Buchverlage vs. Amazon: E-Book-Kartell gesprengt

11.02.2013

Die zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gehörende Sparte Macmillan ist der letzte der großen internationalen Buchverlage, die sich außergerichtlich mit europäischen und US-amerikanischen Regulierungsbehörden im Rahmen des seit Jahren schwelenden E-Book-Preiskriegs geeinigt hat. Unter Androhung von hohen Geldstrafen müssen die Verlage in den kommenden Jahren akzeptieren müssen, dass Online-Kaufhäuser wie Amazon die elektronischen Versionen von Macmillan-Büchern zum Einheitspreis von 9,99 US-Dollar anbieten. 2010 sollen geheime Absprachen zwischen Apple und den Buchverlagen Hachette (Lagardere), Simon & Schuster (CBS), HarperCollins (News Corp.), Penguin (inzwischen Bertelsmann) und Macmillan die Preise für E-Books in die Höhe getrieben haben. Die Redaktion von mediadb.eu hat die neuesten Entwicklungen zusammengefasst:

In den vergangenen zwei Jahren ermittelte das US-Justizministerium ob vermeintliche Absprachen zwischen den Verlagen und Apple existierten, die signifikante Preiserhöhungen für Konsumenten zur Folge hatten. Die US-Behörde untersuchte im Namen von 49 Bundesstaaten, unter welchen Umständen die Preiserhöhungen von E-Book-Bestsellern zustande kamen.

Nach Einführung von Apples iPad im Januar 2010 soll das Unternehmen konspirative Abkommen mit den Verlagen geführt haben, um Amazons Einheitspreis für E-Books von 9,99 US-Dollar zu bekämpfen. Einzelne Verlage wie Macmillan verweigerten daraufhin Amazon nach der Absprache mit Apple, ihre Werke weiterhin zum Einheitspreis zu verkaufen, woraufhin Amazon nachgab. Die Folge war eine branchenübergreifende Erhöhung des Preises von E-Books um durchschnittlich bis zu fünf US-Dollar. Der damalige Apple-Chef Steve Jobs überzeugte die Verlage angeblich mit den Worten "der Kunde wird mehr zahlen, aber das ist doch genau das, was ihr wollt." Von den erhöhten Preisen profitierte aber vor allem Apple, da Amazon zuvor für jedes E-Book 15 Dollar an die Verlage bezahlte und so einen Verlust in Kauf nahm (was der Popularisierung von Amazons eigenem Reader Kindle diente).

Macmillan ist nun der letzte Großverlag, der sich mit dem Justizministerium auf Schadensersatz und Preissenkungen einigte. Zumindest in den kommenden zwei Jahren können Online-Händler wieder verbilligt E-Books anbieten. Zusammen haben die Verlage sich verpflichtet, insgesamt 69 Millionen US-Dollar an E-Book-Käufer als Ausgleich für die überteuerten Angebote zu zahlen. Amazon-Kunden, die in den USA zwischen 2010 und 2012 E-Books erworben haben, stehen pro Exemplar 30 Cents bis 1,30 US-Dollar an Rückerstattungen zu. Zusätzlich wird 76 Millionen US-Dollar an Schadensersatz für entfallene Einnahmen an sämtliche Bundesstaaten (außer Minnesota) gezahlt.

Ein ähnliche Preislockerung hat die EU-Kommission mit den Verlagen und Apple im Dezember 2012 durchgesetzt. In den USA hingegen ist Apple die einzige Partei die sich bisher nicht mit den heimischen Wettbewerbsbehörden geeinigt hat. Der iPad-Hersteller ist davon überzeugt, das Justizministerium würde die E-Book-Branche zwingen, ein Amazon-zentriertes Geschäftsmodell zu akzeptieren. Die Aufforderung des Justizministeriums, die als "Apple Agency Agreements" bezeichneten Absprachen mit den Verlagen zu terminieren, lehnt Apple weiterhin ab, da der Konzern der Meinung ist, dies stelle die einzige Möglichkeit dar, die marktbeherschende Stellung von Amazon bekämpfen zu können.

Mehr dazu:

Wall Street Journal: Macmillan Settles E-Book Case (08.02.2013)

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