3D-Kino und TV: Ende eines Formats?

17.06.2013

Vergangene Woche sorgte die Ankündigung von ESPN für Schlagzeilen, seinen 3D-Kanal einzustellen. Die zu Walt Disney gehörende größte Sportsenderkette der USA reagiert damit auf die bescheidenen Zuschauerzahlen seines vor drei Jahren gelaunchten 3D-Senders. Für Beobachter ist die Maßnahme ein Indiz dafür, dass die von der Elektronik-Branche mit großen Erwartungen verknüpfte Technologie bereits wieder vor dem Aus steht. Längst setzen die Hersteller von Fernsehern auf die Ultra HD/4K-Technologie, um in Zukunft mehr Geräte abzusetzen. Was ein mögliches Ende von 3D-TV für die Produktion von Hollywood-Filmen in 3D bedeutet, lässt sich nicht eindeutig vorhersagen: Zwar produziert Hollywood Jahr für Jahr mehr Filme in 3D, die signifikante Umsätze erzielen; auf der anderen Seite wenden sich immer mehr Zuschauer von einem Format ab, dass sie als störend empfinden und den Kinobesuch für Familien massiv verteuert hat. Die Redaktion von mediadb.eu hat die aktuelle Situation auf dem 3D-Markt zusammengefasst:

3D-TV
Der Verkauf von 3D-Fernsehgeräten ist rückläufig. Elf Prozent aller amerikanischen Haushalte besaßen 2011 ein 3D-Gerät, im Rest der Welt waren es immerhin rund 20 Prozent. 2012 ist dieser Anteil jedoch wieder geschrumpft. Durch den Erfolg von James Camerons "Avatar" aus dem Jahr 2009 hatte die Elektronikkonzerne fälschlicherweise gehofft, dass 3D-TV auch im Home Entertainment-Segment Fuß fassen würde. In der anfänglichen Euphorie wurde von Inhalteanbietern relativ viel 3D-TV-Content bereitgestellt. Doch mangelndes Zuschauerinteresse hat die Produktion von speziellen 3D-Inhalten, die über Blu-Ray-Versionen von 3D-Kinofilmen hinausgeht, massiv zurückgehen lassen. In den USA bleiben nach dem aus von ESPN 3D nur noch einig wenige 3D-Kanäle on air. Der wohl bekannteste ist 3net, ein Joint Venture von Discovery Communcations, IMAX und Sony. In Deutschland strahlt Pay-TV-Sender Sky nach wie vor Filme und Sport-Events aus, wobei keine Nutzerzahlen erhältlich sind.

3D-Filmproduktion
Grundsätzlich wächst der weltweite 3D-Kinosektor. Zwischen 2005 und 2012 ist die Anzahl von 3D-fähigen Kinosälen von weltweit 98 auf 43.000 gestiegen. Die Nummer von 3D-Filmen, die Hollywood produziert, ist im selben Zeitraum von jährlich vier auf zuletzt 38 angewachsen. Die große Mehrheit der 3D-Produktionen kann solide Einspielergebnisse vorweisen, von den erfolgreichsten Filmen 2012 waren neun 3D-Filme, darunter auch der erfolgreichste Film "The Avengers". Insbesondere außerhalb der USA erwirtschaften 3D-Produktionen Gewinne; acht der erfolgreichsten Filme spielten in Europa und Asien mehr ein als in den USA.
Allerdings ist fraglich, ob diese Filme weniger Zuschauer verzeichnet hätten, wenn Sie ausschließlich in 2D veröffentlicht worden wären. Für Kritiker der 3D-Technologie ist diese ohnehin nur ein Mechanismus, mit denen die Hollywood-Studios höhere Einnahmen bei stagnierenden Zuschauerzahlen erzielen möchten. In der Vergangenheit erfolgreiche Filme, die jüngst in 3D konvertiert erneut in die Kinos gebracht wurden (z.B. "Monsters Inc.") konnten die Erwartungen meist nicht erfüllen. Die Animationsfilme "Brave" und "Madagascar 3" wollten nur jeweils ein Drittel der Zuschauer in 3D sehen - der Rest bevorzugte die 2D-Version. Bereits 2011 behaupteten Markterhebungen, dass zwei Drittel aller Teenager sich von 3D-Kinofilmen mittlerweile wieder abgewendet haben. Insbesondere für weibliche Kinogänger, die mehr Wert auf Handlung als auf Spezialeffekte legen, stellt die 3D-Technologie keinen Mehrwert dar. Für Familien sind 3D-Filme zu einer kostspieligen Angelegenheit geworden: durchschnittlich 65 US-Dollar kostet der Besuch eines 3D-Films mittlerweile für eine vierköpfige Familie.

Mehr dazu:

New York Times: Future of 3-D TV Murky as ESPN Ends Channel (16.06.2013)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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