Nintendo und Co.: Wie zukunftsfähig sind Spielkonsolen?

26.11.2012

Am 30. November veröffentlicht Nintendo seine neue Spielkonsole Wii U in Deutschland. 2013 oder 2014 sollen zudem Neuauflagen von Microsofts Xbox ("Xbox 720") und Sonys Playstation ("PS4") erscheinen. Mit Spannung werden erste Verkaufszahlen der Wii U für den US-Markt erwartet. In vielerlei Hinsicht wird der Erfolg oder Mißerfolg von Nintendo richtungsweisend für die gesamte Gamesbranche werden. Schließlich spekulieren Experten und Industrie-Insider seit geraumer Zeit darüber, ob hochpreisige Konsolentitel angesichts einer Flut von günstigen oder kostenfreien Games für Smartphones und Tablet-PCs langfristig weiter bestehen werden. Das "Free-To-Play"-Modell, nachdem Spiele in der Grundversion kostenlos sind, Zusatzinhalte jedoch kostenpflichtig, breitet sich immer weiter aus (und ist unter anderem auch das Konzept der mit Crowdfunding finanzierten Independent-Konsole Ouya). Dieser Entwicklung haben Nindtendo, Microsoft und Sonyl bereits Rechnung getragen. Schon jetzt verlaufen in der Gaming-Hardware der siebten und achten Generation die Grenzen zwischen Konsole, Smartphone, Internetbrowser und Fernseher fließend, der Anteil von günstigeren Download-Titeln steigt. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Strategien und der aktuellen Konsolenhersteller zusammengefasst:

Nintendo
Nintendo setzt mit der Wii U weiterhin auf exklusiven Konsolen-Kontent. Angesichts der bedrohlichen Krise des Unternehmens waren zuletzt Stimmen lauter geworden, die forderten, Nintendo solle die Games mit seinen beliebten Charakteren (u.a. Super Mario, Zelda, Kirby) auch für Smartphones und Tablets produzieren. Stattdessen wurde die neue Konsole mit einem eigenen Mini-Tablet ausgestattet, dass nicht nur zur Steuerung der Spiele auf dem Fernseher dient, sondern mit dem man auch unabhängig von der Konsole online Filme gucken und Games spielen kann. Prognosen, ob Nintendo sich durch die Wii U retten kann, fallen unterschiedlich aus: Atari-Gründer Nolan Bushnell erzählte der "New York Times", dass er das Geschäftsmodell von Konsolen für  überholt hält und Nintendo keinen Erfolg haben wird. Zwar wird die Integrierung des Tablet-Controller gelobt, allerdings wird dieser von Apple und Amazon dominiert. Insbesondere das neue iPad mini wird von vielen bereits als neuer Handheld-Konsole der Zukunft gesehen. Analyst Michael Pachter glaubt hingegen, dass nicht einmal die z.T. zwiespältig ausgefallenen ersten Reaktionen der Gaming-Journalisten die Verkaufszahlen beeinträchtigen werden. Er geht davon aus, dass Nintendo bis März 2012 5,5 Einheiten der Wii U verkaufen wird.

Microsoft
Die Entertainment und Devices-Sparte ist für Microsoft längst zu einem der profitabelsten Unternehmensbereiche geworden. Die Xbox 360 (seit 2005 im Handel) wurde allein in den USA bisher mehr als 67 Millionen Mal verkauft.Die kostenpflichtige Onlinefunktion "Xbox Live" hat sich ähnlich gut entwickelt. Mittels "Xbox Live" können User online mit anderen Xbox-Besitzern spielen und Serienfolgen, Filme und Extra-Content für Xbox-Spiele erwerben. Im Juli 2010 wurde erstmals die Umsatz-Schallmauer von einer Milliarde US-Dollar durchbrochen. Damit ist "Xbox Live" neben "World of Warcraft" eine der wenigen Online-Gaming-Plattform die nennenswerte Profite erwirtschaftet. Durch die Integrierung von Xbox Music im Herbst 2012 können User nun auch auf einen Katalog von Millionen von Musiktiteln zugreifen. Die nächste Generation der Xbox könnte Branchenkennern zufolge keine Konsole mehr sein, sondern ein "Smart-Fernseher". Damit könnte Microsoft auf Pläne von Apple und Fernsehgeräte-Hersteller wie LG und Samsung reagieren. Apple plant mit dem iTV einen sprachgesteurten Fernseher mit iOS-Betriebsystem auf dem auch Online-Games gespielt werden können. Die Fernsehhersteller werden in Zukunft Geräte ausliefern, die mit einem Gamepad ausgestattet werden.

Sony
Die Aktie von Sony wurde u.a. wegen seiner kriselnden Playstation-Sparte jüngst auf "Junk-Status" herabgestuft. Mit seiner neuen Handheld-Konsole hat Sony - bisher mit wenig Erfolg - versucht, Smartphone-Spieler zu gewinnen. Von der Playstation 4 (Codename Orbis) sollen bereits Entwickler-Kits an Developer verteilt worden sein. Es gilt als wahrscheinlich, dass die neue Playstation noch stärker mit der PSVita sowie den Sony-Smartphones vernetzt werden soll. Außerdem wird darüber spekuliert, dass Spiele ausschließlich als Downloads angeboten werden sollen.

Mehr dazu:

New York Times: Nintendo Confronts a Changed Video Game World (24.11.12)

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