Medienkonzerne vs. Aereo

14.10.2013

Das US-Streaming-Unternehmen Aereo, an dem auch Barry Dillers Konglomerat IAC beteiligt ist, ist den großen TV-Inhalteanbietern schon seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge. Für rund acht US-Dollar im Monat können Aereo-Kunden frei empfängliche Lokalsender auch ohne Antenne oder Kabelanschluss empfangen. Die TV-Anbieter, die einen großen Teil ihrer Gewinne durch Lizenzgebühren von Kabelkonzernen verdienen, wollen Aereo sowie vergleichbare Angebote deshalb bereits in einem möglichst frühen Stadium gerichtlich verbieten lassen um ihr altes Geschäftsmodell abzusichern. Nachdem bisher sämtliche Klagen gegen Aereo abgewiesen worden sind, haben die Medienkonzerne nun den US-Supreme Court gebeten, Aereo wegen Urheberrechtsverletzungen verbieten zu lassen. Für die Verantwortlichen ist Aereo jedoch ein hundertprozentig, legal operierendes Unternehmen, das Kabelkunden eine wesentlich günstigere Alternative zu teueren Programmpaketen bietet. Die Redaktion von mediadb.eu hat den Disput zusammengefasst:

Was ist das Geschäftsmodell von Aereo?

Aereo betreibt bisher in sechs US-Großstädten sog. Antennenfarms, d.h. Räume voller Mini-Antennen mit integrierten digitalen Videorekordern. Kunden können ihre eigene Antenne von Aereo leasen und sämtliche in ihrem Gebiet frei empfangbaren Sender auf ihre Tablets, Computer und Smartphones live bzw. zeitversetzt streamen. Aereo-User benötigen damit also weder eigene Kabelanschlüsse oder Antennen und können die Sender überall empfangen solange sie in ihrer Stadt/Region bleiben. Das Geschäftsmodell basiert also auf der besonders unter jungen Rezipienten immer beliebter werdenden Praxis des chord-cutting, der Kündigung überteuerter Kabelpakete - von den ein Großteil von den Kunden nicht gesehen wird, die aber trotzdem bezahlt werden müssen. Stattdessen werden in Zukunft - so das Kalkül der Aereo-Macher - Kunden ihre eigene Pakete aus diversen Streaming-Angeboten schnüren. Eine Aereo-Account (der vor allem für das Live-Streaming von Nachrichten, Sport und anderen Events attraktiv ist) in Kombination mit bspw. einem Netflix-Abonennement würde momentan etwa 20 US-Dollar kosten und damit deutlich weniger als ein Vertrag mit einem der großen Kabelkonzerne, der monatlich bis zu 300 US-Dollar veranschlagen kann.

Was wird Aereo von den Medienkonzerne vorgeworfen?
Die TV-Senderketten ABC, CBS, NBC, Fox und Hearst haben Aereo im vergangenen Jahr alle erfolglos Diebstahl ihres Contents vorgeworfen. Eine entsprechende Petition, die nun dem US-Verfassungsgericht vorgelegt wurde, demonstriert, wie verbissen die TV-Industrie gegen Aereo kämpft. CEO Chet Kanojia hat in öffentlichen Auftritten immer wieder auf die Gerichte hingewiesen, die in Aereos Geschäftspraxis nichts illegales erkennen konnten. Es sei irrelevant, so Kanojia, ob Leute terrestrisches Fernsehen über eine Antenne ihres Hauses empfangen (wie es gegenwärtig mehr als 50 Millionen Amerikaner tun) oder sie von Aereo mieten. Sein Unternehmen sei in erster Linie ein Equipment-Provider; würde man Aereo verbieten, so müsste auch jeder Besitzer eines Auto-Radios besteuert werden. Zudem sei der Inhalt der frei empfangbaren Sender durch Werbung finanziert. Die Medienkonzerne sind von solchen Argumenten jedoch unbeeindruckt; sie haben bereits gedroht ihre Sender, in den Märkten, in denen Aereo aktiv ist, aus dem frei empfangbaren Netz zu nehmen oder eigene Streaming-Angebote zu forcieren.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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