Börsengang von Alibaba: Geldsegen für Yahoo

17.03.2014

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Vergangene Woche wurde bekannt, dass Chinas größter Onlinekonzern, die Alibaba Group, im kommenden Herbst ihren Börsengang an der New Yorker Wall Street vornehmen wird. Mit einem auf 130-150 Milliarden US-Dollar bezifferten Unternehmenswert könnte es sich um einer der größten IPOs in der Geschichte handeln - prognostizierte Einnahmen von 16 Milliarden könnten sogar Facebooks Börsendebüt von vor zwei Jahren übertreffen. Die Alibaba-Group wurde 1999 von Jack Ma (Foto) gegründet und ist der führende Anbieter für E-Commerce im Reich der Mitte. Neben der schieren Größe des Unternehmens (im vergangenen Jahr liefen Verkäufe über Alibaba, deren Volumen von 240 Milliarden Dollar mehr als doppelt so groß war wie das von Amazon) ist der Börsengang vor allem wegen einer 24-prozentigen Beteiligung von Yahoo interessant, die aus dem Jahr 2004 stammt. Diese hat sich mehr und mehr zur Überlebensversicherung des seit Jahren kriselnden Onlinekonzerns aus Sunnyvale entwickelt. Neben Alibaba plant auch das chinesische Twitter-Pendant Weibo den Gang an die Börse, an dem Alibaba wiederum mit 19 Prozent beteiligt ist. Die Redaktion von mediadb.eu stellt den chinesischen Internet-Riesen und seine Bedeutung für Yahoo vor:

Was ist Alibaba?
Der Alibaba-Konzern besteht neben diversen weiteren Webseiten im wesentlichen aus drei Bereichen: Alibaba.com ist die größte Business-to-Business-Handelsplattform des World Wide Web. 45 Millionen registrierte klein- und mittelständische Firmen aus 240 Ländern treiben hier online Handel miteinander. Alibaba.com ist hierbei die Adresse für internationalen Handel, während sich der innerchinesische Handel auf 1688.com abspielt. Taobao.com ist die Consumer-to-Consumer-Auktionsplattform, die einen 90-prozentigen Marktanteil in China hat. Taobao hat eBay und deren chinesische Tochterfirma EachNet inzwischen vom Markt verdrängt. Taobao bietet klassische und kostenlose Versteigerungen zwischen  Privatkunden an: Seit 2011 gibt es auch sogenannte „B2C“ (Business-to-Consumer)-Angebote, die Taobao zu einem Onlinekaufhaus machen. Und Alipay ist schließliech das beliebteste chinesische Online-Bezahlsystem, sowohl in Bezug auf die registrierten Kunden als auch nach dem Transaktionsvolumen.

Gegründet wurde die Alibaba Group 1999 von Jack Ma (chinesisch: Ma Yun). Er schaffte es innerhalb von zehn Jahren, Alibaba von seinem Wohnzimmer aus in den größten Onlinekonzern Chinas zu verwandeln. „Chairman Ma“ ist eine Pop-Ikone in China, wo die meisten Jugendlichen davon träumen, ihre eigene Firma zu gründen. Der „Spiegel“ bezeichnete Alibaba.com als „bestsortierten Gemischtwarenladen des globalen Dorfs“, die New York Times beschrieb den Konzern jüngst als "Mischung aus eBay, Google und PayPal". Wie wichtig die Alibaba-Group für die Wirtschaftsstruktur der Volksrepublik geworden ist, zeigt sich auf dem jährlich stattfindenden „Alifest“. Jährlich versammeln sich in Hangzhou zehntausende bei Alibaba registrierte Unternehmer, um Jack Ma sprechen zu hören und sich gegenseitig über ihre E-Commerce-Erfahrungen auszutauschen. Ma, der das operative Tagesgeschäft mittlerweile an CEO Jonathan Lu abgegeben hat, hat die gegenwärtige Wirtschaftslage und die stetige Verbreitung des Internets in China richtig analysiert und erkannt. Das Land ist voller kleiner und mittelständischer Unternehmen, die online mit anderen Firmen in China und der restlichen Welt Handel treiben möchten. Bedenken, die chinesische Wirtschaft sei vor allem durch persönliche Kontakte und Klientelismus (der sogenannten Praxis des guanxi) geprägt und daher mit Onlinehandel inkompatibel, hat Ma bis auf weiteres zerstreut.

Welche Bedeutung spielt der Börsengang für die Zukunft von Yahoo?
2004 erwarb Yahoo für rund eine Milliarde US-Dollar 44 Prozent der Anteile an Alibaba, die im Mai 2012 auf 24 Prozent reduziert wurden. Der vom taiwanesisch-stämmigen Yahoo-Gründer Jerry Yang eingefädelte Einstieg wird heute angesichts des Wachstums von Alibaba als absoluter Glücksfall bewertet. Manche Beobachter sprechen sogar davon, dass es Yahoo in seiner heutigen Form ohne die Investition in Alibaba nicht mehr geben würde. Obwohl Yahoo auch unter der neuen Führung von Marissa Mayer Umsatzrückgänge verzeichnen musste und trotz spektakulärer Akquisitionen wie etwa Tumblr weiterhin in der Krise steckt, ist der Aktienkurs in den vergangenen Monaten gestiegen. Wie jetzt klar wird, lag das weniger an den Korrekturen von Mayer oder den zahlreichen Zukäufen, sondern an den seit Sommer 2013 kursierenden Gerüchten über den nun bestätigten Börsengang von Alibaba. Denn: Yahoo ist im Rahmen eines Abkommen verpflichtet, mindestens rund die Hälfte seiner Anteile an Alibaba unmittelbar nach Börsengang zu verkaufen. Wenn Alibaba beim Debut an der Börse also eine Kapitalisierung von 130 Milliarden erreicht, wird Yahoo mit dem Verkauf von rund 12 Prozent der Anteile 15,6 Milliarden US-Dollar einnehmen, was nur etwas weniger als der Hälfte des eigenen Unternehmenswert entspräche. Den Gewinn würde Yahoo vermutlich in weitere Zukäufe investieren und damit Konkurrenten wie Google oder Facebook angreifen.

Mehr dazu:

Handelsblatt: Chinesische Web-Giganten streben an die Börse (15.03.2014)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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