Viacom: Mit neuen Kabelangeboten aus der Krise

29.05.2017

Viacom-Zentrale in New York.

2016 war ein Katastrophenjahr für den Film und TV-Konzern Viacom. Die massenhafte Kündingung von Kabelverträgen traf ein auf Jugend- und Kindersender spezialisierten Anbieter besonders hart und zur wirtschaftlichen Krise gesellten sich noch Querelen um die Nachfolge des greisen Sumner Redstone, der über seine National Amusements Holding sowohl Viacom als auch CBS kontrolliert. Doch nachdem CEO Philipe Daumann seinen Hut nehmen musste, ist mit Nachfolger Bob Bakish wieder Optimismus eingekehrt. Neben dem Hollywood-Studio Paramount besteht Bakishs oberste Priorität darin, Millenials davon abzuhalten, ihre kostspieligen Kabelsenderpakete abzubestellen - oder sie zum ersten Mal in ihrem Leben dazu zu bringen, Geld für Sender wie MTV, Nicklodeon oder VH1 auszugeben.

In einem ersten Schritt ist Viacom nun bemüht, seine ramponierten Beziehungen zu den Kabelkonzernen zu kitten. In der Vergangenheit hatten diverse Kabelanbieter u.a. wegen sinkender Einschaltquoten der Viacom-Sender geringere Übertragungskosten gefordert, was in manchen Fällen in sog. Blackouts mündete. In der Folge wurden die Sender in manchen Regionen aufgrund festgefahrenen Verhandlunge komplett aus dem Programm genommen. Im Fall des US-Kabelkonzerns Suddenlink wurde dies nun im Rahmen eines umfassenden Distributions- und Vermarktungsdeals rückgängig gemacht. Der zum niederländisch-französischen Altice-Konglomerat gehörende Suddenlink wird die Viacom-Sender in sein Optimum-Netzwerk einspeisen und so auch deren Content in Virtual Reality und hochauflösenden 4K Formaten anbieten.

Zudem ist Bakish bemüht, Neukunden billiger und schlankere Viacom-Senderpakete anzubieten. In US-Kundenverträgen sind oftmals günstigere Sender wie etwa MTV mit teuren Sportsender (wie etwa ESPN) gebundelt. Bakish will solche Pakete nun entflechten und hat ein sportfreies Sender-Bündel anvisiert, das zwischen 10 und 20 Dollar pro Monat kosten soll und dem auch andere Nicht-Sportsender der Konkurrenz angehören könnten. Auf diese Weise könnten die im Zielgruppen-jargon als cord-never millenials bezeichneten potenziellen Kunden erstmals dazu bewogen werden, ein Kabelvertrag abzuschließen. Doch dazu bedarf es an hochqualitativen Inhalten, auf die junge Zuschauer nicht verzichten wollen. Ob die diversen Reality- und Musikformate von Viacom dieses Kriterium erfüllen, ist jedoch fraglich. Auch deshalb plant Bakish eine umfassende Neustrukturierung der Senderfamilie.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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