BBC: Wachsende Zweifel an der Digitalstrategie

10.02.2014

Die BBC galt lange Zeit aufgrund ihrer populären iPlayer-Mediathek als Vorbild für die Digitalisierung des Programmangebots und der Archive öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten. Im Zuge einer Reihe von millionenschweren technischen Flops und fragwürdigen Kooperationen mit Privatsendern und Kabelanbietern ist jedoch längst eine Debatte darüber entbrannt, wieviel und auf welche Weise die Anstalt künftig Gelder in den Ausbau ihrer digitalen Infrastruktur investieren soll. Für die Gebührenzahler sowie das oberste Aufsichtsgremium, den BBC Trust, besonders interessant: Wieviele Zuschauer nutzen überhaupt die Online-Angebote der BBC? Die Redaktion von mediadb.eu hat die aktuelle Debatte zusammengefasst:

Digital Media Initiative-Flop
Der Versuch, das gesamte BBC-Archiv zwecks Effizienzsteigerung zu digitalisieren, entwickelte sich zum Fiasko. Im Mai 2013 wurde die entsprechende "Digital Media Initiative" (DMI) nach Kosten von 100 Millionen Pfund weitgehend ergebnislos abgebrochen. Konzipiert als internes Produktionssystem, das mit dem riesigen Archiv an älterem BBC-Material gekoppelt ist und die Abhängigkeit der Anstalt von VHS-Kassetten reduzieren sollte, wurde DMI jedoch nie fertig gestellt und sorgte immer wieder für Chaos (so zum Beispiel als im vergangenen Jahr Margaret Thatcher starb und entsprechendes Archivmaterial im System nicht zu finden war). Generaldirektor Tony Hall sah sich deshalb gezwungen, DMI vor der Fertigstellung einzustellen, um die Kosten nicht noch weiter in die Höhe schiessen zu lassen. Einer der wenigen Bestandteile von DMI, das Datenbanksystem Fabric (Kosten pro Jahr: drei Millionen Pfund) wird von der Mehrheit der Redakteure jedoch aufgrund diverser Mängel nicht angenommen - sie bevorzugen ein vierzig Jahre altes System namens Infax. Der für das DMI-Debakel verantwortliche und inzwischen zur New York Times Company weitergezogene Ex-Generaldirektor Mark Thompson wird sich deshalb in Kürze vor einem Untersuchungsausschuss verantworten müssen.

Partnerschaften mit Kabelkonzernen
Ebenfalls hinterfragt werden die Kooperationen mit Unternehmen wie u.a. Sky, ITV oder Freesat. Aufgrund ihres Free-to-Air-Selbstverständnisses auf möglichst vielen technischen Plattformen zu senden, gibt die Anstalt jährlich 233 Millionen Pfund aus, wie ein BBC-Report feststellte. Dazu gehörten in der Vergangenheit (inzwischen eingestellte) Investitionen in die gemeinsam mit ITV, Channel 4, Channel 5, Arqiva, BT und Talk Talk betriebene Set-Top-Box YouView (die in Zeiten von Smart-TVs inzwischen als veraltet gilt). Die BBC beteiligte sich an YouView, weil sie davon ausging, dass Nutzer damit kostenfrei auf BBC-Inhalte zugreifen könnten. In Wirklichkeit wird die große Mehrheit der Set-Top-Boxen jedoch von den anderen Partner vertrieben, die damit ihre teuren Pay-TV-Verträge attraktiver machen. Zusätzlich muss die BBC jährlich neun Millionen Pfund bezahlen, um in die Programmpakete von Sky und Freesat aufgenommen zu werden. Insgesamt werden 6,5 Prozent der Gebührengelder für diese fragwürdigen Formen digitaler Distribution ausgegeben.

Digitale Nutzerzahlen
Die Aufwendungen für die Online-Initiative wurden vom BBC-Management immer mit dem Hinweis auf die starke Nachfrage der Gebührenzahler verteidigt. Doch wieviele Zuschauer verfolgen BBC-Sendungen wirklich online? Tatsächlich verzeichnen einige populäre Formate extrem hohe iPlayer-Abrufe. Doch insgesamt wird weniger als drei Prozent aller BBC-Programmstunden online konsumiert. Da die Online-Distribution wesentlich teuer ist als die terrestrische Verbreitung stehen Kosten und Nachfrage in keiner Relation - 12 Prozent der Distributionskosten werden für weniger als drei Prozent der Programmstuden aufgewendet.

Mehr dazu:

Guardian: Bad week for BBC technology as DMI, Freeview and Trust review woes pile up (09.02.2014)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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