Burda investiert mit Twitter-Entwickler verstärkt in Digitalisierung

08.06.2011

Letzte Woche wurde bekannt, dass Burda Digital 5,6 Millionen US-Dollar in Anteile an dem Social-Media-Entwickler UberMedia investiert. Seit gestern ist die Kooperation mit dem eKiosk der Deutschen Telekom offiziell und ab Mitte Juli gehört das Portal eBalance in das Portfolio der Burda Style Group. Die mediadb-Redaktion hat die Hintergründe dieser Investitionen in das digitale Geschäft näher beleuchtet.

 

Welche Strategien verfolgt die Hubert Burda Media Holding?

Die Hubert Burda Media Holding ist der sechstgrößte deutsche Medienkonzern. Der Verlag sieht den Digital-Bereich als seine zweite Säule auf dem Weg zu „einem internationalen Multimedia-Konzern“. Das Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, im Jahr 2012 die Hälfte des Gesamtumsatzes aus den Bereichen Digital und Direktmarketing zu generieren. Im Jahr 2009 machte das Digitalgeschäft bereits 23,9 Prozent der Gesamtumsätze aus. Dies entspricht einer Steigerung von 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im März 2011 stellte der Vorstandschef Paul-Bernhard Kallen in einem Interview einen weiteren Ausbau der Sparte in Aussicht: „This year we intend to grow by 15% or 16%. We have a strong position in Internet which we try to further build”.

 

Welche jüngsten Aktivitäten kennzeichnen den Ausbau des Digitalgeschäfts?

Burda investiert verstärkt in den Bereich Social Media und Apps. Am 2. Juni wurde bekannt, dass Burda über seine internationale Investmentgesellschaft DLD-Ventures Anteile an dem amerikanischen Twitter-Entwickler UberMedia erworben hat. UberMedia bezeichnet sich selbst als den führenden Entwickler von Applikationen und netzbasierten Diensten für Twitter und andere Social Media Plattformen. Das Unternehmen hat populäre Applikationen wie Twidroyd und Echofon entwickelt, die rund 13 Prozent des Twitter-Datenverkehrs abwickeln. Aufgrund von Auseinandersetzungen zwischen Twitter und UberMedia wird die Akquisition jedoch von Kritikern skeptisch betrachtet.

Wie Burda-Magazine digital effektiv verbreitet werden können, soll durch eine Kooperation mit der Deutschen Telekom eruiert werden. Burda ist Verlagspartner des digitalen Kiosks PagePlace, bei dem nach einer Registrierung und dem Herunterladen einer App 40 000 Bücher und 450 Magazine auf verschiedenen Endgeräten lesbar sind.

 

Welche weiteren Schwerpunkte sind erkennbar?

Der Vorstandsvorsitzende Kallen geht davon aus, dass Inhalte aus Zeitungen oder Zeitschriften nicht direkt in das Internet übertragen werden können. Aus diesem Grund werde das Unternehmen langfristig in zwei Teile geteilt. Dieser Prozess offenbart sich in einem Abbau der „verlagsgetriebenen Online-Aktivitäten auf ein notwendiges Minimum“.

Neben dem Digitalgeschäft stellt die Vermarktung einen Schwerpunkt dar. Seit Februar wurde die internationale Vermarktung der Burda-Marken durch eine neue Webseite einfacher gestaltet und seit Ende März wurde das Empfehlungsmarketing „Word of Mouth“ eingeführt, das Kaufentscheidungen durch persönliche Empfehlungen auslösen soll. Im Mai wies die Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) das Vermarktungsnetzwerk Tomorrow Focus AG mit 30,78 Millionen Unique Usern im Monat Januar (60,7 Prozent) als den größten deutschen Online-Vermarkter aus. Laut Marketing- und Vertriebsvorstand Christoph Schuh hatte sich das Team eigentlich erst für 2012 dieses Ziel gesetzt.

Darüber hinaus spricht der Vorstandsvorsitzende Paul-Bernhard Kallen in einem Interview von der für Burda inzwischen größeren Bedeutung des Engagements in Wachstumsmärkten wie Asien und Osteuropa. Erst im März wurde in Indien ein Tiefdruckbetrieb eingeweiht. Demgegenüber laufe die Wachstumsrate in Deutschland gegen null. Der Geschäftsbericht 2010 bietet eine gute Zusammenfassung: „Die Schwerpunkte für Investitionen des laufenden Geschäftsjahres liegen in den Bereichen Digital (Beteiligungen und Verlage) sowie im Auslandsgeschäft.“ Im Sommer 2011 soll der Geschäftsbericht für 2010 erscheinen.

 

Mehr dazu:

 

Livemint: Don’t believe apps will replace publishing business. The chairman and chief executive officer of Hubert Burda Media, Paul-Bernhard Kallen, talked about the future of the media and the venture in India (03.03.2011)

 

FAZ: Burda beteiligt sich an Ubermedia (02.06.2011)

 

Burda: Burda-Marken am Telekom-eKiosk (07.06.2011)

 

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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