Comcast: Auflagen für NBC-Übernahme erfüllt?

21.01.2013

Als die US-amerikanische Medienaufsichtsbehörde FCC (Federal Communications Commission) im Januar 2011 Comcasts umstrittende Übernahme von NBC Universal genehmigte, geschah dies nur unter strengen Auflagen, die Comcast erfüllen sollte. So wurde der Kabel- und Medienkonzern dazu verpflichtet, den Internet-Zugang für einkommensschwache Bevölkerungsschichten zu erleichtern, das Prinzip der Netzneutralität zu befolgen sowie den Anteil an Lokalnachrichten der NBC- und spanischsprachigen Telemundo-Stationen signifikant zu erhöhen. Wie fällt Comcasts Zwischenbilanz zwei Jahre nach der Übernahme aus? Die Redaktion von mediadb.eu hat ein Zwischenfazit gezogen:

Internetzugang für alle:
Comcast ist in der Tat seit Anfang 2011 sehr darum bemüht, die einkommenschwachsten Regionen der USA mit kostengünstigen Internet-Anschlüssen zu versorgen. Kritiker bemängeln jedoch, dass der Konzern dies nicht aus karikativen, sondern profitorientierten Motiven tut. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kunden müssen sozial schwache Haushalte im Rahmen des sog. "Internet Essentials" nur ein Viertel des Originalpreises für den Internetzugang bezahlen; allerdings wird kritisiert, dass Comcast, dass Programm dazu missbraucht, in einem der letzten Segmente des bereits gesättigten Internet-Markt Fuß zu fassen. Die "Essential"-Anschlüsse verfügen nämlich nur über einen Bruchteil der normalen Geschwindigkeit und einkommenschwache Kunden könnten mit schnelleren Raten in teuere Verträge gelockt werden. Cheflobbyist David Cohen hat bereits öffentlich verkündet, dass er hoffe, die einkommenschwachen Kunden würden auf lange Sicht regulär zahlende Kunden. Cohen intervenierte persönlich bei der Konzernspitze als Comcast den "Essential"-Service schon 2009 ausrollen wollte. Cohen wollte die Initiative lieber als Gegenleistung für die Genehmigung der NBC-Übernahme zurückhalten.

Netzneutralität:
Das Justizministerium hatte Comcasts Übernahme von NBCUniversal nur unter der Bedingung genehmigt, dass der Konzern Traffic zu nicht zu Comcast gehörenden Websites weder benachteiligen noch anders berechnen dürfe. Mitte 2012 bemängelten Kritiker, dass Comcast User, die über die Spielkonsole Xbox Internet-Fernsehen schauen, dazu drängte, Comcasts Streampix-Portal zu benutzen. Videos die über Streampix angeschaut wurden, sind - im Gegensatz zu konkurrierenden Portalen wie etwa Netflix - nicht von begrenzten Downloadkapazitäten betroffen. Vertreter von Comcast stritten die Vorwürfe hingegen ab. Ihr Video-on-Demand-Service würde nicht über das "öffentliche Internet" laufen und unterstehe deshalb auch nicht den Open Internet Rules der FCC.

Lokalnachrichten:
Einer Studie der Medienreform-Organisation Free Press aus dem Jahr 2011 zufolge ließ Comcasts in der Vergangenheit mehrfach betontes Bekenntnis zu lokalen Inhalten zu Wünschen übrig. Demnach waren die sogenannten "Localism Reports", in denen Comcast der FCC alle drei Monate Rechenschaft über diezusätzlich produzierte lokale Berichterstattung ablegen musste, mangelhaft. Aus den Reports, so Free Press, war nicht eindeutig ersichtlich, welche TV-Station wieviel lokalen Content produziert haben. Eine transparente Kontrolle der Auflagen sei daher nicht gegeben. Ferner habe Comcast in seinen Rechenschaftsberichten das Ausstrahlen von Werbeblöcken fälschlicherweise als Lokalnachrichten verzeichnet.

Mehr dazu:

New York Times: Mixed Response to Comcast in Expanding Net Access (20.01.2013)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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