Bertelsmann: höchster Umsatz seit 2007, und doch abgehängt

29.03.2019

Am 26.3.2019 meldet Bertelsmann mit 17,67 Mrd. Euro (2018) den höchsten Umsatz seit 2007 (18,76 Mrd. Euro). Das EBITDA (operativer Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) erreicht mit 2,59 Mrd. Euro beinahe das Rekordniveau des Vorjahres (2,64 Mrd. Euro). Gute Zahlen, die nicht zuletzt auf rekordträchtige Buchverkäufe zurückzuführen sind. Die Autobiographie „Becoming“ der Ex-Präsidentengattin Michelle Obama kam seit der Veröffentlichung 2018 (bei der Bertelsmann-Tochter Penguin Random House) auf zehn Milionen verkaufte Exemplare weltweit. Dazu, wenig überraschend, die 6,5 Umsatzmilliarden der RTL Group, der traditionellen Cash Cow des Konzerns.

Zur Einordnung: Zwar konnte man 2018 den höchsten Umsatz seit 2007 erzielen. Jedoch war man 2007 noch auf dem sechsten Platz des globalen Medienkonzern-Rankings (mit einem Umsatz 2006 von 19,3 Mrd. Euro). 2018 wird Bertelsmann voraussichtlich Platz 14 belegen.

Es ist unstrittig: Den Anschluss an die Weltspitze des Business, dominiert von zuletzt nach Mega-Fusionen enorm gewachsenen US-amerikanischen Medienriesen (AT&T/Time Warner, Comcast/NBC Universal Sky, Disney/21st Century Fox) und mittlerweile aufgerückten, immer größere Teile vom Gesamt-Werbebudget abgreifenden Tech-Plattformen (Alphabet/Google, Facebook), wird Bertelsmann nicht mehr herstellen können. Im Ranking 2018 wird mit Tencent Holdings (Shenzen) auch der chinesische Konkurrent mit einem Umsatz von umgerechnet rund 40 Mrd. Euro schon uneinholbar vorne liegen. Und mit Netflix wird Bertelsmann einen jungen Player aus dem boomenden Streaming-Geschäft im Nacken spüren – drei Plätze und rund vier Milliarden Euro hinter sich.

Bertelsmann, nach wie vor ein Familienunternehmen, bleibt im wesentlichen der klassischen Medienwelt aus Fernsehen, Büchern, Zeitschriften und Musik verhaftet (plus „Dienstleistungen“ und „Bildung“). Zum großen Sprung ins Web fehlte nach dem Flop mit Lycos zur Zeit der New Economy die Energie, und das nötige Kapital im Vergleich zur börsennotierten Konkurrenz. Ohnehin sieht es so aus, als habe man diesen Zug längst verpasst.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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