AMP: Googles Antwort auf Instant Articles und Apple News

25.02.2016

Mit Accelerated Mobile Pages (AMP) greift Google in das mobile Nachrichtengeschäft ein. Die mobile Googlesuche hat nun eine neue Ergebniskategorie. In einer horizontalen Leiste werden am obersten Seitenende die in AMP HTML formatierten Newsartikel zum gesuchten Thema angezeigt. Sie ranken also vor allen anderen Newsartikeln. Diese Artikel laden besonders schnell und sind mit einem Blitz-Icon und der Abkürzung AMP gekennzeichnet. Damit wird das am 7. Oktober 2015 gestartete Projekt zum ersten Mal für Google-Nutzer sichtbar.

Die Beschleunigung, die Anbieter mit dem Kodieren ihrer Seiten in AMP HTML erreichen können, ist beeindruckend. Statt 3.82 Sekunden bis zum vollständigen Laden eines Artikels benötigt die AMP-Version nur 0.646 Sekunden. Für ungeduldige und von Verbindungsabrüchen geplagte Leser, die mit Mobilgeräten auf Nachrichten zugreifen, wird damit eine besonders attraktive Newskategorie geschaffen. Die Liste der Teilnehmer ist lang. In Deutschland fehlt kaum ein größeres Verlagshaus – von der Funke Mediengruppe einmal abgesehen.

AMP laden nach Google-Angaben durchschnittlich viermal so schnell, wie vergleichbare Seiten, und sie benötigen nur ein Zehntel der Datenmenge. Ein weiteres schwerwiegendes Argument für jene Mobilnutzer, deren monatliche Downloadmenge begrenzt ist.

Direkter Konkurrent des Google-Programms sind Facebooks „instant articles“. Die Ladezeiten sind noch kürzer als jene von AMP. Sie liegen zwischen 0 und 0.300 Sekunden.  Der entscheidende Unterschied im Vergleich zum Google-Modell ist die Voraussetzung, dass der Leser sich auch innerhalb von Facebook bewegt, also eingeloggt ist und zwar mit einem iPhone oder einem Android-Gerät.

AMP dürfte sich auch deswegen schneller und weiter verbreiten, weil der Google-Ansatz quelloffen ist. Der Quellcode ist auf Github verfügbar, was eine ständige Weiterentwicklung gewährleistet und eine weitaus breitere Anwendung. Damit verfolgt der Konzern hier eine ähnliche Strategie wie bei der Einführung des mobilen Betriebssystems Android.

Einmal mehr heißt es also für Verlage und Portale – auch die sehr großen und sehr renommierten: „If you can't beat them, join them.“ Weltweit können sie gerade sich noch aussuchen, unter den Bedingungen welches Tech-Konzerns sie ihren Content veröffentlichen. Eigentlich könnten sie auch versuchen, mit freien Teilen des Google-Codes ihre Webseiten unabhängig von dem Konzern zu optimieren, oder überhaupt schlankere Mobilseiten selbst bauen. Bisher lassen sich solche Ansätze allerdings eher nicht beobachten. Technisches Know-How wäre eine wichtige Voraussetzung und mit Personalkosten verbunden.

Auch der Guardian nimmt an dem Google-Programm teil. Verlagsstratege Tony Danker meint, dass AMP HTML dem Unternehmen mehr Autonomie geben werde. Anscheinend sieht er keine anderen Optionen als Facebooks instant articles, oder Apple News. Ein Interesse an der verlegerischen Autonomie des Guardian hat Google sicherlich nicht.

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