IfM-Ranking: Netflix erstmals unter weltweit größten Medienkonzernen

29.04.2013

Das US-amerikanische Streaming-Portal Netflix gehört erstmals zu den größten Medienunternehmen der Welt. Dies geht aus der neuen, jährlich vom Institut für Medien- und Kommunikationspolitik publizierten Rangliste der 50 größten Medienkonzerne hervor. Kriterium für das Ranking ist der Jahresumsatz 2012. Netflix setzte mit rund 2.000 Mitarbeitern umgerechnet 2,8 Milliarden Euro um und stieg auf Platz 49 im Ranking ein. Das IfM begründet seine Einstufung von Netflix als Medienkonzern damit, dass das Unternehmen längst nicht mehr nur Inhalte Dritter an seine rund 28 Millionen Kunden vertreibt, sondern seit Anfang diesen Jahres auch selber Inhalte herstellt. Mit selbstproduzierten Serien wie „House of Cards“ oder „Hemlock Grove“ konnte Netflix im ersten Quartal 2013 mehr Zuschauer verzeichnen als jeder der großen US-Kabelsender.

Gleichzeitig wurde im vergangenen Geschäftsjahr deutlich, wie unattraktiv das Zeitungs- und Zeitschriftensegment für international operierende Medienkonzerne geworden ist. So kündigten jüngst gleich zwei Unternehmen der Top 5 an, ihre defizitären Printsparten aus dem Kerngeschäft auszugliedern: Rupert Murdochs News Corp., mit einem Umsatz von umgerechnet  26,23 Mrd. Euro auf Platz vier im Ranking, wird aufgrund von Aktionärsdruck in Kürze sein durch den britischen Abhörskandal in Misskredit gebrachtes Zeitungsgeschäft in ein eigenständiges Unternehmen überführen. Zur selben Maßnahme sieht sich auch Time Warner (22,36 Mrd. Euro/Rang fünf) mit seinem Magazinverlagshaus Time Inc gezwungen. Zuvor hatte der ehemalige Marktführer (1995-2008) vergeblich versucht, einen Käufer für den Herausgeber des prestigeträchtigen Time Magazine zu finden. Von den 14 im Ranking vertretenen Medienkonzernen, die überhaupt noch nennenswert im Zeitungs- und Magazinsegment aktiv sind, verzeichneten zwölf dort sinkende oder stagnierende Umsätze.

Mit einem Umsatz von umgerechnet 48,7 Milliarden Euro verteidigt Comcast seine Spitzenposition, mit großem Abstand folgen Google und Walt Disney (32,91
Mrd. Euro) auf den Rängen zwei und drei. 2010 – vor Comcasts Übernahme von NBC Universal und der Aufnahme von Google – führte noch Walt Disney die Rangliste an.

Im diesjährigen IfM-Ranking liegt Bertelsmann mit einem nur leicht gestiegenen Umsatz von 16,07 Milliarden Euro nach wie vor hinter Sony Entertainment auf Rang acht. Die übrigen deutschen Vertreter im Ranking sind die ARD (Rang 19) sowie Axel Springer AG und ProSiebenSat.1, die wie im Vorjahr auf den Rängen 40 bzw. 47 landeten.

Zu den Gewinnern im diesjährigen Ranking zählen der kanadische Medienkonzern Shaw Communications, der seinen Umsatz von umgerechnet 3,5 auf 3,8 Mrd. Euro steigern konnte. Seine Position verbessern konnte erneut auch Discovery Communications. Das Unternehmen, das sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Non-Fiction-Inhalten spezialisiert hat, steigerte seinen Umsatz von umgerechnet 3,0 auf 3,4 Milliarden Euro und kletterte im Ranking von Platz 41 auf Platz 37. Größter Verlierer ist dieses Jahr der US-amerikanische Informationsdienstleister McGraw-Hill. Nach dem Verkauf seiner Bildungssparte sank der Umsatz von 4,5 auf 3,5 Mrd. Euro und das Unternehmen fiel im Ranking von Platz 27 auf 38. Dramatische Umsatzeinbußen musste auch der italienische Medienkonzern Mediaset hinnehmen, der im Ranking von Platz 29 auf 34 abrutschte.

Neu, bzw. zurück im Ranking sind der japanische Medien- und Telekommunikationskonzern J:COM, der US-amerikanische Video-on-Demand-Anbieter Netflix sowie die japanische Fernsehgruppe Nippon Television Network. Nicht mehr im Ranking vertreten sind hingegen das französische TV-Unternehmen TF1, die spanische Mediengruppe PRISA und das skandinavische Verlagshaus Sanoma.

Der Gesamtumsatz der 50 größten Medienkonzerne der Welt ist im Geschäftsjahr 2012 trotz des schwachen Printsektors um fast zehn Prozent gestiegen. Sie setzten zusammen 445,73 Milliarden Euro um, nachdem der Gesamtumsatz der Medienhäuser im Vorjahr bei 405,79 Milliarden Euro gelegen hatte.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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