Win-Win: Trump vs. CNN

27.02.2017

CNN-President Jeff Zucker. CC BY 2.0 by David Shankbone

Der schwelende Disput zwischen der Trump-Administration und dem Nachrichtensender CNN ist in den vergangenen Wochen weiter eskaliert. Trump schloss CNN-Reporter Jim Acosta von Briefings im Weißen Haus aus und attackierte persönlich den Chef des Senders, Jeff Zucker. Trumps Tiraden gegen "Lügen" und "Fake News", die CNN auch noch vermeintlich "schwache Einschaltquoten" bescheren scheinen jedoch ironischerweise beiden Lagern zu nutzen: Der Präsident kann bei seiner anfangs skeptischen konservativen Basis in den Südstaaten und im mittleren Westen punkten. Das vormals stark kriselnde CNN konnte hingegen vor allem bei Liberalen sein Profil als faktenbasierte Nachrichtenquelle und Anti-Trump-Bastion schärfen.

Der Konflikt hat in den vergangenen Tagen auch eine persönliche Note bekommen und spielt sich immer mehr zwischen Trump (sowie seinem Schwiegersohn Jared Kushner) und Zucker ab. Die beiden haben eine lange Vergangenheit: Jeff Zucker sorgte in seiner damaligen Funktion als Chef von NBC Universal dafür, dass Trumps Reality-Show "The Apprentice" einen erfolgreiche Platzierung in der Prime Time erhielt. Im Gegenzug soll Trump angeblich Zucker dem Chef von Turner Broadcasting, Phil Kent, als neuen CNN-Chef empfohlen haben. Damals waren Zucker und Trump sich noch wohl gesinnt und der heutige Präsident lobte Zucker 2012 auffällig häufig in Tweets. Noch während des Präsidentschaftswahlkampf räumte Zucker Trump überproportional viel Sendezeit ein und verpflichtete dazu den damaligen Wahlkampfberater Corey Lewandowski als On-Air-"Experten" - viel kritisierte Maßnahmen, die Zucker inzwischen als Fehler eingeräumt hat.

Spätestens seit CNN im vergangenen Dezember über ein Treffen zwischen Trump und Business-Managern berichtete und über Trumps vermeintlich ausländerfeindlichen Kommentare berichtete, ist das Tischtuch jedoch zerschnitten. Zucker scheint es jedoch wenig zu stören: In einer jüngst einberaumten eigenen Pressekonferenz deutete er Trumps Attacken gegen seine Journalisten kurzerhand als Ehrenorden für unabhängigen Journalismus. Die einzigen Probleme mit dem Disput scheint CNNs Mutterkonzern Time Warner zu haben, der an Telekommunikationsunternehmen AT&T verkauft werden soll. Trump könnte die Übernahme aufgrund seines CNN-Hasses blockieren. Wohl auch deshalb soll AT&T-Chef Randall Stephenson angeblich Trump gesagt haben der Nachrichtenkanal wäre "besser in unseren Händen."

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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