Bieterwettstreit um Scripps Networks Interactive

20.07.2017

In Zeiten der fortschreitenden Konzentration des US-Medienmarktes gilt die Devise entweder massiv zu wachsen oder von der Konkurrenz überholt zu werden. 2016/17 wird als Jahr der Mega-Merger in die Geschichte eingehen: nach geplanten oder bereits durchgeführten Fusionen zwischen AT&T und Time Warner, Verizon und Aol/Yahoo, Charter und Time Warner Cable und Sinclair und Tribune folgt nun die nächste Übernahme. Entweder Discovery Communications oder Viacom wird den Zuschlag erhalten, Wettbewerber Scripps Networks zu kaufen.

Sowohl Discovery als auch Viacom bereitet seit geraumer Zeit die Praxis des cord cutting enorme Probleme. Im Zuge der Migration der Zuschauer vom Kabel ins Internet leiden kleinere Sendergruppen besonders unter der vermehrten Kündigung von Kabelverträgen. Die Kabelkonzerne waren zuletzt nicht mehr bereit, hohe Summen für die Aufnahme von Viacoms Sender (Comedy Central, MTV, VH1) in deren Kabelpakete zu zahlen; Scripps und Discovery wurden in Dish Networks Streamingdienst Sling TV komplett übergangen. Um sich eine bessere Verhandlungsposition zu verschaffen und sein Portfolio an Sendern zu erweitern, macht es also durchaus Sinn zu fusionieren.

Auf den ersten Blick erscheint ein Merger zwischen Discovery und Scripps mehr Sinn zu machen. Die Discovery-Sender (u.a. Discovery Channel, Animal Planet, TLC, OWN) würde das überwiegend auf weibliche Zuschauer abzielende Scripps-Portfolio (Food Network, Travel Channel, HGTV) bestens ergänzen. Discovery, das seine Programme seit Jahren bereits international vertreibt und spätestens seit der Übernahme von Eurosport eine enorme Präsenz in Europa hat, könnte die weitgehend auf die USA beschränkten Scripps-Inhalte zudem erfolgreich exportieren. Hinzu kommt, dass Discovery den Deal wohl mit Cash finanzieren könnte, während das kriselnde Viacom Aktienoptionen anbieten müsste und sich eigentlich verschlanken und auf seine Kernmarken beschränken will.

Analysten warnen jedoch davor, dass Fusionen unter Kabelsendergruppen kein Allheilmittel gegen die strukturelle Krise des Kabel-Geschäftsmodell ist. Ein durch eine Scripps-Übernahme in der Größe verdoppeltes Viacom- oder Discovery-Konzern könnte mehr Probleme schaffen als bestehende zu lösen. Der Trend im Kabelsektor geht momentan klar in Richtung skinny bundles, der Verschlankung von großen, teuren Senderpaketen. Discovery und Viacom hätten nach einem erfolgreichen Scripps-Deal auf einen Schlag rund 20 kombinierte Sender - vermutlich mehr als die verbliebenen Kabelkunden bereit sind für zu bezahlen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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