Business Insider, Vox Media, Buzzfeed: Medienkonzerne investieren wieder in Onlinejournalismus

29.09.2015

Business Insider-Gründer Henry Blodget. CC by Financial Times photos

Heute wurde es offiziell bestätigt: Axel Springer hat für 306 Millionen Euro einen 88-prozentigen Anteil an der Website Business Insider erworben. Zuvor hielt Springer bereits neun Prozent am Unternehmen, das sich auf Wirtschafts-, Technologie-, und Prominachrichten spezialisiert hat und 2007 vom ehemaligen Wall Street Analyst Henry Blodget gegründet wurde. Amazon-Gründer Jeff Bezos hält die restlichen drei Prozent am Unternehmen.

Mit Business Insider, dessen Wert jetzt bei 442 Millionen US-Dollar liegt, kontrolliert Springer nun eine der weltweit reichweitenstärksten digitalen Medienmarken. Rund 76 Millionen Besucher verzeichnet die Webseite monatlich und vergrößert so die internationale Reichweite von Springer im englischsprachigen Raum beträchtlich. Zuvor hatte der Medienkonzern vergeblich versucht die britische Wirtschaftszeitung Financial Times zu übernehmen, wurde jedoch von japanischen Finanzinformationsdienstleister Nikkei ausgestochen.

Der Business Insider-Deal ist ein weiteres Indiz dafür, dass große Medienunternehmen auf einmal wieder Interesse an digitalen Medienoutlets zeigen. So investierte Comcasts NBCU-Sparte im vergangenen Sommer 250, bzw. 200 Millionen Dollar in das ursprünglich auch von Walt Disney umworbene BuzzFeed (Unternehmenswert: 1,5 Mrd.) und Vox Media (850 Mio.). Und A&E Networks, ein Joint Venture von Hearst und Disney, sowie 21st Century Fox kontrollieren mittlerweite zehn, bzw. fünf Prozent von Vice Media.

Mit den Übernahmen und Investitionen können Business Insider, Buzzfeed und Co. ihre Reichweite verstärken, etwa wenn deren Inhalte über die traditionellen Kanäle der Medienkonzerne verteilt werden (wie etwa wenn Vox Media-Journalisten als Experten in NBC-Sendern auftreten oder ganze Spartenkanäle programmieren; die im Besitz von Springer befindliche Webseite finanzen.net wird im vierten Quartal diesen Jahres eine deutsche Version von Business Insider produzieren).

Doch, wie Kara Swisher und Peter Kafka von Recode, analysiert haben, sind die Investitionen von seiten der Medienkonzerne auch riskante Wetten auf den zukünftigen Wert solcher Onlinemedien. Noch vor wenigen Jahren hätten die Konzerne ihre Finger von Newsseiten gelassen. Doch nun spekulieren Medienmanager darauf, dass Marken wie Buzzfeed oder Business Insider in zehn Jahren etwa so viel wert sein könnten wie etablierte US-Kabelsender. Ob diese jedoch langfristig Profite abwerfen ist angesichts der weiterhin ungeklärten Frage der Finanzierung von qualitativ hochwertigen Onlinejournalismus offen. Fakt ist, dass Business Insider momentan nicht profitabel ist und für das Jahr 2015 erwartet, einen Verlust zu erwirtschaften, was damit begründet wird, dass der Business Plan diese Verluste vorsieht, um weiter zu wachsen. (Buzzfeed erwirtschaftet offenbar dagegen inzwischen Gewinne und konnte sein Umsatz kontinuierlich steigern).

Interessant ist hierbei, dass weder Business Insider noch Buzzfeed auf Paid-Content-Modelle setzen. Da der Raum für Onlineanzeigen jedoch im Gegensatz zur Print-Ära nicht mehr begrenzt ist besteht die Gefahr, dass digitale Outlets sich auf der hochgradig kompetitiven Jagd nach Display-Anzeigen immer mehr annähren (der Markt für Onlinewerbung wird von eMarketer auf rund 60 Mrd. Dollar geschätzt, der Großteil geht davon jedoch an Onlinenkonzerne wie Google, Facebook und Yahoo). Auf diese Weise würden langfristig die Preise für Onlinewerbung weiter nach unten gedrückt. Einige Beobachter sprechen deshalb davon, dass Onlinemedien systematisch überbewertet sind und Teil einer bald zerplatzenden Dot.com Blase sind.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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