BBC wehrt sich gegen stärkere staatliche Aufsicht

14.03.2016

BBC Radio-Direktorin Helen Boaden. CC by Daniel Trudu

Schwere Zeiten für die BBC: Die Anstalt könnte langfristig einen erheblichen Teil ihrer staatlichen Unabhängigkeit einlösen. Zudem soll es zu massiven Kürzungen, insbesondere im Radiobereich kommen. Zudem hat die finale interne Aufarbeitung des Jimmy Saville-Mißbrauchsskandals eine disfunktionale Unternehmenskultur ans Licht gebracht. Die Zuschauer dagegen halten weiterhin zum drittgrößten öffentlich-rechtlichen Rundfunkunternehmen der Welt. Rund drei Viertel aller Befragten wünschten sich auch weiterhin eine unabhängige und staatsferne Kontrolle. Wie genau die BBC aber künftig geleitet werden soll, war den meisten Befragten egal.

Hier liegt genau das Problem. Der britische Kulturminister John Wittingdale forderte jüngst, das höchstens zwei bis drei Mitglieder des BBC Trust, der sämtliche Aktivitäten der Anstalt kontrolliert, aus BBC-Kreisen stammen soll. Die restlichen zehn, bzw. elf Mitglieder des Gremium sollten aus Regierungskreisen stammen. Wittingdale äußerte diese Forderung auf Basis eines Berichts des ehemaligen Bankenaufsehers David Clementi, in dem dieser für eine Abschaffung bzw. radikale Umstrukturierung und Zusammenlegung diverser BBC-Gremien plädiert. Clementi will damit erreichen, dass die BBC unmittelbarer mit den Wünschen der Gebührenzahler konfrontiert wird. Zudem soll der Einfluss der einzelnen Mitgliedsstaaten wie Wales oder Schottland innerhalb der BBC ausgebaut werden.

BBC-Vertreter wehren sich naturgemäß heftig gegen die Pläne und beschwören bereits ein mögliches Ende der Unabhängigkeit, bzw. den Anfang eines Staatsrundfunks herauf. Rundfunkchefin Helen Boaden etwa argumentiert, dass die Unabhänigkeit der BBC nur gewahrt werden kann, wenn die Gebührenzahler weiterhin den anstaltsinternen Mechanismen der Selbstregulierung vertrauen. Boaden sowie Generaldirektor Tony Hall sind insbesondere über den im Clementi-Report erwähnten Vorschlag alarmiert, die gesamte redaktionelle Grundlinie dem neuen Gremium zu unterstellen.

Derweil fordert eine Allianz aus Politikern und privaten Medienvertretern eine deutliche Reduzierung des Radioangebots. Konkret sollen Radio 1 und Radio 2 zusammengelegt werden, da sie sich Kritikern zufolge in den letzten Jahren inhaltlich und musikalisch zu sehr angenährt hätten. In der Tat haben die BBC-Radiosender in den letzen Jahren signifikant an Zuhörern verloren. Für Boaden liegt die Antwort auf die Strukturkrise jedoch nicht in einem Abbau, sondern einem technischen Ausbau des Angebots. So befindet sich die Anstalt in fortgeschrittenen Gesprächen mit der britischen Musikindustrie über eine mögliche Online-Flatrate von monatlich 50,000 Musiktiteln.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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