37. BBC

Umsatz 2021: £ 5,064 Mrd. (€ 5,890 Mrd.)

Überblick

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„Wir sind die weltweit führende öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt.“ Die British Broadcasting Corporation, gegründet 1927, produziert innerhalb Großbritanniens ein ausschließlich gebührenfinanziertes Radio- und Fernsehprogramm, das seine Zuschauer „informieren, bilden und unterhalten" soll. Im Ausland erwirtschaftet der kommerziell agierende Arm BBC Commercial Holdings (zuvor BBC Worldwide) durch den Betrieb von TV-Kanälen, die Lizenzierung von Fernsehformaten und die Veröffentlichung von Büchern zusätzliche Erträge, die an die Anstalt zurückgeführt werden. 

Basisdaten

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Hauptsitz:
Broadcasting House
Portlands Place
London W1A 1AA
Großbritannien
Telefon: 0044 20 7580 4468
Website: www.bbc.co.uk/aboutthebbc 

Branche: Fernsehsender, Radio, Rechtehandel, TV-Produktion, TV-Spartenkanäle
Rechtsform: Öffentlich-rechtliche Anstalt 
Geschäftsjahr: 01.04. - 31.03.
Gründungsjahr: 1927 

 

Ökonomische Basisdaten (in Mio. £)
20222021202020192018201720162015
Umsatz5.3305.0644.9434.8895.0624.9544.8274.805
Beschäftigte21.25222.21924.67922.40121.41321.27120.91618.974

Geschäftsführung

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Executive Committee:

  • Tim Davie, Director-General
  • Kerris Bright, Chief Customer Officer
  • Tom Fussell, CEO BBC Studios
  • Charlotte Moore, Chief Content Officer
  • Gautam Rangarajan, Group Director of Strategy and Performance
  • Rhodri Talfan Davies, Director, Nations
  • Leigh Tavaziva, Chief Operating Officer
  • Deborah Turness, CEO, BBC News and Current Affairs

 

BBC Board:

  • Richard Sharp, Chairman
  • Tim Davie, Director-General
  • Shumeet Banerji, Non-executive Director
  • Damon Buffini, Non-executive Director; Chair, Commercial Board
  • Elan Closs Stephens, Member for Wales
  • Shirley Garrood, Non-executive Director
  • Robbie Gibb, Member for England
  • Muriel Gray, Non-executive Director, Member for Scotland
  • Ian Hargreaves, Non-executive Director
  • Charlotte Moore, Chief Content Officer
  • Nicholas Serota, Senior Independent Director
  • Leigh Tavaziva, Chief Operating Officer
  • Deborah Turness, CEO, BBC News and Current Affairs

Geschichte und Profil

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1922 wurde die British Broadcasting Company, wie sie zuerst hieß, von britischen und amerikanischen Elektrogeräteherstellern als Kapitalgesellschaft gegründet, um den Absatz ihrer Rundfunkempfänger zu steigern. Die britische Postbehörde erteilte der BBC die exklusive Sendelizenz, um eine chaotische Situation wie im damals unregulierten US-amerikanischen Radio zu verhindern. Nachdem die gesellschaftliche Bedeutung der BBC deutlich geworden, ihr Geschäftsmodell jedoch gescheitert war, wurde sie 1926 in eine Körperschaft im Staatsbesitz umgewandelt. Im Januar 1927 erfolgte die Umbenennung zur British Broadcasting Corporation, zugleich erhielt die neue BBC die erste „Royal Charter", die sie, wie die Bank von England, zu einer staatlichen Institution außerhalb des Einflussbereichs der Regierung, nicht aber des Parlaments machte. Ausschließlich finanziert über eine so genannte „Licence Fee“ war so der unabhängige, öffentlich-rechtliche Rundfunk geboren. Kern des BBC-Programmauftrags ist bis heute, durch Information, Bildung und Unterhaltung „dem öffentlichen Interesse zu dienen“. 

Zunächst auf den Hörfunk beschränkt, nahm die BBC 1946 den regelmäßigen Fernsehbetrieb auf, 1952 gelang mit der internationalen Live-Übertragung der Krönung von Elisabeth II. ein erster Durchbruch für das neue Medium. Bereits 1955 erhielt das BBC-Fernsehprogramm kommerzielle Konkurrenz durch die Einführung der werbefinanzierten, regional organisierten ITV-Sender (Independent Television). Mitte der 1960er Jahre wurde der BBC mit BBC 2 ein weiteres Programm genehmigt. Seit Anfang der 1980er Jahre gibt es mit Channel Four auch einen weiteren Privatkanal (öffentlich-rechtlich, aber werbefinanziert). Und seit dem Einstieg ins digitale Fernsehen Mitte der 1990er Jahre baut die BBC planmäßig ihr Programmangebot aus. Alle kommerziellen Aktivitäten der BBC wurden – national wie international – 1994 im Tochterunternehmen BBC Worldwide zusammengefasst (im April 2018 umbenannt in BBC Studios). 

Die 2007 beschlossene Gebührenanpassung auf 151,50 Pfund bis zum Jahr 2012 galt zunächst als Traditionsbruch. Seit 1988 war die von Regierung und Unterhaus festgesetzte „Licence Fee“ an die Inflationsrate gekoppelt. Diese Indexierung war damit nun passé und es kam zu einzelnen Streiks. Der BBC-Generaldirektor betonte, dass die Finanzierungslücke Konsequenzen für das Programm haben könne, und kündigte eine hauseigene Bestandsaufnahme an, um Einsparmöglichkeiten zu finden. Weiteren Druck erhielt die BBC mit den im Juni 2009 veröffentlichten „Digital Britain Reports“: Man verlangte von der BBC, ab 2013 3,5 Prozent der Rundfunkgebühren an die kommerziellen Rivalen abzugeben, um deren „Public-Service“-Angebot mitzufinanzieren. Intern legte sich die Anstalt bereits 2006 auf ein Sparprogramm mit dem Namen „Delivering-Creative-Future" fest und konnte Einsparungen in Höhe von zwei Milliarden Pfund bis 2013 erzielen, unter anderem durch einen Abbau von 1.500 Arbeitsplätzen und den Verkauf des „BBC Television Centre“ in London. 2011 dann zog das Unternehmen in das traditionsreiche Londoner „Broadcasting House“ und in die „MediaCityUK“ in Salford (im Raum Manchester) um. 

Wegen der Wirtschaftskrise entschied die Regierung im Oktober 2011, die Rundfunkgebühren auf dem Niveau von 2010 (145,50 Pfund) einzufrieren. Dieses neue „Licence Fee Settlement“ lief bis 2017. Weitere Einsparungen sollten unter anderem durch Kürzungen bei Gehältern (besonders beim Management, nachdem im Sommer 2013 überhöhte Abfindungszahlungen an 150 BBC-Manager bekannt geworden waren) und erhöhte Ressourcen-Effizienz erreicht werden (allein 2012 wurden 875 Laptops von BBC Mitarbeitern verlegt oder gestohlen – so entstanden Kosten in Höhe von 255.000 Pfund, für die die Gebührenzahler aufkommen mussten). 

Ebenfalls 2011 kam der Jimmy Savile-Missbrauchskandal ans Licht. Schon seit 1961 hatte die Polizei wegen Pädophilie gegen ihn ermittelt, ohne ihm etwas nachweisen zu können. Nach seinem Tod, besonders nach einer ITV-Reportage im Oktober 2012, meldeten sich immer mehr Missbrauchsopfer, zu 80 Prozent weiblich und minderjährig zum Zeitpunkt der Taten. Ein massiver Skandal entstand, laut Scotland Yard war Savile „der schlimmste Sexualverbrecher in der Geschichte des Landes“. In der Folge gab es zwei Untersuchungen zur Rolle der BBC. Es wurde deutlich, dass man gleich zu Beginn, bei der Aufarbeitung im eigenen Hause, schwerwiegende Fehler gemacht und beispielsweise die Ausstrahlung eines kritischen Savile-Nachrufs Ende 2011 verhindert hatte. Der damalige BBC-Generaldirektor George Entwistle musste zwei Monate nach Amtsantritt im September 2012 zurücktreten. Es hatte sich herausgestellt, dass man in einer BBC-Sendung einen ehemaligen Spitzenpolitiker zu Unrecht des Kindesmissbrauchs verdächtigt hatte, und das, während Savile offenbar auf dem BBC-Gelände Missbrauch verübte. Im Februar 2016 folgten dann die Ergebnisse des zweiten Berichts: BBC-Verantwortliche hätten „systematisch weggesehen“. Eine „Atmosphäre der Angst“ und eine „sexistische Macho-Kultur“ habe bei der BBC geherrscht. 

Weiterhin stand die BBC zunehmend unter Druck, die aufgeblähte Organisationsstruktur zu verschlanken und ihre Aufsichtsmethoden zu reformieren. Auch die Regierung nahm die Skandale und Geldverschwendung (Beispiel: 100 Millionen Pfund gingen durch ein gescheitertes Digitalprojekt verloren) zum Anlass, um 2016 Reformpläne aufzustellen. Die alte Tante („Auntie Beeb“, wie Briten auch sagen) sollte verjüngt werden, effizienter und transparenter. Nach einer Novelle der „Royal Charter“ im Jahr 2017 wurden die Namen aller Mitarbeiter veröffentlicht, die auf ein Jahreseinkommen von 450.000 Pfund (umgerechnet 570.000 Euro) und mehr kommen und mit der Medien- und Telekommunikationsaufsicht Ofcom wurde die Anstalt erstmals extern reguliert.

Management

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Seit September 2020 ist Tim Davie neuer Generaldirektor der BBC. Der Vorgänger Tony Hall, Baron Hall of Birkenhead, geboren 1951, seit 2013 im Amt als Nachfolger des zurückgetretenen George Entwistle (s.o.), hatte im Januar überraschend erklärt, im Sommer 2020 zurücktreten zu wollen. Der Grund: Ein Neuer/eine Neue an der Senderspitze solle die Verhandlungen um die Überprüfung (2022) und v.a. die Erneuerung (2027) der „Royal Charter“ leiten.

Jetzt also Tim Davie, Jahrgang 1967, seit 15 Jahren bei der öffentlich-rechtlichen BBC. Vorher war er zuletzt Vice President für den Bereich „Marketing and Franchise“’ beim Getränkekonzern PepsiCo. Im April 2005 kam Davie zur BBC, zunächst als Direktor der Abteilung „Marketing, Communications & Audiences“. Im September 2008 übernahm er den Bereich „Audio & Music“ und damit die nationalen BBC-Hörfunkprogramme. Im Dezember 2012 dann wurde Davie Chef von BBC Worldwide.

Sir David Clementi, BBC-Vorstandsvorsitzender, sieht in Tim Davie den Richtigen, um die BBC bei weiteren Reformen und Veränderungen zu leiten – als CEO und Chefredakteur verantwortlich für die redaktionelle und operative Führung. Davie selbst sagte, er fühle sich geehrt und sprach angesichts der Corona-Pandemie von einer „kritischen Zeit“ für Großbritannien, in der sich gezeigt habe, wie sehr den Menschen die BBC am Herzen liege: „Unser Auftrag war noch nie so relevant und notwendig wie heute.“

Geschäftsfelder

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UK public services:

Fernsehsender BBC One und Two (mit Regionalfenstern für Schottland, Nordirland und Wales), BBC Three (nur online), BBC Four (Kultur/Bildung), CBBC (Kinder), Cbeebies (Kleinkinder), BBC News, BBC Parliament (Live-Übertragungen aus Westminster).
Radio: Radio 1 (Pop, Jugend), Radio 2 (allgemeine Unterhaltung), Radio 3 (E-Musik, Kultur), Radio 4 (Unterhaltung, Nachrichten, Hörspiele), Radio 5 Live (Nachrichten, Sport), dazu kommen regionale Hörfunk-Programme für England, Schottland, Wales und Nordirland. Fünf Radiokanäle betreibt die BBC exklusiv über digitale Sendetechnik: Radio 1Xtra (aktuelle Musik), Radio 4 Extra (Comedy, Hörspiele, Kinderprogramm), Radio 5 Live Sports Extra (mehr Kommentar als beim Schwestersender), Radio 6 Music (alternative und „indie“-Musik) sowie das an Migranten gerichtete Asian Network, das überwiegend in Englisch, zum Teil aber auch in diversen Sprachen aus Indien und angrenzenden Gebieten sendet.
Digital Services: Neben der BBC Homepage, BBC Weather und BBC News u.a. ist der BBC iPlayer (eine BBC-Mediathek) im Netz verfügbar.

Alle BBC-TV- und Radio-Programme sind werbefrei und werden aus der Rundfunkgebühr finanziert, die in Großbritannien ausschließlich von TV-Zuschauern zu entrichten ist. Der Empfang von Radioprogrammen ist frei.

Global news services:

BBC World Service sendet im Fernsehen/Radio/online in über 40 Sprachen und erreicht wöchentlich rund 280 Millionen Hörer in aller Welt und wird über die licence fee finanziert.

BBC World News und BBC.com. Der Fernsehkanal ist in über 200 Ländern empfangbar, in 300 Millionen Haushalten und 1,8 Millionen Hotelzimmern.


Commercial services:

BBC Studios (bis 2018 BBC Worldwide) ist der kommerzielle Arm der BBC-Gruppe mit einem Gesamtumsatz von etwa 1,4 Milliarden Pfund und zuständig für die Finanzierung, Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Programminhalten und Spin-Offs wie Magazine, Bücher usw. Alle Gewinne werden an die BBC-Mutter zurückgeführt.

BBC Studioworks ist der UK-weit größte Anbieter von Studio- und Post-Produktionskapazitäten in den (1914 eröffneten) Elstree-Studios in Nordlondon sowie seit 2017 im Television Centre im Westen der Stadt.

Aktuelle Entwicklungen

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Die BBC steht unter dem wohl größten medienpolitischen Druck ihrer Geschichte. Besonders rechte britische Politiker rufen immer wieder zu einer Zerschlagung der Anstalt auf. Wie die damalige konservative Innenministerin Priti Patel im Juni 2021 ankündigte, soll eine Novellierung der BBC Charter zu einer umfassenden Restrukturierung führen. Denkbar ist zum Beispiel die Installation eines externen Review Boards, das sämtliche Inhalte kontrolliert – damit würde die BBC de facto ihre redaktionelle Unabhängigkeit verlieren. 

Wasser auf die Mühlen der Kritiker liefert indes die BBC selbst. So warf zum Beispiel eine Untersuchung des Verfassungsrichters Lord Dyson zu einem umstrittenen Interview des Dokumentarfilmers Martin Bashhir mit Prinzessin Diana 1995 ein schlechtes Licht auf die internen Kontrollmechanismen. Bashir hatte gefälschte Dokumente benutzt, um an das Interview zu kommen; die BBC wusste davon, entschied sich jedoch gegen Transparenz und kehrte alles unter den Teppich.

Eine Chance, die britischen Gebührenzahler zu entlasten und damit auch die öffentliche Debatte zu beruhigen, wurde im Frühjahr 2021 diskutiert: eine mögliche Fusion mit Channel 4, dem öffentlich-rechtlichen Sender, der als Alternative zu BBC1 und BBC2 (sowie dem Privatsender ITV) etabliert wurde und sich allerdings nicht durch Gebühren, sondern nur durch Werbeeinnahmen finanziert. Statt einer immer wieder ins Spiel gebrachten Privatisierung von Channel 4 könnte man durch eine Zusammenlegung mit der BBC pro Jahr rund eine Milliarde Pfund sparen.

Literatur

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  • Higgins, Charlotte: This New Noise: The Extraordinary Birth and Troubled Life of the BBC. Guardian Faber Publishing, 2015