BBC-Skandal: Kritik an Entwistle und Anstalt wächst

23.10.2012

Im Zuge des Pädophilie-Skandals der BBC wächst die Kritik an der britischen Sendeanstalt. Wie in den vergangenen zwei Wochen bekannt wurde, hat der inzwischen verstorbene BBC-Moderator Jimmy Savile ("Top of the Pops") in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 200 minderjährige Mädchen sexuell belästigt - einen erheblichen Teil davon im Rahmen von BBC-Produktionen. Als das BBC-Nachrichtenformat "Newsnight" im Dezember 2011 über entsprechende Gerüchte berichten wollte, wurde der Beitrag in letzter Minute gecancelt. Stattdessen wurden im BBC-Programm nur drei unkritische Nachrufe auf Savile ausgestrahlt. Nun musste Generaldirektor George Entwistle vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschus zu dem Vorfall Stellung nehmen. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Ereignisse zusammengefasst:

1. Was wusste Entwistle?
Der jetzige Generaldirektor war im Dezember vergangenen Jahres als Chef der "Vision"-Sparte nur indirekt für die Berichterstattung von "Newsnight" verantwortlich. Allerdings wurde er damals von Nachrichtenchefin Helen Boaden darauf aufmerksam gemacht, dass die "Newsnight"-Redaktion Informationen über Saviles Verfehlungen hätte. Entwistle verzichtete in der Folge darauf, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Vor dem Untersuchungssausschuss bezeichnete er seine Kenntnis als "minimal". Jetzt räumte er allerdings ein, dass der Beitrag hätte ausgestrahlt werden sollen. Mitglieder des Untersuchungsausschus warfen ihm daraufhin "einen außerordentlich Mangel an Interesse" für die Angelegenheiten der Anstalt vor. Sein Vorgänger Mark Thompson (inzwischen CEO der New York Times Company) soll ebenfalls durch einen Journalisten von den Recherchen erfahren haben.
Die Verantwortung für die Vertuschungs-Aktion liegt vor allem beim inzwischen zum Rücktritt gezwungenen Newsnight-Chefredakteur John Rippon. Dieser hatte der für das gecancelte Segment verantwortliche Newsnight-Journalistin Meirion Jones im November 2011 per Email mitgeteilt, sie solle mehr Beweise für ihre Behauptungen finden. Rippon argumentierte, die Anschuldigungen der Opfer würden alleine keine ausreichende Beweislage für die Ausstrahlung des kritischen Beitrags liefern.

2. Welche Konsequenzen hat die BBC gezogen?
Jüngst strahlte die BBC-Sendung "Panorama" einen Bericht in eigener Sache aus, der die internen Vertuschungsvorfälle aufgearbeitet und dargestellt hat. Zudem wurden drei interne Untersuchungen initiert, darunter das sogenannte "Pollard review", das vom gleichnamigen Chef von Sky News geleitet wird. Der Skandal könnte die BBC, die zuvor im Zuge der erfolgreichen Olympia-Berichterstattung auf einer Welle der Popularität schwamm, derweil noch länger beschäftigen: Bis zu 18 verschiedene mögliche Schadenersatzklagen drohen in den nächsten Monaten auf die BBC zuzukommen.

Mehr dazu:

- Guardian: BBC Chief: Newsnight's Jimmy Savile investigation should have continued (23.10.2012)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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