Vice Media: Medienkonzerne investieren weiter

12.12.2014

Vice-CEO Shane Smith. CC by Bjanre Jonasson

Was Anfang der 1990er Jahre als kostenloses Punk-Magazine in Kanada startete, hat sich in den letzen zwanzig Jahren zu einem gigantischen Medienimperium erstreckt: Vice Media erreicht von seiner Firmenzentrale in Brooklyn, New York über seine vielfältigen Medienkanäle mittlerweile jeden Monat 150 Millionen Menschen in 36 Ländern. Mit einem für das Jahr 2014 auf etwa 500 Millionen US-Dollar geschätzten Umsatz ist Vice zwar noch weit entfernt davon, zu den 50 größten Medienkonzernen der Welt zu gehören. Dennoch hat sich das Unternehmen zu einem Liebling der Medien- und Onlinekonzernwelt entwickelt. Allein im vergangenen Jahr konnte Vice Finanzierungen, Investionen und Kooperationen mit diversen schwergewichtigen Playern in der Medienwelt einfädeln. Der Grund für das gestiegene Interesse ist die Zielgruppe, die Vice anspricht. So erreichen deren verschiedenen Online-Videokanäle insbesondere junge männliche Rezipienten - eine Gruppe mit der sich die Werbewirtschaft und - im Zuge der veränderten Nutzungsgewohnheiten - auch TV-Sender und Verlagshäuser zunehmend schwer tun. In den Fokus sind insbesondere die Partnerschaften von Vice mit drei der weltweit größten Medienkonzerne geraten: Walt Disney, 21st Century Fox und Time Warner.

Walt Disney
Die gemeinsam mit Hearst betriebene Senderkette A&E Networks investierte Ende August diesen Jahres 250 Millionen US-Dollar für zehn Prozent der Anteile an Vice und bezifferte den Wert des gesamten Unternehmens damit auf 2,5 Milliarden. Walt Disney investiert bereits seit geraumer Zeit in digitale Online-Produktionsfirmen. So übernahm Disney Anfang 2014 die YouTube-Schmiede Maker Studios, die mehr als 55.000 YouTube-Kanäle betreibt und monatlich 5,5 Milliarden Views generiere. Im Rahmen des Deals beliefert Vice die A&E-Sender mit Content ohne jedoch selber einen Vice-Kanal ins Programm aufzunehmen.

Time Warner
Dies war ursprünglich mit Time Warner geplant. Der Medienkonzern, der in den vergangenen Jahren seine defizitäre Printsparte Time Inc. ausgliederte und gegenwärtig Probleme mit seinem kriselnden 24 Stunden-Nachrichtenkanal CNN hat, wollte für 2,2 Millionen 50 Prozent an Vice übernehmen. Bereits seit längeren produziert Vice ein erfolgreiches Dokumentar-Magazin für Time Warners Premium-Kabelsender HBO, das unter anderem für Aufsehen sorgte, als es den prominenten ehemaligen NBA-Basketballer auf Erkundungstour nach Nordkorea schickte. Die Pläne von Time Warner sahen offenbar vor, den Sender HLN in einen Vice-Kanal zu transformieren. Allerdings ließ sich das Vorhaben schlussendlich nicht realisieren, was wohl auch an den Anteilen liegt, die 21st Century Fox gehören.

21st Century Fox
Der Murdoch-Konzern erwarb 2013 einen fünfprozentigen Anteil an Vice Media. Der Gesamtwert des Unternehmens wurde damals noch auf vergleichsweise geringe 1,4 Millionen Dollar beziffert; der Wert des Fox-Anteil hat sich also innerhalb von einem Jahr bereits fast verdoppelt. Vice möchte mit Fox an Bord insbesondere im Wachstumsmarkt Indien expandieren, wo Fox den Sender Star betreibt. Schließlich wurde in dieser Woche noch eine Partnerschaft mit dem Hollywood-Studio 20th Century Fox ins Leben gerufen: Künftig wird Vice für Fox jährlich zwei Independent-Filme mit einem Budget zwischen jeweils zwei Millionen Dollar in die Kinos bringen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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