Bertelsmann will Umsatz steigern

21.10.2013

Bertelsmann plant, seinen Umsatz in den kommenden zwei bis drei Jahren signifikant zu steigern. Bis spätestens 2017 will der Medienkonzern erstmals einen Rekord-Umsatz von über 20 Milliarden Euro erzielen. Dies geht aus gestern veröffentlichten Informationen des "Handelsblatt" hervor. Die entsprechende Ankündigung von CEO Thomas Rabe ist als Reaktion auf die durchwachsenden Ergebnisse der letzten Quartale zu verstehen. Im zweiten Quartal 2013 konnte das Unternehmen zwar einen Rekordgewinn vermelden (im wesentlichen aufgrund des Random House Bestsellers "Inferno" von Autor Dan Brown), musste jedoch im zweiten aufeinanderfolgenden Quartal Umsatzrückgänge einräumen. Bemerkenswert ist auch Rabes Ankündigung, in den Bereich digitaler Fachinformationen einzusteigen. Offenbar werden den bisherigen Geschäftsbereichen, insbesondere der Beteiligung am kriselnden Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, keine Umsatzzuwächse mehr zugetraut.

Wie wird Bertelsmann in den nächsten Jahren im internationalen Vergleich da stehen?
Auch mit einem Umsatz von über 20 Milliarden Euro wird es Bertelsmann zunächst nicht gelingen, in die Top-5 der größten Medienkonzerne der Welt zurückzukehren. Zum Vergleich: Im Jahr 1995 war Bertelsmann noch der zweitgrößte Medienkonzern der Welt; 2005 mit einem Umsatz von 17 Milliarden Euro immerhin noch auf Platz 5. Doch inzwischen haben sich die Kräfteverhältnisse geändert. Comcast, 2005 noch hinter Bertelsmann auf Platz 6, wurde im Zuge der Übernahme von NBC Universal zum weltweit größten Medienkonzern aller Zeiten. Die Top 3 - Comcast (49 Milliarden Euro), Google (39 Mrd.) und Walt Disney (33 Mrd.) werden auch über 2017 hinaus für Bertelsmann in weiter Ferne bleiben. Der Konzern aus Gütersloh könnte jedoch langfristig am mit massiven Problemen zu kämpfenden, japanischen Elektronik- und Unterhaltungskonzern Sony vorbeiziehen und würde näher an die US-Unternehmen Viacom, Time Warner und News Corp./21st Century Fox heranrücken.

Welche Rolle spielt der Einstieg in den Fachinformations-Sektor?
Bertelsmann folgt der Beispiel von anderen internationalen Medienkonzernen wie Pearson, Thomson Reuters oder der Washington Post Company, die ihr klassisches Mediengeschäft im Zuge des Ausbaus von Fachinformationsdiensten und Bildungsangeboten zurückgefahren haben. Das Sorgenkind von Bertelsmann bleibt die Beteiligung am Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, deren Umsatz von 1,1 Milliarden auf 1,0 Milliarden Euro zurückging. In sämtlichen Ländern außer Frankreich und Deutschland, in denen G+J Zeitschriften publiziert (u.a. Spanien, Österreich, China) kam es zu in den vergangenen Quartalen zu rückläufigen Erlösen. Vorstandschefin Julia Jäkel plant deshalb den Verlag umzustrukturieren, in den kommenden fünf Jahren hunderte von Mitarbeitern entlassen, und Beteiligungen in Osteuropa zu verkaufen. Die Investitionen in die Business Information-Sparte könnten also auf Kosten des internationalen Zeitschriftengeschäfts gehen.

Mehr dazu:

Handelsblatt: Bertelsmann-Chef peilt Umsatzrekord an (20.10.2013)

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