Yahoo: Serienproduktion als Ausweg aus der Krise?

14.04.2014

CR: Max Morse

Trotz spektakulärer Zukäufe und der Verpflichtung von Star-Managerin Marissa Mayer (Foto) tritt der Onlinekonzern Yahoo weiter auf der Stelle. Während die Einnahmen aus Online-Werbung im vergangenen Jahr branchenübergreifend um 18 Prozent gestiegen sind, ging der Umsatz von Yahoo um sechs Prozent zurück. Mit der Yahoo-Homepage, die jeden Monat 700 Millionen Visits verzeichnet, und dem im Sommer 2013 übernommenen Tumblr verfügt Yahoo über massiven Traffic - hat jedoch bisher versäumt diesen entsprechend zu vermarkten und zu monetarisieren. Der Ausweg aus der Krise soll in der Serienproduktion liegen, mit der Yahoo Konkurrenten wie Netflix und Amazon nacheifern will. Schon Mayers Vor-Vorgängern Carol Bartz wollte Yahoo 2009 in einen Online-basierten Medienkonzern umwandeln, was jedoch scheiterte. Vergangenes Jahr wurde ebenfalls eine Video-Offensive gestartet, die jedoch weitgehend wirkungslos blieb. Nun sollen aber qualitativ hochwertigere, längere Serien entwickelt werden, die teilweise mit den zu erwartenden Milliardeneinahmen aus dem Börsengang des chinesischen Onlineriesen Alibaba finanziert werden, an dem Yahoo rund ein Viertel der Anteile besitzt. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Pläne von Yahoo näher untersucht:

Was plant Yahoo?
In der Vergangenheit hat Yahoo nur eine Handvoll Mini-Webserien sowie Talkshows produziert (2013 waren es u.a. "Katie's Take", moderiert von der renommierten CBS-Journalistin Katie Couric, eine Talkshow mit Schauspieler Jeff Goldblum sowie mit "Electric City" eine Science-Fiction Show von und mit Tom Hanks). Nun will Yahoo aber mit seinen Eigenproduktionen in die Sphären von "House of Cards" aufsteigen, wie Europachefin Dawn Airey jüngst verkündete. Den Anfang machen vier Comedyserien, deren Produktionskosten bei bis zu einer Million US-Dollar pro Episode liegen und von renommierten Regisseuren und Drehbuchautoren entwickelt werden sollen. Wenn sich eine oder mehrere dieser Projekte zu internationalen Hits avancieren, könnte Yahoo auf lange Sicht zu seinen Konkurrenten auf dem Online-Videomarkt aufschließen (zum Vergleich: YouTube verzeichnete im Januar 2014 12,6 Milliarden Zugriffe, während Yahoo nur 384 Views hatte). Außerdem will Yahoo offenbar in Zukunft wie ein TV-Studio agieren und die Serienrechte international lizenzieren. Seit geraumer Zeit arbeitet der Konzern im Hintergrund an der Übernahme des Onlinevideoservice News Distribution Network. Dieser könnte dann als primäres Distributionstool für die Yahoo-Serien fungieren.

Welche Erfolgschancen hat die Serien-Offensive?
Aufgrund seiner nach wie vor sehr großen Reichweite hätte Yahoo das Potenzial eine riesige Anzahl von Internetnutzern für seine Serien zu begeistern und entsprechende Werbeeinahmen zu generieren. Laut Dawn Airey hätten die Yahoo-User einen "unstillbaren Hunger nach Video-Content". Experten wie David Carr von der New York Times sind jedoch skeptisch und warnen davor, dass Silicon Valley-Firmen aufgrund einer anderen Unternehmenskultur nicht das Know-How und Verständnis haben, um erfolgreiche Serien zu produzieren. Wahllos Geld in Projekte zu investieren, garantiere nicht automatisch Erfolge. Selbst im Fall von Netflix (das im Gegensatz zu Yahoo über riesige Datensammlungen seiner Nutzer verfügt und diese für die Konzeption neuer Projekte auswertet) kommen auf einen Erfolg wie "House of Cards" Formate wie "Hemlock Grove" oder "Lilyhammer", die keine großen Anhängerschaften im Netz finden konnten. Mayer vertraut ihrer Marketingchefin Kathy Savitt, die richtigen Formate zu finden. Mit Henrique De Castro, Mickie Rosen und Erin McPherson haben in den vergangenen Monaten sämtliche Verantwortliche mit Kontakten zu Hollywood das Unternehmen verlassen.

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