Wachsende Online-Piraterie: Hollywoods neue Strategie

31.03.2014

2012 geriet das Lobby-Engagement der US-Film- und Fernsehindustrie gegen weitreichende Copyright-Reformen zum Fiasko: Wegen Widerstand von Onlinekonzernen wie Google und Co. sowie dem Protest von Millionen Internetusern scheiterte das SOPA-Abkommen vor dem US-Kongress. Seitdem hat sich die Industrie neu aufgestellt und unternimmt nun einen neuen Versuch, die nach wie vor endemischen Anzahl illegaler Downloads und Streams einzudämmen. War zuvor nur die Motion Picture Association of America, die sich unter anderem aus Paramount Pictures, 20th Century Fox, Universal, Warner Bros., und Columbia Pictures zusammensetzt, als Speerspitze im Kampf gegen Piraterie im Einsatz, wird der Verband nun zusätzlich von der Creative Future-Gruppe unterstützt, einer Koalition aus Produzenten, Gewerkschaften und Independent-Studios. Die Redaktion von mediadb.eu hat die neue Strategie näher beleuchtet und fasst das gegenwärtige Ausmaß der weltweiten Onlinepiraterie zusammen:

1. Welche Strategie verfolgt Creative Future?
Anstatt auf mittlerweile als wirkungslos eingestufte Strafverfolgung, neue Gesetzesinitiativen und Netzsperren setzt Hollywood nun offenbar auf freiwillige Absprachen und den Input jüngerer Nutzer. Die von CBS und Warner Bros. gegründete CreativeFuture-Lobbygruppe will in erster Linie renommierte werbetreibende Firmen davon überzeugen, keine Anzeigen auf Filesharing-Portalen mehr zu schalten. Seit Februar vergangenen Jahres soll das gemeinsam mit Internet Service Providern entwickelte Copyright Alert System User dazu bewegen, Abstand von illegalen Downloads zu nehmen. Dabei handelt es sich um ein sog. "Six Strikes"-Modell: Je nach Provider erhalten die User bis zu sechs Mal Hinweise, dass sie Urheberrechte verletzt haben, ehe ihr Internetzugang temporär gedrosselt wird oder sie schriftlich ermahnt werden. Ziel ist es nicht, systematische Hardcore-Filesharer zu maßregeln (was sich in den vergangenen Jahren als aussichtslos herausgestellt hat), sondern Gelegenheits-Downloader aufzuklären und von zukünftigen Piraterie-Aktivitäten abzuhalten. Ein weiterer Eckpfeiler der Strategie besteht in der engen Kooperation mit Bildungseinrichtungen. Diese sollen Kindern in jungen Jahren Problembewusstsein für das illegale Herunterladen vermitteln.

2. Wie weit verbreitet ist Onlinepiraterie?
Das illegalen Sharen und Downloaden von Medieninhalten ist in den vergangenen drei Jahren nochmals dramatisch angestiegen. Mehr als ein Viertel der gesamten Internetbandbreite in Europa, Nordamerika und Asien wird für illegale Streams und Downloads verbraucht. Zu diesem Ergebnis kommt die von NBC Universal in Auftrag gegebene NetNames-Studie "Sizing the Piracy Universe". Allein zwischen 2010 und 2012 wuchs das Volumen illegaler Dateien um 160 Prozent von 3690 auf 9567 Petabytes an (ein Petabyte ist gleich 1000 Terabytes). 2013 gab es laut NetNames insgesamt mehr als 327 Millionen Internetnutzer, die regelmäßig Filme, Songs, E-Books oder Videospiele illegal downloaden. Der Schaden, der dabei aus Sicht der Medienkonzerne entsteht, lässt sich jedoch nicht beziffern. Der Zusammenhang zwischen illegalen Downloads und entgangenen Einnahmen ist umstritten (manche Studien gehen sogar davon aus, dass Filesharing positive Auswirkungen auf Absatzzahlen hat), da sich nicht endgültig klären lässt, ob die Menschen für die Filme und Serien, die sie herunterladen, tatsächlich auch kostenpflichtig im Kino oder auf legalen VoD-Portalen angesehen hätten. Wirtschaftliche Krisen scheinen das Ausmaß von Piraterie jedoch zu befeuern: In Spanien und Italien, in denen gegenwärtig Massenarbeitslosigkeit herrscht, wird es für Hollywood aufgrund von weitverbreiteter Onlinepiraterie immer schwieriger Independent-Filme ins Kino zu bringen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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