51. Pearson plc

Umsatz 2020: GBP 3,397 Mrd. (€ 3,780 Mrd.)

Überblick

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Der britische Verlagskonzern Pearson konzentriert sich nach dem Verkauf der renommierten Wirtschaftszeitung „Financial Times" 2015 (an die japanische Mediengruppe Nikkei) und Anteilen am weltgrößten Publikumsverlag „Penguin Random House“ (an Bertelsmann) ganz auf das Geschäft mit Bildung. Jetzt heißt es: „Wir sind einer der größten Bildungsdienstleister der Welt.“ Aktiv in Europa, Nordamerika und China kontrolliert Pearson mittlerweile einen erheblichen Teil des lukrativen Markts für standardisierte Bildungstests.

Basisdaten

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Hauptsitz:
80 Strand
London WC2R 0RL
Großbritannien
Telefon: 0044 20 7010 2000
Website: pearson.com/investors.html

Branchen: Lehrmittel, Informationsdienste, Multimedia, Internet-Services
Rechtsform:  Aktiengesellschaft (seit 1969)
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1844

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. £)
20212020201920182017
Umsatz 3.3973.8694.1294.513
Gewinn  313581546576
Aktienkurs (in $, Jahresende)8,409,188,3412,229,82
Mitarbeiter20.00022.73424.32230.339

Geschäftsführung

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Executive Leadership:

    • Andy Bird, CBE, Chief Executive
    • Tom Simon, President, Virtual Learning
    • Ali Bebo, Chief Human Resources Officer
    • Tim Bozik, President, Higher Education; Interim Chief Product Officer and Co-President, Direct to Consumer
    • Lynne Frank, Chief Marketing Officer and Co-President, Direct to Consumer
    • Giovanni Giovannelli, President, English Language Learning
    • Mike Howells, President, Workforce Skills
    • Cynthia Nespoli, Chief Legal Officer
    • Bob Whelan, President, Assessment & Qualifications

    Board of Directors:

    • Sidney Taurel, Chair
    • Andy Bird, CBE, Chief Executive
    • Sally Johnson, Chief Financial Officer
    • Sherry Coutu, CBE, Non-Executive Director
    • Linda Lorimer, Non-Executive Director
    • Graeme Pitkethly, Non-Executive Director
    • Tim Score, Non-Executive Director
    • Annette Thomas, Non-Executive Director
    • Lincoln Wallen, Non-Executive Director

      Geschichte

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      1844 gründete Samuel Pearson & Son ein kleines Bauunternehmen in Yorkshire, bald wuchs das Geschäft über Nordengland hinaus. Die Firma war spezialisiert auf Straßentunnel unter den Flüssen von London und New York und später auf Eisenbahnbau in aller Welt. Als Privatleute investierten die Pearsons erfolgreich in unterschiedlichsten Branchen: Banken, Stahl- und Hochbau, Erdöl und Verlagswesen. Als man 1969 an die Börse ging, gehörten bereits die Regional- und Lokalzeitungskette Westminster Press, die renommierte „Financial Times" (seit 1957) und Beteiligungen an den britischen Buchverlagen Penguin und Longman zum Portfolio. Dazu kamen noblere Unternehmungen wie der Erwerb von Anteilen an den Edel-Weinbergen von Château Latour und der königlichen Porzellanmanufaktur Royal Doulton, die allerdings den ersten Verschlankungen der 1980er Jahre zum Opfer fielen. Seit 1990 im Fernsehgeschäft präsent wurde Pearson Television Ende der 1990er Jahre eines der größten europäischen TV-Produktionsunternehmen, ging aber inklusive seiner Senderbeteiligungen 2000 in der von Bertelsmann geführten RTL Group auf. Zehn Jahre später wurden die Ölgesellschaft Camco und weitere Tochterfirmen im Baugewerbe verkauft.

      Pearson war der erste internationale Medienkonzern, der von einer Frau geführt wurde. 1997 stieg die gebürtige Texanerin Majorie Scardino bei Pearson ein und sorgte für die Konzentration auf das mediale Kerngeschäft (so trennte sie sich bei Amtsbeginn unter anderem gleich von Beteiligungen an Madame Tussauds‘ Wachsfigurenkabinett) und baute den Konzern vor allem im Erziehungssektor aus – eine Strategie, die ihr Nachfolger John Fallon (seit 2013 im Amt) verstärkte.

      2009 erwarb Pearson die Sprachschule „Wall Street English" für 145 Millionen Dollar und 2010 die Abteilung für Schul-Lernsysteme des „Sistema Educacional Brasileiro" (SEB) für 497 Millionen Dollar. Ebenfalls 2010 verkaufte Pearson seine Beteiligung (61 Prozent) an dem US-amerikanischen Wirtschaftsinformationsdienst „Interactive Data" für 2 Milliarden Dollar an Investmentfonds, die von Silver Lake Partners und Warburg Pincus verwaltet werden. Im Juli 2011 kündigte Pearson die Gründung des Pearson College an, eines britischen Anbieters von Hochschulabschlüssen. 2011 kaufte Pearson „Connections Education" und verkaufte den 50 prozentigen Anteil an dem Finanzmarkt-Dienstleister „FTSE International Limited" an die Londoner Börse für 450 Millionen Pfund.

      Zwischen Februar 2000 und Dezember 2012 erschien die Financial Times Deutschland, ebenfalls auf lachsfarbenem Papier gedruckt. In den ersten Jahren all Joint-venture von Pearson und Bertelsmann (Gruner + Jahr), bis zum 1.1.2008, als G+J den Pearson-Anteil übernahm. Im Juli 2015 gab Pearson auch das Londoner Original ab, für 844 Millionen Pfund an Nikkei.

      2012 kam Pearson mit Bertelsmann überein, ihre jeweiligen Verlagshäuser, Penguin Group und Random House (zwei der „Big Six"), zusammenzulegen. Der weltgrößte Publikumsverlag „Penguin Random House“ entstand. Pearson selbst belegte 2017 auf der Livres Hebdo/Publishers Weekly-Rangliste der „World’s Largest Publishers“ den ersten Platz. Am 11. Juli 2017 allerdings reduzierte Pearson die Beteiligung an Penguin Random House auf 25 Prozent.

      2019 gab es zwei Verkäufe zu vermelden. Zum einen ging es im Februar 2019 um das „US schools course materials business“, im in den USA „K-12“ genannten primären und sekundären Bildungsbereich (Kindergarten bis zum 12. Schuljahr), das Pearson für 250 Millionen Dollar an die Private-Equity-Firma „Nexus Capital Management“ abgab. Kurz vor Ende 2019 dann übernahm Bertelsmann auch den restlichen 25-prozentigen Anteil an Penguin Random House. Pearson war aus dem klassischen Verlagsgeschäft komplett ausgestiegen und war jetzt „the world’s learning company“.

      Management

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      2012 war die 16-jährige Ära von Marjorie Scardino (geb. 1947) an der Spitze von Pearson zuendegegangen. Scardino, 2007 auf der Forbes-Liste der „100 mächtigsten Frauen der Welt“ auf Platz 17, galt als harte Saniererin, die täglich mit Rundmails den Kontakt mit der Pearson-Belegschaft aufrechterhielt. Schnell wurde sie zum „Darling“ der Londoner City, steigerte Pearson-Renditen und -Dividenden. Sie manövrierte den Konzern in ihrer Amtszeit erfolgreich durch das Platzen der dot.com-Blase und die Finanzkrise 2007/2008. Bekannt wurde sie auch durch ihr Bekenntnis zur Financial Times: Die FT würde sie „nur über ihre Leiche" verkaufen.

      2012 also kam John Fallon auf den Pearson-Chefposen. Er hatte zuvor die Pearson-Bildungssparte betreut, und verkaufte die Financial Times 2015. Fallon, Sohn eines Grundschullehrers, forcierte Pearsons Neuausrichtung zu einem reinen Bildungskonzern. Sein wichtigster Mitarbeiter war Bildungsexperte Professor Michael Barber, der im Auftrag von Tony Blair einst eine auf Testergebnissen basierte Bildungsreform in Großbritannien durchsetzte. Fallon und Barber hatten erkannt, dass sich mit Bildung viel Geld verdienen lässt, besonders mit Erfahrung im Verlagswesen, Interesse an neuen Technologien und Kontakten zur Politik.

      Im Dezember 2019 kündigte John Fallon an, im Laufe des Jahres 2020 nach „sieben harten Jahren“ als CEO abtreten zu wollen. Im Jahresbericht 2019 schrieb er zu seinem Abgang: „I’d love to be retiring with the flags flying high, and the share price performing well. Sadly, that’s not currently the case.” Dazu Chairman Sidney Taurel: „Wir waren fest entschlossen, 2019 zu unserem Umsatzwachstum zurückzukehren und den Gewinn zu steigern. Enttäuschende Ergebnisse in unserem „US Higher Education Courseware“-Geschäft, bedingt durch einen deutlich schnelleren Rückgang bei gedruckten Lehrbüchern, hat allerdings zu einem stagnierenden Konzernumsatz geführt.“

      Das Fazit von Fallons Zeit an der Konzernspitze fällt wenig positiv aus, nach einem drastischen Stellenabbau und dem Verkauf wichtiger Assets (Penguin, „Financial Times“, Anteile am „Economist“). Der Aktienkurs fiel seit 2013 um über 50 Prozent, drei Monate vor der Bekanntgabe seines Rücktritts hatte es eine Gewinnwarnung gegeben (die sechste während seiner Amtszeit), der Marktwert des Unternehmens wurde um ein Fünftel reduziert. Und nach Veröffentlichung der Jahreszahlen 2019 (mit einem verglichen mit dem Vorjahr um 50 Prozent niedrigeren operating profit) fiel das Pearson-Papier um vier Prozent. Dazu John Fallon: „We’re now at the stage where it’s time to transition to a new leader, who can bring a fresh perspective.” Man ging davon aus, dass Fallons Rücktritt auf Druck von Seiten der Shareholder zurückging.

      Geschäftsfelder

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      „We’re the world’s learning company”, so der erste Satz auf der Pearson-Homepage, bzw. „we are learning experts“, „we put learners first“ oder: „Lernen ist die stärkste Kraft für Veränderungen in der Welt. Mehr als 20.000 Pearson-Mitarbeiter bieten unsere Produkte und Dienstleistungen in fast 200 Ländern an, die alle auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten – allen Menschen zu helfen, ihr Potenzial durch Lernen auszuschöpfen.“ Ein Geschäft, das sich seit Jahren in einem Umstellungsprozess von analogen auf digitale Lernmedien befindet. Und: „Mit der Pandemie hat sich die Lernlandschaft noch mehr verändert.” Der Pearson-Konzern teilt das Geschäft heute in fünf Sparten.

      Virtual Learning: „Online- und virtuelles Lernen ist auf dem Vormarsch“, so in Pearsons Business-Porträt. Die steigende internationale Nachfrage nach virtuellem Unterricht ist natürlich auf den technologischen Fortschritt zurückzuführen, aber auch auf die Corona-Pandemie. Im Bereich der Higher Education geht es um „personalisierte, digitale Lernerfahrungen für Hochschul- und College-Studenten“.

      Andy Bird, Chief Executive: „Auf dem heutigen globalen Lernmarkt wollen mehr Menschen als je zuvor Englisch lernen. Wir haben die beste End-to-End-Lösung, die global, digital und verbraucherorientiert sein wird." Der Pearson-Zweig English Language Learning kümmert sich um die 1,5 Milliarden Englisch-Schüler weltweit. Workforce Skills: Hier geht es um den „Bedarf an ständiger Weiterbildung und Umschulung“, sowohl von Unternehmen als auch von Einzelpersonen. Denn: „Die Arbeitswelt verändert sich schnell. Sie verändert sich sogar schneller, als die meisten Menschen mit ihr Schritt halten können... Wir werden auf vorhandene Ressourcen in unserem Portfolio aufbauen und Beispiele für innovative Lernkonzepte und -erfahrungen nutzen.“

      Assessment & Qualifications: das „Kronjuwel im Ökosystem von Pearson“, ein Drittel des Umsatzes etwa wurde 2020 hier gemacht. Assessment & Qualifications ist der entscheidende Punkt, sind „powerful tools“, mit denen die Lernenden den Wert dessen erkennen, was sie gelernt haben. Das ist buchstäblich die Art und Weise, wie Lernen zu Geld gemacht wird, „to turn learning into earning“.

      Aktuelle Entwicklungen

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      Am 24. August 2020 wurde bekannt gegeben, dass Andy Bird, Pearson-Aufsichtsratsmitglied (Non-Executive Director) seit Mai 2020, im Oktober 2020 Nachfolger von John Fallon werden sollte. Seit 2004 war Bird zuvor bei Disney als Chairman von Walt Disney International tätig: „Andy stand an der Spitze des digitalen Wandels bei Disney, indem er den Weg zur Marktreife, das Produktportfolio und die dem Unternehmen zur Verfügung stehenden Verbraucherinformationen veränderte. Er war maßgeblich an der Entwicklung von Disneys Direct-to-Consumer-Strategie beteiligt, bei der die Inhalte des Unternehmens als Dienstleistung direkt an den Endverbraucher vermarktet werden, was sich zu einem wichtigen Wachstumsmotor für das Unternehmen entwickelt hat.“ Kritische Reaktionen hatte es gegeben, weil Bird in seiner Funktion als Pearson-Aufsichtsrat einige Bewerbungsgespräche mit Anwärtern geführt hatte, bevor er sich selbst als CEO des Bildungsverlags ins Spiel brachte.