde bekannt, dass Buzzfeed sechs bis acht Prozent seiner Belegschaft vor die Tür setzen wird, da der Umsatz für das Geschäftsjahr 2017 um 15 bis 20 Prozent hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Zudem hat das Nachrichten- und Videoportal in den vergangenen Jahr 10 Prozent seiner amerikanischen Leser verloren, wie Recode berichtet. Buzzfeeds ebenfalls kriselnder Wettbewerber Mashable wurde vergangenen Monat für gerade mal 50 Millionen Dollar - ein Fünftel seiner einstigen Bewertung - an den Ziff Davis-Verlag verkauft, der Teil der J2 Global-Gruppe ist. Und das digitale Medienhaus IAC versucht seit Wochen sein einstiges Herzstück, das Onlinemagazin The Daily Beast zu verkaufen.

Das sind nur drei Beispiele für einen durch Risikokapital künstlich aufgeblähten Markt für Onlinenews, der bisher keinen Weg gefunden hat, eine nie dagewesene Fülle von (häufig repetitiven und austauschbaren) Inhalten durch Anzeigenverkäufe ausreichend zu monetarisieren. Die Gründe für die aktuelle Krise sind klar: Zum einen hat sich durch den Influx enormer Mengen an Venture Capital ein digitalen Medienblase gebildet, die nun kurz vor dem Zerplatzen ist. Seiten wie Buzzfeed erreichen nach wie vor hunderte Millionen von Menschen und können dabei eigentlich respektable Werbeumsätze verzeichnen. Doch sie können derzeit nicht ihre hohen Bewertungen rechtfertigen, die ihnen Millioneninvestionen von Investoren und größeren Medienkonzernen aufgebürdet haben.

Zweitens ist der Online-Werbemarkt in den USA quasi-monopolisiert. Das Duopol von Google und Facebook kontrolliert bis zu 70 Prozent des Werbemarktes und tritt dabei immer deutlicher als eine Art unregulierter Kabel-TV-Betreiber auf - der jedoch im Gegensatz zu richtigen Kabelunternehmen keine Lizenzgebühren an die Inhalteproduzenten zahlt, sondern im Gegenteil einen Teil derer Einnahmen abschöpft. Soziale Netzwerke helfen den digitalen Medienhäusern zwar bei der Distribution ihrer Inhalte, doch langfristig sorgt die Kooperation nur für eine Stärkung der Dominanz von Facebook und Co.

Schließlich erleben traditionelle, hochwertige journalistische Angebote wie Qualitätszeitungen und Magazine eine Mini-Renaissance. Der Traffic für Webseiten der etablierten Medienmarken wie CNN, New York Times, Fox News und Washington Post steigt im Gegensatz zu den Start-Ups derzeit. Magazine wie New Yorker oder auch die "Post" verkaufen derzeit wieder mehr Print-Abos, der Umsatz mit Digitalabos bei der New York Times stieg in diesem Jahr um 44 Prozent. Im Zuge der Trump-Präsidentschaft profitieren diese Medien von einem gesteigerten Interesse an traditionellen, gut recherchierten Journalismus - im Onlinebereich nehmen werbetreibende Firmen jedoch zunehmend Abstand davon, Anzeigen im Umfeld von politischer Berichterstattung zu schalten.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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