Glücksspiel als Ausweg aus der US-Zeitungskrise?

12.08.2009

Der Verleger Mort Zuckerman (Foto) hat in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Forbes einen ungewöhnlichen Vorschlag geäußert, wie die krisengebeutelte US-Tagespresse sich neue Einnahmequellen erschließen könnte - mit Sportwetten auf den Onlineseiten der Zeitungen. Der Besitzer der New York Daily News, der fünftgrößten Tageszeitung der USA, ist der Ansicht, dass die Zeitungsindustrie Lobbyismus in Washington betreiben sollte, um das aktuelle Glücksspielverbot zu lockern, das für alle US-Bundesstaaten außer Nevada und Delaware gilt. Wenn die Besucher von Webseiten der Zeitungen dort Wetten platzieren könnten, so Zuckerman in Forbes, "würde das jede Zeitung in Amerika retten".

In Großbritannien ist die Verzahnung von Zeitungs- und Glücksspielindustrie längst üblich. Die britische Boulevardzeitung "The Sun" (gehört zum Medienkonzern News Corp.) generiert mit ihrer Onlineversion des populären britischen Glücksspielformats "Bingo" bereits monatliche Einnahmen in Millionenhöhe. Der englische Medienkonzern Independent News & Media, Herausgeber der Qualitätszeitung "The Independent" hat in der Vergangenheit ebenso wie das Verlagshaus Trinity Media erhebliche Summen in Online-Casinos investiert. US-Blätter haben bislang keinen zufriedenstellenden Weg gefunden, die aus der Anzeigenkrise resultierenden Verluste der Printausgaben durch Werbeeinahmen aus dem Netz zu kompensieren.

Mehr dazu:

- Spiegel.de: Kasino-Reservate sollen Zeitungen retten
- Forbes.com: Mortimer Zuckerman's $200 Million Gamble
- DailyFinance.com: What can save the American newspaper? Try bingo!

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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