Musikindustrie verfolgt neue Geschäftsstrategie

10.08.2009

Die "big four" der Musikindustrie - Universal Music Group (Teil des französischen Medienkonzerns Vivendi), Sony Music Entertainment, Warner Music Group und EMI - prüfen derzeit verschiedene Optionen, den durch Internetpiraterie beeinträchtigten Verkauf von Musiktiteln profitabler zu machen. Das berichten übereinstimmend mehrere britische Tageszeitungen.

Eine Strategie bestehe darin, das Format von Alben auch im Internet attraktiver zu gestalten. Künftig sollen Downloads von Alben digitalisierte Booklets samt Songtexten und Artwork sowie zusätzlicher Inhalte wie Handy-Applikationen und Video-Interviews der entsprechenden Künstler beinhalten. Das entsprechende neue Format, das die großen vier Plattenfirmen zurzeit gemeinsam entwickeln, trägt den Arbeitstitel "CMX". Abgesehen von der zunehmenden Bedeutunglosigkeit, in der physische Tonträger verschwinden, sträubt sich bisher die Mehrheit der Kunden von legalen Download-Portalen dagegen, komplette Alben in digitalisierter Form zu erwerben und kauft stattdessen mehrheitlich einzelne Songs. Einem Bericht von TimesOnline zufolge kontaktierte die Musikindustrie vor 18 Monaten den Onlinekonzern Apple zwecks einer Kooperation, da die meisten legalen Downloads über den iTunes Store erfolgen. Doch Apple lehnte ab und wird stattdessen demnächst sein eigenes neues Album-Format (Arbeitstitel: "Cocktail") präsentieren.

Eine andere Möglichkeit um den Verkauf von Musiktiteln über das Internet zu monetarisieren, sei die Bereitstellung von Download-Flatrates. Einer Studie der Universität von Herfordshire zufolge, aus der der "Guardian" zitiert, haben 85 Prozent aller britischen Jugendlichen ein Interesse an einem solchen Angebot, das per monatlicher Gebühr den unbegrenzten Download von Songs ermöglicht. Mehr als die Hälfte der Interessierten wäre sogar bereit, illegale Downloadaktivitäten im Zuge der Flatrate-Nutzung einzustellen. Im Juni kündigte der Medien- und Telekommunikationskonzern Virgin Media an, demnächst gemeinsam mit Universal Music ein entsprechendes Angebot in Großbritannien zu einem Preis zwischen 10 und 15 Pfund bereitzustellen.

Mehr dazu:

- TimesOnline: Record companies have a trick up their sleeve for downloads
- Guardian: Music industry may seek salvation in 'all you can eat' downloads
- The Business Insider: Apple's Secret Plan to Save The Album

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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