13. Altice Europe N.V./Altice USA, Inc.

Umsatz 2020: € 23,740 Mrd.

Überblick

2017 brachte Firmengründer Patrick Drahi sein US-Geschäft unter dem Namen Altice USA (ursprünglich Cablevision, viertgrößtes Kabelfernsehunternehmen der USA) an die Börse. Die übrigen weltweiten Aktivitäten (z.B. Kabel-TV, Pay-TV, Presse, Telekommunikation) bleiben unter dem Dach von Altice Europe N.V. in Amsterdam. Gründer Patrick Drahi ist in beiden Firmen nach wie vor geschäftsführend tätig.

Basisdaten

Hauptsitze:

Altice NV
Prins Bernhardplein 200
1097 JB Amsterdam
Niederlande
Telefon: 0041 79 946 4931
Internet: altice.net

Altice France
16 Rue du Général Alain de Boissieu
75015 Paris
Frankreich
Telefon: 0033 1 8506 0000
Internet: alticefrance.com

Altice USA
1 Court Square
West Long Island City
New York 11101
USA
Telefon: 001 516 803 2300
Internet: investors.alticeusa.com

Branchen: Kabelnetze, Telekommunikation, TV, Sportrechte, Zeitungen, Zeitschriften
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01-31.12.
Gründungsjahr: 2001

 

Ökonomische Basisdaten Altice Europe N.V. (in Mio. €)
20202019201820172016*2015*
Umsatz15.09014.79614.25515.15220.75614.550
Gewinn (Verlust) 218,5291,1(204,8)(258,6)(1.861,5)(301,2)
Aktienkurs (in €, Jahresende)--5,751,698,7518,8313,25

*als Altice N.V.

 

Ökonomische Basisdaten Altice USA (in Mio. $)
20202019201820172016*2015*
Umsatz9.8959.7619.5679.3079.1556.546
Gewinn (Verlust) 396,114020.5941.495(831)164
Aktienkurs (in $, Jahresende)37,8727,8516,5221,23----

*als Cablevision

Geschäftsführung

Geschäftsführung Altice Europe:

  • Patrick Drahi, President of the Board
  • Alain Weill, CEO
  • Malo Corbin, CFO
  • Armando Pereira, COO


Aufsichtsrat Altice Europe:

  • Patrick Drahi, President of the Board
  • Alain Weill, CEO
  • Dennis Okhuijsen
  • Natacha Marty, General Counsel
  • Jurgen van Breukelen
  • Thierry Sauvaire
  • Philippe Besnier
  • Nicolas Paulmier

 

Geschäftsführung Altice USA:

  • Dexter Goei, CEO
  • Hakim Boubazine, President of Telecommunications & Chief Operating Officer
  • Jon Steinberg, President, Altice News and Advertising 
  • Michael Grau, Chief Financial Officer
  • Yossi Benchetrit, Chief Procurement and Programming Officer
  • Pragash Pillai, Executive Vice President, Customer Experience and Regional Market Strategy
  • Colleen Schmidt, Executive Vice President, Human Resources
  • Philippe Le May, Chief Technology Officer
  • Raphael Bourreau, Executive Vice President, Altice Consumer Services
  • Matt Grover, Executive Vice President, Altice Business Services
  • Lee Schroeder, Executive Vice President, Government & Community Affairs / Chief Diversity Officer
  • Michael Olsen, Executive Vice President, General Counsel and Secretary
  • Lisa Gonzalez Anselmo, Senior Vice President, Communications
  • Nick Brown, Senior Vice President, Corporate Finance and Development

 

Aufsichtsrat Altice USA:

  • Patrick Drahi, Chairman
  • Dexter Goei, CEO
  • Charles Stewart, CFO
  • Dennis Okhuijsen, Director
  • Raymond Svider, Director
  • Mark Mullen, Director
  • Manon Brouillette, Director
  • Gerrit Jan Bakker, Director
  • David Drahi, Director

Geschichte

Patrick Drahi wurde am 20.8.1963 in Casablanca geboren, die Eltern waren beide Mathematiklehrer. Laut „Wall Street Journal" soll er schon früh sein Talent für Zahlen nachgewiesen haben, indem er die Mathearbeiten, die seine Eltern nach Hause brachten, korrigierte und benotete. Nachdem seine Familie nach Frankreich gezogen war, wo er einen Studienplatz an der renommierten École Polytechnique bekam, begann Drahi seine berufliche Karriere zunächst als Abteilungsleiter beim Elektronikhersteller Philips.

Bald begann er sich für den regionalen Kabelmarkt in der französischen Provinz zu interessieren. Dann kündigte Drahi den Job und tourte durch die USA, um sich über das dortige Kabelgeschäft zu informieren. Zurück in Frankreich kaufte er im fragmentierten heimischen Kabelmarkt kleinere, regionale Unternehmen auf und fasste sie unter dem Dach der Holding UPC France zusammen, die er jedoch schon 1999 verkaufte.

Mit dem Erlös setzte er in den folgenden Jahren seine Einkaufstour in Frankreich, Belgien und Israel fort. Inzwischen verfügte Drahi über gute Kontakte in die internationale Kabelszene – unter anderem zu Kabelfernseh-Schwergewicht John Malone, in dessen Auftrag er den Kauf der französischen Time Warner Cable-Tochter abwickelte. Drahis neue Holding Altice wuchs rasant. Die Gruppe übernahm 40 Prozent am französischen Numéricable; 2006 kaufte er seine ehemalige Firma UPC für einen Bruchteil des Verkaufspreises zurück; 2009 erwarb Drahi den israelischen Pay-TV-Anbieter HOT; in der Dominikanischen Republik gründete Altice ein Joint-venture mit dem französischen Telekom-Betreiber Orange.

Das Profil des unscheinbaren Drahi erschien aber spätestens 2014/15 auf dem Schirm von Medienpolitik und Regulierungsbehörden, als Altice zunächst für 17 Milliarden Euro SFR von Vivendi (Platz 19 des aktuellen IfM-Rankings) übernahm und sich dabei u.a. gegen Konkurrenten wie Bouygues Telecom (TF1) durchsetzte und anschließend für rund acht Milliarden auch Portugal Telecom akquirierte. SFR ist der wertvollste Bestandteil des Altice-Konzerns, die zweitgrößte französische Telekommunikationsgesellschaft nach der Orange S.A. (zuvor France Télécom S.A.).

Sein Meisterstück aber gelang Drahi in den USA. Durch Kontakte zur Private equity-Gruppe BC Partners, die Anteile am Kabelanbieter Suddenlink hielt (damals der siebtgrößte in den USA), gelang es ihm, am 20.5.2015 einen 70-prozentigen Mehrheitsanteil an Suddenlink im Wert von neun Milliarden US-Dollar zu erwerben. Danach, quasi berauscht von zehn Jahren durch günstige Kredite finanzierte Übernahmen, wagten sich Drahi und Altice an einen der großen Fische des US-Telekommunikationsmarktes: Time Warner Cable. Doch nachdem die Verhandlungen in die entscheidende Runde gingen, realisierten Drahi und sein Team, dass sie sich übernommen hatten und einfach nicht die Manpower besaßen, um eine so massive Übernahme durchzuziehen (schließlich erhielt Charter Communications, Platz 7 des IfM-Rankings, den Zuschlag für Time Warner Cable).

Stattdessen kam Altice zurück auf die alte Strategie, solange mit dem Kauf kleinerer Unternehmen zu wachsen, bis man die Marktführer angreifen konnte. So wurde Cablevision das nächste Ziel, der Kabel- und Medienkonzern aus dem Großraum New York. Für zehn Milliarden Dollar kaufte Altice das Unternehmen von der Dolan-Familie (abgeschlossen wurde das Geschäft am 21.6.2016) und machte es zum Herzstück seiner neuen Altice USA-Gruppe, die im Juni 2017 an die Börse ging. Die FCC erlaubte den Deal jedoch nur unter Auflagen: Altice darf in den ersten fünf Jahren keine Entlassungen vornehmen und muss eventuelle Einsparungen an die Kunden weitergeben. Im ersten Quartal 2018 ergab sich dann die Neuordnung der Altice-Aktivitäten, die Aufteilung des Geschäfts in einen europäischen und einen nordamerikanschen Zweig, in Altice Europe N.V. (Amsterdam) und Altice USA (New York).

Die internationale Finanzpresse war lange skeptisch, ob Drahi das Tempo aufrechterhalten kann, mit dem er das Wachstum seines Imperiums vorantrieb. Vor allem der massive Schuldenberg, mit dem Drahi seine diversen Übernahmen finanziert hatte, war Anlass zur Sorge. Beispiel: Allein zwischen 2012 und 2016 erhöhten sich die Altice-Schulden von 1,7 auf beispiellose 48,5 Milliarden Euro. Gerade in Frankreich sagte man über Drahi: „Er versucht, schneller als die Musik zu rennen."

Am 6.5.2019 meldete Reuters zumindest, dass Altice nach einer Refinanzierungsrunde jährlich 110 Millionen Euro sparen würde. Dass die Geschäftszahlen für das erste Quartal 2019 gut seien und sich die Summe der Nettoschulden Ende 2018 auf (nur noch) 29 Milliarden Euro belaufen habe.

Management

Patrick Drahi, mit einem Vermögen von 6 Milliarden Dollar laut Forbes 2018 elftreichster Franzose, wurde in Frankreich oft dafür kritisiert, seinen Wohnsitz nach Genf verlegt und seine persönliche Holding auf der Insel Guernsey angemeldet zu haben. Frankreichs Digitalministerin Fleur Pellerin hat ihn mehrfach persönlich gebeten zurück nach Frankreich zu kommen, um dort seine Steuern zu zahlen. In Frankreich gilt er eigentlich noch immer als Parvenü im Pariser Establishment.

Sein Management-Stil gilt als kompromislos. Französische Medien haben bei ihm eine "Übernahme-Bulimie" diagnostiziert. Wettbewerber werden übernommen und mittels Einsparungen und Massenentlassungen wettbewersfähig gemacht. Dass die Einkaufstour im Stil von private equity-Gruppen durch die Aufnahme massiver Schulden finanziert wird, ist der Öffentlichkeit und den Wirtschaftspolitikern ein weiterer Dorn im Auge. Insider und Kabelbarone in den USA bewundern Drahi hingegen für seine aggressive Expansionspolitik. Liberty Media-Boss John Malone bezeichnete Drahi als „Genie", Discovery-Chef David Zaslav bescheinigte ihm eine „spezielle Energie". Auch angesichts solchen Lobes blieb sein Motto: „Je mehr Leute dir erzählen, dass etwas unmöglich ist, umso mehr bedeutet es, dass die Idee gut ist und du sie verfolgen solltest."

Die Zeit aber, in der Drahi als großer corporate raider durchaus bewundert wurde, scheint vorbei. Vom Ende des „Drahi-Hype“ schreibt Forbes im Erläuterungstext zum oben genannten Ranking der reichsten Franzosen, in dem der französisch-israelische Telekom-Magnat vom fünften auf den elften Platz abgerutscht war. Genug Geld, um das traditionsreiche US-Auktionshaus Sotheby’s zu kaufen, war aber offenbar noch da. 3,7 Milliarden Dollar zahlte Drahi im Juni 2019 in bar.

Geschäftsfelder

Altice Europe: multinationales Telekom- und Kabel-Konsortium, das die Aktivitäten in drei Sparten teilt:

Altice France: SFR Télécom, SFR Média, darunter „NextRadioTV“ (mit den TV-Sendern BFM TV, BFM Business, RMC Story, RMC Découverte, BFM Paris, BFM Lyon, RMC Sport News, Grand Lille TV, Grand Littoral TV, den Radiosendern RMC und BFM Business, diversen Internetseiten wie 01net.com, 01 business.com, bfmtv.com, rmc.fr) und „SFR Presse“ (darunter L’Express, À nous Paris), Aktivitäten in den französischen Überseeterritorien (SFR Caraïbe, SFR Réunion), „Altice Technical Services France“ und den Kundendienst „Intelcia“.

Altice International: Altice Portugal, Hot (führender israelischer Telekom- und Kabel TV-Anbieter), Altice Dominican Republic, Teads (AdTech-Dienstleister), Altice Technical Services Europe (außerhalb Frankreich).

Altice Pay TV: darunter die Tochter Altice Content, die sich um von Altice gehaltene Sportrechte kümmert (etwa die französischen Rechte an der Fußball-Champions League, die man 2017 für 350 Mio. Euro erwerben konnte. Ende November 2019 allerdings musste man sich im Bieterwettkampf um die Rechte 2021 bis 2024 geschlagen geben. Diesmal gewannen Canal+ und beIN (Katar), mit ihrem Angebot von 375 Mio.)


Altice USA
führt seine Aktivitäten unter den folgenden Marken:

optimum (New York): Kabelfernsehen, -telefonie und -internet suddenlink (St. Louis): Kabelfernsehen, -telefonie und -internet Altice mobile: Mobiltelefonie Altice business („data solutions”, „internet solutions”, „security solutions”) A4 (Onlinewerbung) Cheddar („news streaming startup”) News12: Regionale Kabelnetze in der New Yorker „metropolitan area”. I24 News: israelische News-Fernsehsender (Jaffa, New York)

Aktuelle Entwicklungen

Am 11.9.2020 wurde bekanntgegeben: „Großaktionär Drahi will französischen Telekomkonzern Altice von der Börse nehmen.“ Grund für den Börsenrückzug: Altice Europe sei „schuldengeplagt“ und „an der Börse arg gebeutelt“. Wollte Drahi zunächst 4,11 Euro pro Aktie zahlen, erhöhte er sein Angebot Mitte Dezember auf 5,35 Euro je Papier. Mit Erfolg. Am 7.1.2021 gaben die Aktionäre grünes Licht für den Börsenrückzug.

Schon Mitte Mai 2020 wurde gemeldet: „Die linksliberale französische Tageszeitung „Libération“ wird in eine Stiftung überführt. Das teilte am 14. Mai Altice France mit, dem die Zeitung seit mehreren Jahren gehört." „Libération“ wurde im Jahr 1973 gegründet von dem Philosophen und Schriftsteller Jean-Paul Sartre und mehreren Journalisten als linkes Alternativprojekt. 2014 stieg Patrick Drahi/Altice France bei der Zeitung ein, die seit Jahren rote Zahlen schrieb. Mit der Überführung von „Libération“ in eine Stiftung folgte Altice dem französischen Medienunternehmen Mediapart, das bereits 2019 in eine „Stiftung für eine freie Presse“ umgewandelt wurde und die gleichnamige werbefreie Internet-Zeitung produziert, die sich ausschließlich aus den Einnahmen durch Abonnenten finanziert. Vorbild für das Mediapart-Stiftungsmodell wiederum war der britische Scott Trust, über den seit 1936 die Tageszeitung „The Guardian“ und die Wochenzeitung „The Observer“ abgesichert sind. Das für „Libération“ vorgesehene Stiftungsmodell soll der Zeitung die „vollständige redaktio­nelle, wirtschaftliche und finanzielle Unabhängigkeit“ garantieren.

Die Altice-Gruppe wird nach eigener Darstellung „den Stiftungsfonds für eine unabhängige Presse substanziell ausstatten, um ‘Libération’ in die Lage zu versetzen, dass die Zeitung ihre gesamten Schulden zurückzahlen könne“. Zugleich will Altice der Zeitung die notwendigen Gelder zur Verfügung stellen, damit sie ihre künftigen Betriebskosten decken könne und „so ihre Unabhängigkeit langfristig garantiert“ sei. Altice-Gründer und -Präsident Patrick Drahi werde „weiterhin persönlich die Zukunft von ‘Libération’ begleiten“.