44. Pearson plc

Umsatz 2018: GBP 4,130 Mrd. (€ 4,670 Mrd.)

Überblick

Der britische Verlagskonzern Pearson konzentriert sich nach dem Verkauf der renommierten Wirtschaftszeitung „Financial Times" 2015 (an die japanische Mediengruppe Nikkei) ganz auf das Geschäft mit Bildung. Aktiv in Europa, Nordamerika und China kontrolliert Pearson mittlerweile einen erheblichen Teil des lukrativen Markts für standardisierte Bildungstests.

Basisdaten

Hauptsitz:
80 Strand
London WC2R 0RL
Großbritannien
Telefon: 0044 20 7010 2000
Website: www.pearson.com

Branchen: Zeitungen, Zeitschriften, Lehrmittel, Bücher, Informationsdienste, Multimedia, Internet-Services
Rechtsform:  Aktiengesellschaft (seit 1969)
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1844

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. £)
2018201720162015201420132012
Umsatz 4.1294.5134.5524.7804.5405.1776.112
Gewinn (Verlust)  546576723720736936942
Aktienkurs (in £, Jahresende)938,40736,00818,50736,001.190,001.341,001.188,00
Mitarbeiter24.32230.33932.71941.04140.87642.11542.135

Geschäftsführung

Executive Leadership:

    • John Fallon, Chief Executive
    • Coram Williams, Chief Financial Officer
    • Tim Bozik, President, Global Product & North America Courseware
    • Rod Bristow, President, Pearson UK & Global Online Learning
    • Jonathan Chocqueel-Mangan, DBA, Chief Strategy Officer
    • Giovanni Giovannelli, PhD, President, Core & Growth Markets
    • Albert Hitchcock, Chief Technology and Operations Officer
    • Deirdre Latour, Chief Corporate Affairs Officer
    • Anna Vikström Persson, Chief Human Resources Officer
    • Bjarne Tellmann, JD, General Counsel and Chief Legal Officer
    • Bob Whelan, President, Pearson Assessment

     

    Board of Directors:

    • Sidney Taurel, Chair
    • John Fallon, Chief Executive
    • Coram Williams, Chief Financial OfficerDame Elizabeth Corley, DBE, Non-Executive Director
    • Sherry Coutu, CBE, Non-Executive Director
    • Vivienne Cox, CBE, Senior Independent Director
    • Joshua Lewis, Non-Executive Director
    • Linda Lorimer, Non-Executive Director
    • Michael Lynton, Non-Executive Director
    • Graeme Pitkethly, Non-Executive Director
    • Tim Score, Non-Executive Director
    • Lincoln Wallen, Non-Executive Director

      Geschichte

      1844 startete S. Pearson & Son ein kleines Bauunternehmen in Yorkshire, bald wuchs das Geschäft über Nordengland hinaus. Die Firma war spezialisiert auf Straßentunnel unter den Flüssen von London und New York und später auf Eisenbahnbau in aller Welt. Als Privatleute investierten die Pearsons erfolgreich in unterschiedlichsten Branchen: Banken, Stahl- und Hochbau, Erdöl und Verlagswesen. Als man 1969 an die Börse ging, gehörten bereits die Regional- und Lokalzeitungskette Westminster Press, die renommierte „Financial Times" (seit 1957) und Beteiligungen an den britischen Buchverlagen Penguin und Longman zum Portfolio. Zu solch eher prosaischen Aktivitäten kamen noblere Unternehmungen wie der Erwerb von Anteilen an den Edel-Weinbergen von Château Latour und der königlichen Porzellanmanufaktur Royal Doulton, die allerdings den ersten Verschlankungen der 1980er Jahre zum Opfer fielen. Seit 1990 im Fernsehgeschäft präsent wurde Pearson Television Ende der 1990er Jahre eines der größten europäischen TV-Produktionsunternehmen, ging aber inklusive seiner Senderbeteiligungen im Jahr 2000 in der von Bertelsmann geführten RTL Group auf. Zehn Jahre später wurden die Ölgesellschaft Camco und weitere Tochterfirmen im Baugewerbe verkauft.

      Pearson war der erste internationale Medienkonzern, der von einer Frau geführt wurde. 1997 stieg die gebürtige Texanerin Majorie Scardino bei Pearson ein und sorgte für die Konzentration auf das mediale Kerngeschäft (so trennte sie sich bei Amtsbeginn unter anderem gleich von Beteiligungen an Madame Tussauds‘ Wachsfigurenkabinett) und baute den Konzern vor allem im Education-Bereich aus – eine Strategie, die ihr Nachfolger John Fallon (seit 2013 im Amt) verstärkte.

      2009 erwarb Pearson die Sprachschule „Wall Street English" für 145 Millionen Dollar und 2010 die Abteilung für Schul-Lernsysteme des „Sistema Educacional Brasileiro" (SEB) für 497 Millionen Dollar. Ebenfalls 2010 verkaufte Pearson seine 61 prozentige Beteiligung an dem US-amerikanischen Wirtschaftsinformationsdienst „Interactive Data" für 2 Milliarden Dollar an Investmentfonds, die von Silver Lake Partners und Warburg Pincus verwaltet werden. Im Juli 2011 kündigte Pearson die Gründung des Pearson College an, eines britischen Anbieters von Hochschulabschlüssen. 2011 kaufte Pearson „Connections Education" und verkaufte den 50 prozentigen Anteils an dem Finanzmarkt-Dienstleister „FTSE International Limited" an die Londoner Börse für 450 Millionen Pfund.

      Zwischen Februar 2000 und Dezember 2012 erschien die Financial Times Deutschland, eine deutsche Version des britischen Originals, ebenfalls auf lachsfarbenem Papier gedruckt. In den ersten Jahren all Joint-venture von Pearson und Bertelsmann (Gruner + Jahr), bis zum 1.1.2008, als G+J den 50-prozentigen Anteil von Pearson übernahm. Im Juli 2015 gab Pearson auch das Londoner Original ab, für 844 Millionen Pfund an Nikkei.

      Im Oktober 2012 kam Pearson mit Bertelsmann überein, ihre jeweiligen Verlagshäuser, Penguin Group und Random House (zwei der "Big Six"), zusammenzulegen. Der weltgrößte Publikumsverlag „Penguin Random House“ entstand. Am 11. Juli 2017 reduzierte Pearson die Beteiligung auf 25 Prozent.

      Management

      2012 ging die 16-jährige Ära von Marjorie Scardino an der Spitze von Pearson zuende. Scardino, 2007 auf der Forbes-Liste der „100 mächtigsten Frauen der Welt“ auf Platz 17, heute im Aufsichtsrat von Twitter, galt zunächst als harte Saniererin, die auch fast täglich mit Rundmails den Kontakt mit der Pearson-Belegschaft versuchte aufrechtzuerhalten. Schnell wurde sie zum „Darling“ der Londoner City, steigerte Pearson-Renditen und -Dividenden. Sie manövrierte den Konzern in ihrer Amtszeit erfolgreich durch das Platzen der dot.com-Blase und die Finanzkrise 2007/2008. Berühmt wurde sie durch ihr Bekenntnis zur Financial Times: Die FT würde sie „nur über ihre Leiche" verkaufen.

      Ihr Nachfolger John Fallon, der zuvor die Pearson-Bildungssparte betreute, verkaufte die Financial Times 2015. Unter Fallon, Sohn eines Grundschullehrers, wurde Pearson so zu einem reinen Bildungsmedien-Anbieter umstrukturiert. Sein wichtigster Mitarbeiter ist Bildungsexperte Professor Michael Barber, der im Auftrag von Tony Blair einst eine auf Testergebnissen basierte Bildungsreform in Großbritannien durchsetzte. Scardino, Fallon und Barber haben früh erkannt, dass sich mit Bildung viel Geld verdienen lässt, besonders mit Erfahrung im Verlagswesen, Interesse an neuen Technologien und Kontakten zur Politik.

      Geschäftsfelder

      „We’re the world’s learning company with more than 24.000 employees operating in 70 countries”, heißt es auf der Unternehmenswebsite. Das Geschäft ist aufgeteilt in die drei Kernbereiche: In „North America“ generiert Pearson heute 67 Prozent seiner Umsätze und produziert das Unternehmen Lehrbücher, Online-Kurse und standardisierte Tests (VUE) für Grundschulen, Highschools und Universitäten. Die Gestaltung, Durchführung und Auswertung elektronischer Tests an US-Schulen hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen.

      In den USA konnte man von der „No Child Left Behind"-Initiative der George W. Bush-Administration und der „Common Core State Standards Initiative" der Obama-Zeit enorm profitieren. Die Programme sahen vor, dass US-Schüler in Grund- und Oberschulen zum Ende eines jeden Schuljahres Englisch- und Mathematiktests absolvieren mussten, um allgemeine Standards zu erfüllen und auf die Hochschule vorbereitet zu sein. Wobei Pearson in diesem Zusammenhang auch viel Kritik entgegenschlug. Vielen ging der Einfluss von Pearson zu weit. Denn zu oft waren schulische und berufliche Karrieren allein von den Pearson-Testergebnissen abhängig.

      „Core" (Kursunterlagen, Bewertungen, weitere Dienstleistungen in Europa, Asien, Nordafrika) und „Growth" (Kursunterlagen, Bewertungen, weitere Dienstleistungen in „emerging markets“ wie Brasilien, Indien, Südafrika, Lateinamerika, China, Hongkong, Mittlerer Osten) sind die Pearson-Kernbereiche zwei und drei.

      Innerhalb der Growth-Sparte will Pearson dem steigenden Bedarf nach Englischkursen gerecht werden. Millionen nutzen Lern-Tools wie COC, NAME oder Dom Bosco; wichtigste Marken sind Wall Street English, ELT (Longman), Global Scale of English und Grupo Multi. Zu den Kernmärkten zählen hingegen Großbritannien, Australien, Deutschland, Frankreich und Italien. Hier sind die wichtigsten Lern- und Weiterbildungs-Angebote Edexcel, BTEC, LCCI, Bug Club und ActiveLearn.

      Aktuelle Entwicklungen

      Zwei Verkäufe gab es 2019 zu melden. Zum einen ging es im Februar 2019 um das sogenannte „US schools course materials business“ (Geschäfte im primären und sekundären Bildungsbereich), das Pearson für 250 Millionen Dollar an die Private-Equity-Firma „Nexus Capital Management“abgab. Kurz vor Jahresende am 20.12.19 übernahm Bertelsmann den noch bei Pearson verbliebenen 25-prozentigen Anteil an Penguin Random House. Ein Verlagskonglomerat, das größte der Welt, das 2013 durch die Zusammenlegung der jeweiligen Verlagssparten von Pearson und Bertelsmann entstanden war.

      Und am 18. Dezember 2019 kündigte John Fallon an, 2020 nach über sieben „harten Jahren“ als CEO in Ruhestand treten zu wollen. Sidney Taurel, Pearson-Aufsichtsratsvorsitzender, leitet die Suche nach dem neuen Geschäftsführer.