Nach Weinstein-Affäre: Missbrauchskandale erschüttern US-Medienindustrie

24.10.2017

Harvey Weinstein (David Shankbone CC BY 3.0)

Der Missbrauchskandal um den ehemaligen Miramax-Chef Harvey Weinstein hat eine Welle von weiteren Vorwürfen gegen hochrangige Angestellte aus der Medienkonzernwelt ins Rollen gebracht. Nachdem diverse Schauspielerinnen von ihren negativen Erfahrungen mit Weinstein (unter anderem auf Twitter unter dem #metoo hashtag) berichtet haben, fühlten sich offenbar weitere Frauen aus der Medienwelt ermutigt, Details über das Verhalten ihrer männlichen Vorgesetzten zu teilen. Zeitgleich enthüllte zudem die New York Times, dass der wegen diverser Belästigungsvorwürfe bereits entlassene ehemalige Fox News-Moderator Bill O'Reilly sich mit einem seiner mutmaßlichen Opfer über die Zahlung von 32 Millionen Dollar Schweigegeld geeinigt habe - eine astronomische Summe, die bisher ihres gleiche sucht und nur erahnen lässt, welche möglichen Enthüllungen O'Reilly damit verhindern wollte.

Derweil sah sich Amazon gezwungen, den Chef seiner Video-Sparte, Roy Price, zu entlassen, nachdem gegen ihn Belästigungsvorwürfe publik wurden. Der Chef von Amazon Studios soll, der auch eine Freundschaft mit Weinstein pflegte soll im Rahmen von der Produktion von Serien und Filmen diverse Produzentinnen belästigt haben. Gleiches soll angeblich auch auf den Autor Chris Savino zutreffen, der für Viacom-Tochter Nickelodeon die Serie "The Loud House" produzierte. Mit dem Regisseur James Toback soll zudem ein weitere Hollywood-Größe über Jahre mindestens 30 Frauen missbraucht haben. Und beim digitalen Medienkonzern Vox, an dem unter anderem Comcast beteiligt ist, musste der hochrangige Redakteur Lockhardt Steele nach Belästigungsvorwürfen gehen. Zudem sollen Sexismus und Belästigungen gegen Frauen ein ernstes Problem in der Animationsindustrie sein.

Mit dem inzwischen verstorbenen Fox News-Boss Roger Aisles, dem Entertainer Bill Cosby und selbst Präsident Trump (während seiner Zeit als TV-Star) wurden in den vergangenen zwei Jahren weitere Ikonen der Medienindustrie der Belästigung bezichtigt (die BBC hat immer noch mit den Nachwirkungen des Saville-Skandals zu kämpfen. Beobachter sind sich einig, dass in den kommenden Monaten weitere Enthüllungen ans Licht kommen werden. Wenn die Weinstein-Affäre etwas positives haben sollte, dann das sie eine Zäsur markiert und langfristig verändern könnte, wie Frauen in Medienunternehmen behandelt werden.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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