47. ProSiebenSat.1 SE

Umsatz 2021: € 4,494 Mrd.

Überblick

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Die ProSiebenSat.1 Media AG wurde 2000 aus der ProSieben Media AG und der Sat.1 SatellitenFernsehen GmbH gegründet. Free-TV ist das Kerngeschäft des Unternehmens. Dazu ist man in den Bereichen Produktion, Vermarktung und Vertrieb von TV-Programmen aktiv. Zur ProSiebenSat.1-Familie gehören u.a. die Fernsehsender ProSieben, SAT.1, kabel eins, sixx, ProSieben MAXX, SAT.1 Gold und kabel eins Doku. 

Basisdaten

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Hauptsitz:
Medienallee 7
85774 Unterföhring
Telefon: 0049 89 9507-10
Website: prosiebensat1.de

Branchen: TV-Sender, TV-Produktion, Radio, Internet
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 2000 (Fusion von Sat.1 und ProSieben Media AG)

Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. €)
2021202020192018201720162015
Umsatz4.4944.0474.1354.0094.0783.7993.261
Konzern-Überschuss442252412541550513467,5
Aktienkurs (in €, Jahresende)14,0113,7613,6314,5529,5536,6146,77
Beschäftigte8.0007.3077.2536.5836.4836.5645.584

Geschäftsführung

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Vorstand (Schlüsselpositionen):

  • Rainer Beaujean, Vorstandssprecher
  • Wolfgang Link, Vorstand, Entertainment
  • Christine Scheffler, Vorstand, Personal

 

Aufsichtsrat:

  • Dr. Werner Brandt, ehem. SAP AG
  • Lawrence A. Aideem, Iconic Entertainment
  • Dr. Marion Helmes, ehem. Celesio AG
  • Adam Cahan, Yahoo Inc.
  • Erik Huggers, Verizon
  • Marjorie Kaplan
  • Antonella Mei-Pochtler
  • Ketan Mehta, Allen & Company
  • Rolf Nonnenmacher, Lazard&Co

Geschichte

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Zu Beginn war der Konzern ein Teil des Kirch-Imperiums. Der Filmhändler Leo Kirch (1926-2011) hatte im Oktober 2000 die Fusion der Sender Sat. 1 und ProSieben initiiert – zuvor hatten die Konzentrationsregeln dies nicht erlaubt. Daher stand lange sein Sohn Thomas Kirch offiziell an der Spitze von ProSieben. Im Zuge der Fusion erwarb die Axel Springer AG einen 11,5-prozentigen Anteil an der neuen ProSiebenSat.1 Media AG. Springer war zuvor bereits an Sat.1 beteiligt gewesen; Kirch wiederum hielt 40 Prozent an der Springer AG. Nachdem 2001 Zweifel an Kirchs Zahlungsfähigkeit aufgekommen waren, verkaufte Springer-Chef Mathias Döpfner den ProSiebenSat.1-Anteil für 790 Millionen Euro. Er spekulierte darauf, bei einer Zahlungsunfähigkeit die ganze Sendergruppe zu erhalten. Doch es kam anders. 

Zwar musste Kirch wegen Überschuldung im April 2002 Insolvenz anmelden und die Unternehmensgruppe wurde zerschlagen. Viele große Medienunternehmen wurden während der Verhandlungen als potenzieller Käufer gehandelt, etwa Sony, TF1, der Bauer-Verlag, die WAZ-Gruppe oder Rupert Murdoch. Schließlich aber erhielt im August 2003 ein hierzulande bis dato unbekannter US-amerikanischer Medienunternehmer den Zuschlag: Haim Saban übernahm gemeinsam mit einem Bankenkonsortium die Aktienmehrheit. Damals hieß es, ein wichtiger Teil der Deutschland AG werde an ausländische Investoren verkauft. Auch wenn deutsche Medienpolitiker das durch das Propagieren einer ‚deutschen Lösung’ noch zu verhindern suchten. Saban aber konnte für nur 525 Millionen Euro ein Herzstück der deutschen TV-Industrie erwerben. „That level of ownership would never be allowed in the U.S. It would be too much concentration", so Saban 2004 zur New York Times. Während John Malones Übernahmeversuch der deutschen Kabelnetze gescheitert war, konnte Saban die Bedenken der Aufsichtsbehörden ausräumen. Der NYT verriet er sein Erfolgsgeheimnis: „I sweettalked them“. 

Trotz aller Beteuerungen eines langfristigen Engagements entschied sich Saban bereits Mitte 2005 für einen Wiederverkauf von ProSiebenSat.1. Verhandlungen mit der Axel Springer AG über eine Komplettübernahme waren bereits weit gediehen, als das Bundeskartellamt und die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) sich dagegen aussprach. Die offizielle Begründung rekurrierte auf die nach dem Kartellrecht nicht genehmigungsfähige Marktmacht, die durch einen Zusammenschluss auf dem Fernsehwerbemarkt, dem Lesermarkt für Straßenverkaufszeitungen und dem bundesweiten Anzeigenmarkt für Zeitungen entstünde. Das sich abzeichnende Veto der Behörden führte Anfang 2006 dazu, dass Springer sein Übernahmeangebot zurücknahm. In einem zweiten Anlauf einigte sich Saban Ende 2006 mit einem Konsortium ausländischer Finanzinvestoren. Für rund drei Milliarden Euro ging der Konzern an Permira und KKR, am 6. März 2007 erlangte die Mehrheitsübernahme durch die von KKR und Permira kontrollierte Lavena Holding 4 GmbH Rechtskraft. Mit dem größten Deal der deutschen Mediengeschichte hatte Saban sein eingesetztes Kapital nahezu versechsfacht. 

Im Dezember 2007 verkaufte Axel Springer überraschend den 12-prozentigen Anteil an der Sendergruppe für etwa 19 Euro pro Aktie an Permira/KKR. Im Sommer zuvor war eine Aktie noch 30 Euro wert gewesen; im Rückblick erwies sich das Geschäft trotzdem als lukrativ. Trotz der inzwischen erfolgten Fusion mit der von KKR und Permira kontrollierten Fernsehgruppe SBS Broadcasting unterschritt der Kurs 2008 fünf Euro, im März 2009 fiel er zeitweilig unter die 1-Euro-Marke. Anfang 2014 dann verkauften KKR und Permira ihre Anteile an institutionelle Anleger und stiegen aus. Mit ProSiebenSat.1 verdienten sie rund eine halbe Milliarde Euro. 

Mitte 2015 wurde die ProSiebenSat.1 Media AG in die ProSiebenSat.1 Media SE umgewandelt, um eine internationale Expansion in der Digitalsparte zu erleichtern. 2016 stieg das Unternehmen als erstes deutsches Medienunternehmen überhaupt vom MDAX in den DAX auf (2018 wurde die DAX-Listung allerdings wieder aufgehoben). Durch zurückgehende Einschaltquoten und die Konkurrenz von Streaming- und Online-Diensten hat die Aktie des deutschen Medienunternehmens seit 2016 über die Hälfte an Wert verloren. 

Zu den wichtigen Akquisitionen zählten in der Folge Mehrheitsbeteiligungen an internationalen TV-Produktionsfirmen, so an den britischen Endor Productions (vor allem fiktionale Programme) und CPL Productions („Factual"- und Comedyformate) sowie den israelischen July August Productions. Der AG-eigene Programmvertrieb wurde von „SevenOne International" in „Red Arrow International" umbenannt. 

Auf dem deutschen Markt verbuchte die ProSiebenSat.1 Media SE Übernahmen im E-Commerce-Bereich: nach dem Münchner Suchmaschinenoptimierer Booming (von der Holtzbrinck Digital GmbH) die Preisvergleichseite preis24.de (60-prozentiger Anteil) und ebenfalls mehrheitlich „Tropo“, eine deutsche Tochter des Online-Reiseveranstalters Opodo. Auch im Bereich Musik wollte das Unternehmen mit dem im Sommer 2013 gelaunchten und inzwischen längst eingestellten Online-Radio AMPYA wachsen. Im Juni 2015 dann kaufte man für 170 Millionen Euro einen 80-prozentigen Anteil am Preisvergleichsportal Verivox, das wie alle nicht zum Kerngeschäft TV gehörenden Aktivitäten längst auf dem Prüfstand steht.

Management

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Im Frühjahr 2020 wurde der bisherige Finanzchef Rainer Beaujean Vorstandsprecher und beerbte damit den glücklosen ehemaligen Dyson-Manager Max Conze. Conze hatte 2018 einen relativ florienden, neun Jahre solide von Thomas Ebeling gemanagten Konzern übernommen, der aufgrund einer gescheiterten Drei-Säulen-Strategie (Entertainment, Content-Produktion und E-Commerce) aber zu einem Übernahmekandidaten wurde. 

Beaujean will auf mögliche Angebote – etwa vom italienischen TV-Konzern Mediaset – nicht eingehen und die Transformation von ProSiebenSat1 zu einem „Digitalkonzern“ weiter vorantreiben. Die TV-Sender im Portfolio sollen nicht nur Werbeerlöse generieren, sondern vor allem die Produkte und Dienstleistungen aus dem E-Commerce-Segment und dem hauseigenen Investment-Arm bewerben.

 

Geschäftsfelder

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ProSiebenSat.1 ist in drei Segmente unterteilt:

Entertainment:
Die Seven.One Entertainent Group vereint unter ihrem Dach 17 in der DACH-Region empfangbare TV-Sender (darunter ProSieben, Sat.1, Kabel Eins, sixx, PULS und ATV), die Produktionsfirma Red Arrow Studios sowie die 1.300 YouTube-Kanäle umfassenden Web-Content-Schmiede Studio71.

Dating:
ProSiebenSat.1 hält 53 Prozent der Anteile an der internationalen Parshipmeet Group, die diverse Online-Dating-Marken in ihrem Portfolio hat (Parship und ElitePartner in Deutschland, eharmony, MeetMe und Tagged in den USA, LOVOO europaweit)

Commerce & Ventures:
Der Konzern kontrolliert 71,6 Prozent an der Nucom Group, der Verbraucherberatungs-,  Lifestyle- und Event-Onlinemarken wie u.a. Verivox, Jochen Schweizer, flaconi und moebel.de gehören. Die konzerneigenen Investmentarme Sevenventures und SevenGrowth bieten Start-Up-Unternehmen Darlehen und Media-Deals in Form von prominenten Werbeplatzierungen im Programm der ProSiebenSat.1-Sender.

Aktuelle Entwicklungen

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Nach vier Jahren stagnierender Umsätze und bescheidener Gewinne soll es in der Post-Corona-Welt endlich wieder bergauf gehen. Da die Werbeerlöse im bisherigen Kalenderjahr 2021 sich bereits deutlich von dem pandemiebedingten Rückgang erholt haben, erwartet man immerhin ein fünfprozentiges Umsatzwachstum. Baustellen bleiben jedoch, allen voran das nur noch wegen Skandalen bei der Produktion von würdelosen Sat.1- Reality-Formaten wie „Promis unter Palmen“ oder „Plötzlich reich, plötzlich arm“. Einst quotenstarker Familiensender, liefert Sat.1 heute, mit einem überwiegend auf anachronistische Scripted-Reality-Formate setzendem Trash-Programm, immer wieder aufs Nee Argumente ein Netflix-Abo abzuschließen.

Deutlich relevanter ist dagegen ProSieben, das zunehmend auch auf Informationssendungen und Sport setzt. So konnte der Sender deutlich an Profil gewinnen, als er im April 2021 das erste Interview mit der frischgekürten grünen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ausstrahlte. Oder als ProSieben Moderatorinnen und Moderatoren von der ARD verpflichtete, wie Linda Zervakis oder Matthias Opdenhövel. Da ProSieben ein deutlich jüngeres Publikum erreicht als die öffentlich-rechtlichen Sender, lassen es sich die Vertreter der großen Parteien nicht nehmen, in Formaten wie den „Bundestagswahl-Shows" oder „Facing the Classroom" teilzunehmen. Auch bei Sat.1 soll es künftig politischer zugehen, etwa mit Sommerinterviews mit Spitzenkandidatinnen und -kandidaten.