KKR: Großeinkauf im deutschen Medienmarkt

31.05.2019

Was plant die New Yorker Investmentfirma KKR (vormals Kohlberg Kravis Roberts)? Am 21. Februar 2019 wird bekannt, dass Herbert Kloiber (geb. 1947 in Wien), der Filmrechtehändler, erst Angestellter bei Leo Kirch, dann sein Opponent, nach 40 Jahren seine Tele München Gruppe (TMG) an KKR verkauft. Also den Sender Tele 5, den Concorde-Filmverleih, einen Mehrheitsanteil an der Odeon Film AG und 33 Prozent an RTL II. Über den Kaufpreis werden keine Angaben gemacht. Philipp Freise, Jahrgang 1973, Kopf des „Technology, Media and Telecommunications Industry“-Teams bei KKR, war schon mit dem KKR-Investment bei ProSiebenSat.1 (2006 bis 2014) zentral befasst. Wie auch mit dem Verkauf, als man eine halbe Milliarde Euro Gewinn machte. Zu TMG sagte er, man werde eine Plattform entwickeln, „die vom Filmset bis ins Kino und zur TV-Auswertung die komplette Wertschöpfungskette mit starker eigener Produktion abdeckt und die wir durch weitere Firmenzukäufe ausbauen werden".

25. Februar 2019, vier Tage später: KKR übernimmt die RTL-Tochter Universum Film (1979 von Bertelsmann gegründet), Filmverleih und Film- und Serienproduzent. Philipp Freise: „Das Unternehmen bringt Inhalte maßgeschneidert zum Zuschauer – ins Kino und nach Hause. Die langjährige Erfahrung sowie Vermarktungs- und Vertriebsexpertise der Mitarbeiter von Universum werden zum zukünftigen Erfolg der Plattform beitragen.” Mit Fred Kogel, ehem. Programmgeschäftsführer Sat.1, Ex-Aufsichtsratsvorsitzender der Constantin, bekommt die Plattform einen versierten CEO, der wiederum Dr. Markus Frerker als COO ins Management-Team der Plattform aufnimmt. Am 29. März 2019 kam dann Günter Jauchs Firma i&u TV („Stern TV", „Klein gegen Groß", „Die Ultimative Chartshow") dazu, am 8.  April 2019 die Wiedemann & Berg Filmproduktion („Das Leben der Anderen“, „4 Blocks“, „Dark“). Für alle drei Zukäufe wieder keine Angaben zum Kaufpreis.

CEO Kogel nach dem Einstieg von Max Wiedemann und Quirin Berg: „Unser Dreamteam ist komplett! Zusammen werden wir nun nationale und internationale Kinoproduktionen realisieren und unsere von Beginn an gemeinsam gefasste Idee umsetzen, ein unabhängiges deutsches Medienunternehmen aufzubauen." Philipp Freise spricht von einer „ersten Phase des Unternehmensaufbaus“, der jetzt „kurz vor dem Abschluss“ stehe. „Jetzt konzentrieren wir uns darauf, die Expertise und das Knowhow aller vier Unternehmen und insbesondere auch von Max und Quirin so zusammenzubringen, dass wirklich Innovatives entsteht." Ziel sei immer gewesen, ein Entertainment-Haus für audiovisuelle Inhalte aufzubauen und nicht nur einzelne Unternehmen zu kaufen. Entertainment-Haus, Plattform: Einen Namen dafür gibt es noch nicht.

 

Wie ist in dem Zusammenhang der „Megacoup“ zu bewerten, der am 29. Mai 2019 bekannt wird? Gibt es einen Zusammenhang? Wieder KKR: Diesmal geht es um nicht weniger als um eine strategische Beteiligung des US-Investors an Axel Springer. Und einen radikalen Schritt: Gemeinsam mit Mehrheitseignerin Friede Springer und dem Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner soll der Springer-Konzern „von der Börse genommen“ werden. Der Markt reagierte positiv; die Springer-Aktie stieg am 30.5. um ein Fünftel. Die Presse reagierte kritisch. Schließlich lässt sich erwarten, dass KKR, der neue „Private Equity“-Miteigentümer, auf maximale Rendite drängen wird, um das Investment nach erfahrungsgemäß fünf bis sieben Jahren gewinnbringend abzustoßen. Schlechte Nachrichten für die wenig ertragreiche Print-Sparte mit den Signature-Veröffentlichungen BILD und WELT? Will Döpfner mit dem KKR-Kapital Ebay-Kleinanzeigen kaufen und das lukrative Rubrikengeschäft ausweiten? Von Springer-Seite heißt es, man bleibe ein „journalistisches Haus“ und wolle sich die journalistische Unabhängigkeit vertraglich garantieren lassen. Von KKR wiederum hört man, mit den anderen Einkäufen in der deutschen Medienlandschaft habe die Springer-Sache nichts zu tun.

 

 

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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