Neue Murdoch-Allianz: Johnson statt Cameron

28.01.2013

Die politische Unterstützung von Rupert Murdochs britischer Zeitungssparte für Premierminister David Cameron neigt sich dem Ende zu. Neuer Günstling von Murdoch und seinen Zeitungen "The Sun" und "The Times" ist mittlerweile der Bürgermeister von London, Boris Johnson (Foto), der wie Cameron Mitglied bei den konservativen Tories ist. Murdoch hat sich in den vergangenen sechs Monaten mindestens zweimal mit Johnson persönlich getroffen. Im Zuge des Abhörkskandals hat Cameron in den letzten Monaten stetig an Ansehen verloren. Camerons Parteirivale Johnson hingegen, der auf die höchst erfolgreiche Organisation der Olympischen Sommerspiele in London zurückblicken kann, erfreut sich landesweit enormer Beliebtheit. Experten und Insider (wie auch Murdoch) gehen davon aus, dass Johnson eine realistische Chance hat, 2015 zum neuen Premierminister gewählt zu werden. Die Redaktion von mediadb.eu hat die neuesten Entwicklungen zusammengefasst und hat die Beziehung von beiden Politikern zum Murdoch-Konzern näher beleuchtet:

1. Warum setzt Murdoch inzwischen auf Boris Johnson?
Aufgrund von "BoJos" Superstar-Status in Großbritannien erscheint eine strategische Allianz mit Johnson für die "Sun" logisch. In den vergangenen dreißig Jahren wurde noch nie ein Kandidat zum Premierminister gewählt, der nicht die publizistische Unterstützung von Englands größter Boulevard-Zeitung sicher hatte. Zudem hat Murdoch wohl auch persönliche Sympathie für Londons Bürgermeister. Johnson war vor seiner Politik-Karriere selbst Journalist und kennt das britische Mediengeschäft. Zudem zeigte sich Murdoch in mehreren Tweets von Johsons "brillianter" Organisation der vergangenen Sommerspiele begeistert. Die "Sun" - laut Murdochs Aussage das politsches Sprachrohr seiner eigenen politischen Meinung - hat Johnsons politsche Qualitäten und seinen unkonventionellen Politikstil in mehreren Leitartikeln zelebriert.
Neben persönlicher Zuneigung verfolgt Murdoch allerdings auch handfeste politische Motive. Der seit dem Abhörskandals ramponierte Ruf von Murdoch (und Cameron) in Großbritannien könnte sich durch eine strategische Allianz mit Johnson langfristig verbessern. Johnson hat im Rahmen von öffentlichen Auftritten bereits mehrfach geäußert, was er von dem Skandal und den noch andauernden juristischen Aufarbeitung hält: diese seien nur "Quatsch". Murdoch würde laut Johnson ständig "dämonisiert" werden, obwohl er kein verurteilter Straftäter sei. Die parlamentarischen Untersuchungen des Skandals sollten sofort eingestellt werden, forderte Johnson selbst in einer "Sun"-Kolumne. Interessanterweise ist Johnson in seiner Funktion als Bürgermeister auch hauptverantwortlich für die Polizeibehörde MET, die gegenwärtig die zahlreichen Abhörmaßnahmen untersucht. Johnson könnte die Untersuchungen also auf persönliche Anordnung beenden. Sein ehemaliger PR-Chef arbeitet mittlerweile bereits für News International.

2. Warum hat David Cameron die Gunst von Murdoch verloren?
Murdoch war noch nie ein Freund vom vergleichsweisen steif agierenden Cameron - im Gegensatz zur langjährigen "Sun"- und "News of the World"-Chefin Rebekah Brooks, die Ende 2008 erhebliche Überzeugungskraft anwenden musste, um Murdoch zu dazu zu bringen, nach Jahren der Labour-Allianz die Konservativen zu unterstützen. Seit seinem demütigen Auftritt vor dem Abhör-Untersuchungsausschuss hat Cameron nicht nur für die Mehrheit der Briten, sondern auch bei Murdoch alle Sympathien verspielt. Murdoch glaubte schon vor dem Ausbrechen des Skandals nicht daran, dass Cameron fähig sei, Großbritannien aus der Rezession zu führen. In einem Tweet, der als Seitenhieb auf Camerons wirtschaftliche Performance gewertet wurde, warnte Murdoch vor einem ökonomischen "Hangover" der Großbritannien bevorstehe.

Mehr dazu:

The Guardian: Boris Johnson and Rupert Murdoch have another private meeting (26.01.2013)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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