US-Markt: Sat/Kabel/IPTV-Abonnenten kündigen. Rückgang von linearem TV

03.05.2019

 

Die Präsentation der AT&T-Zahlen für das erste Quartal 2019 am 24.4.19 lieferte einen weiteren Beleg für den globalen Trend der Zuschauer-Migration vom klassischen Fernsehen zu Streaming-Plattformen. In den ersten drei Monaten des Jahres war eine spürbare Abnahme von zahlenden Abonnenten des AT&T-Satellitenanbieters DirecTV in Höhe von 544.000 zu verzeichnen; 1,28 Millionen waren es damit in den vergangenen neun Monaten. Und auch wenn sich die Abonnentenzahl noch auf mehr als 22 Millionen beläuft, fiel die AT&T-Aktie bis Börsenschluss um über 4 %. Auch Verizon meldete einen Rückgang von 53.000 Kunden von „Fios“-IPTV (Internet-Fernsehen) im ersten Quartal, Comcast die Einbuße von 121.000 Kabelfernseh-Kunden.

 

AT&T hält dagegen. Man bereite den Launch von weiteren Streaming-Angeboten vor, um den Exodus zu stoppen. Darunter eine günstigere DirecTV-Alternative und zwei neue, auf den HBO- und Warner-Katalogen basierenden Abo-Diensten; Filmrechte, die AT&T nach der Übernahme von TimeWarner (jetzt WarnerMedia) zur Verfügung stehen. Eine gewissermaßen unkoordinierte Neugründung von Streaming-Angeboten, so die über die AT&T-Pläne berichtende Autorin des Forbes-Magazins. Pläne, die auf einen holprigen Wandel schließen lassen: vom altehrwürdigen Telefon-Unternehmen zu einem Konglomerat in einer sich rasant verändernden Medienwelt. 2015 habe man DirecTV gekauft (für 48 Mrd. $) und jetzt TimeWarner (für 85 Mrd. $). Für die Integration der Marken habe man aber sichtbar noch gar keinen Plan.

 

Der sich als überaus erfolgreich abzeichnende Start von Disney+ andererseits macht AT&T-Chef Randall Stephenson Hoffnung. „Was Disney macht, ist beeindruckend“, so Stephenson. „Und sehr lehrreich.“ Denn Streaming über Disney+ soll es in den USA ab Mitte November für einen radikal niedrigen Monatstarif von 6,99 $ geben. Für Investoren eine gute Nachricht. Über Nacht stieg die Disney-Aktie um 10 %. Auch die neuen Streaming-Angebote von AT&T sollen sich am Modell von Disney+ orientieren, preislich angesiedelt zwischen sehr günstig und komplett kostenfrei. Und wie Disney mit „Cinderella“ und „Star Wars“ hat auch Warner mit „Harry Potter“ und „Batman“ ganz große Brands in der Hinterhand. Und natürlich mit „Game of Thrones“. Mit der Premiere der final season von „GoT“ konnte der Streamingdienst HBO Now (auch ein Teil von AT&T) Rekordzahlen verbuchen. Unklar allerdings, wie es danach weitergeht. Wenn HBO erstmals seit 10 Jahren keine sogenannte water-cooler show mehr im Angebot haben wird (also Serien, über die man am nächsten Tag mit den Kollegen im Büro spricht, am Wasserspender).

 

 

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