Abhörskandal: Medienausschuss zweifelt an Murdochs Führungskompetenz

02.05.2012

Der gestern im Zuge der Aufklärung des britischen Abhörskandals veröffentlichte Abschlussbericht des Parlamentausschusses für Kultur, Medien und Sport offenbart Zweifel an der Führungskompetenz von Medienmogul Rupert Murdoch. Dieses vernichtende Urteil kann Folgen für die geplante Übernahme des Fernsehsenders British Sky Broadcasting haben. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Ergebnisse des Berichts und die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.

1. Zu welchen Ergebnissen kommt der Bericht des Medienausschusses?
Seit inzwischen drei Jahren untersuchen die Abgeordneten des britischen Unterhauses die illegalen Praktiken bei der News Corp. Zeitung „News of the World“. Der Medienausschuss kommt nun in seinem 121-seitigen Abschlussbericht unter anderem zu dem Ergebnis, dass zahlreiche Behauptungen der „News of the World“ und verwandter Firmen nicht auf der Wahrheit beruhen. So war es nicht nur ein einzelner Reporter, der Abhörpraktiken anwandte. Außerdem seien die illegalen Praktiken nicht nur auf den Zeitraum von 2005 bis 2006 sowie die Zeitung „News of the World“ begrenzt. Zudem soll sich der 81-jährige Medienmogul Rupert Murdoch „blind gestellt“ haben. Obwohl Murdoch über sechs Jahrzehnte sein Medienimperium aufbaute, sei er „keine geeignete Person, um ein internationales Unternehmen zu führen“. Die Herausgeber der „News of the World“ seien nicht an einer Aufklärung interessiert gewesen, sondern hätten versucht, die Ereignisse zu vertuschen. Für diese Kultur des Vertuschens müssten James und Rupert Murdoch nun die Verantwortung übernehmen. In Bezug auf den Sohn von Rupert Murdoch, James Murdoch, gebe es laut Bericht jedoch keine ausreichenden Beweise, dass er den Ausschuss in die Irre geführt habe. Nichtsdestotrotz sei es „erstaunlich“, dass er nicht früher von dem Abhörskandal erfuhr.

In dem Abschlussbericht wird außerdem herausgestellt, dass viele Aspekte der Abhöraffäre ohne die Beharrlichkeit des Ausschusses, der Zeitung „The Guardian“, einiger Anwälte sowie ziviler Kläger nicht ans Licht gekommen wären.

2. Wie setzt sich der Ausschuss für Kultur, Medien und Sport zusammen?
Der Ausschuss setzt sich aus Mitgliedern verschiedener Parteien zusammen. Dementsprechend kam es zu Unstimmigkeiten, die bei vorgeschlagenen Korrekturen des Berichts zu Tage traten. Die Zeitung „The Guardian“ schlüsselte die Pro- und Contra-Haltungen der Abgeordneten anschaulich auf. Daraus geht hervor, dass sich die Ausschussmitglieder in der Mehrzahl für eine kritischere Auseinandersetzung mit Murdoch sowie der News International in dem Abschlussbericht einsetzten. In dem elfköpfigen Ausschuss stimmten die vier konservativen Mitglieder geschlossen dagegen und die fünf Labour-Abgeordneten und der einzige Liberaldemokrat dafür. Der konservative Ausschussvorsitzende John Whittingdale enthielt sich der Stimme. Insbesondere das vernichtende Urteil gegenüber Rupert Murdoch sei „eine große Schande“, weil es „absolut keine Beweise“ gebe, dass der Medienmogul von den Vorgängen gewusst hätte, so die Abgeordnete Louise Mensch.

3. Welche Folgen kann der Bericht nach sich ziehen?
Der Medienausschuss hat keine richterliche Gewalt und ist eins von mehreren Gremien, die den Abhörskandal aufarbeiten. Auch die Metropolitan Police, die Strathclyde Police und die Lord Justice Leveson’s public inquiry into the culture, practices and ethics of the media führen Untersuchungen durch. Das vernichtende Urteil im Hinblick auf Murdochs Führungskompetenzen kann jedoch die Chancen auf eine Übernahme des britischen Fernsehsenders British Sky Broadcasting (BSkyB) mindern. Derzeit hält Murdochs News Corp. 39,1 Prozent an der britischen Gruppe, wobei die Medienaufsicht Ofcom untersucht, ob dieser Anteil beibehalten werden darf.


Mehr dazu:

- 11. Bericht des House of Commons Culture, Media and Sports Committee: News International and Phone-hacking (01. Mai 2012)

- Pressestatement der News Corporation: News Corporation Statement of UK's Parliamentary Select Committee of Culture, Media and Sport's News of the World Report (01. Mai 2012)

- Focus: Parlamentsausschuss kritisiert Medienmogul: Rupert Murdoch muss weg. (02. Mai 2012)

- Süddeutsche: Medienmogul Murdoch: Prädikat „ungeeignet“ (01. Mai 2012)

- Spiegel: Abhörskandal: Abgeordnete nennen Konzernchef Murdoch ungeeignet (01. Mai 2012)

 

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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