Abschied vom Internet-TV: Joost ändert Geschäftsmodell

01.07.2009

Der Web-TV-Anbieter Joost hat einen grundlegenden Wechsel des Geschäftsmodells angekündigt. Das Unternehmen werde sich in Zukunft nicht mehr auf seine Online-Video-Plattform für Verbraucher und Anzeigenerlöse konzentrieren, sondern vor allem als technologischer Dienstleister für andere Firmen und Medienkonzerne fungieren, teilte das Unternehmen mit. Mit dem Strategiewechsel seien auch personelle Konsequenzen verbunden. Zum einen werde der bisherige Joost-Chef Mike Volpi von dem bislang für die technische Entwicklung zuständigen Matt Zelesko abgelöst. Zum anderen müsse sich das Unternehmen von einer nicht näher bezifferten Zahl von Mitarbeitern trennen. In der momentanen wirtschaftlichen Situation werde es zunehmend schwierig, als unabhängige werbefinanzierte Online-Video-Plattform zu agieren, schreibt der scheidende Joost-Chef Volpi im unternehmenseigenen Blog.

Joost wurde 2006 unter dem Namen „The Venice Project“ von den Skype- und Kazaa-Erfindern Janus Friis und Niklas Zennström gegründet und ging im folgenden Jahr an den Start. Die Prognosen einiger Branchenbeobachter, Joost könnte sich zu einer ernsthaften Konkurrenz für traditionelles Fernsehen entwickeln, erfüllten sich jedoch nicht. Stattdessen hatte das Unternehmen selbst mit Konkurrenz zu kämpfen: „Deals für attraktive Inhalte blieben Mangelware“, analysiert die Nachrichtenagentur dpa. Die großen US-Fernsehketten hätten im wichtigen amerikanischen Markt lieber auf den Verkauf in Apples Online-Store iTunes oder auf Angebote im Internet-Dienst Hulu gesetzt, ein Gemeinschaftsunternehmen von NBC Universal und Rupert Murdochs News Corp.

Mehr dazu:  

dpa/Focus Online: Fernsehzukunft ist Vergangenheit (01.07.2009)
Kress: Joost schließt sein Internet-TV-Angebot (01.07.2009)
Financial Times Deutschland: Joost macht Technik statt TV (01.07.2009)  

Der Spiegel: Joost-Test - Wie Fernsehen, nur besser? (19.04.2007)     

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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