29. NetEase

Umsatz 2018: RMB 67,156 Mrd. (€ 8,270 Mrd.)

Überblick

Der chinesische Tech-Konzern NetEase wurde 1997 von Ding Lei gegründet, der das Unternehmen nach wie vor leitet. NetEase entwickelt und betreibt Online-Spiele, eine Musikstreaming-Plattform, E-Kommerz- und E-Mail-Services. Mit Spielen wie dem Online-Rollenspiel Fantasy Westward Journey wurde NetEase auch zu einer der weltgrößten Videospiel-Firmen.

Basisdaten

Hauptsitz:
No. 599 Wangshang Road
Binjiang District
Hangzhou, 310052
China
Telefon 0086 571 89852070
Internet: ir.netease.com

Branchen: Suchmaschine, Online Games, E-Mail, E-Commerce, Musikstreaming
Rechtsform: Kapitalgesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01 - 31.12
Gründungsjahr: 1997

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. RMB)
20182017201620152014
Umsatz67.15652.10238.17922.80377.713
Gewinn nach Steuern4.7966.83711.79310.8496.477
Aktienkurs (in $, Jahresende)235,37345,07215,34181,2499,14
Beschäftigte22.72618.12915.74812.91910.004

Geschäftsführung

Management:

  • William Lei Ding, CEO
  • Charles Zhaoxuan Yang, CFO

 Aufsichtsrat:

  • William Lei Ding, Director and CEO
  • Alice Cheng, Director
  • Denny Lee, Director
  • Joseph Tong, Director
  • Lun Feng, Director
  • Michael Leung, Director
  • Michael Tong, Director

Geschichte

Im Juni 1997 gründete der zu dem Zeitpunkt 26-jährige Telefontechniker Ding Lei die Firma NetEase, mit drei Angestellten, zunächst als Internet-Suchmaschine und Anbieter von Gratis-E-mail. Zwar konnte Lei „Baring Private Equity Partners“ überzeugen, fünf Millionen Dollar zu investieren, zwar brachte 2000 der NASDAQ-Börsengang rund 70 Millionen, trotzdem geriet die junge Firma nach Fälschungen in der Buchhaltung in Turbulenzen und wurde für kurze Zeit im September 2001 von der Börse genommen.

Im März 2000, wie man sich erinnert, platzte die Dotcom-Blase in den USA (und Europa), die Aktien chinesischer Internet-Firmen aber stiegen weiter mit NetEase als erfolgreichstem NASDAQ-Titel 2002 (plus 81 Prozent). Man konnte feststellen: In China sollte die Tech-Rally nachhaltiger sein, nicht nur wegen der 1,3 Milliarden potentiellen User. Es lag auch daran, dass sich das chinesische Geschäftsmodell nicht nur auf Werbeeinnahmen verließ. In China waren immer jede Kurznachricht und jeder traffic kostenpflichtig.

Ding Lei war bald einer der reichsten Chinesen. Wichtigster Grund und klügster Schachzug:  der Einstieg ins Online Gaming Business, hier besonders mit dem seit 2001 selbstentwickelten Fantasy Westward Journey, einem sogenannten MMORPG („massive multiplayer online role-playing game“). 2005 hatte das Spiel 25 Millionen Nutzer. Dazu entwickelte NetEase diverse E-commerce-Plattformen wie Koala und Yanxuan, veröffentlicht im Januar 2015 resp. April 2016. Ende 2018 gründete man mit weiteren Investoren das Music-Streaming-Angebot „Cloud Music“ (mit NetEase als Mehrheitseigner).

Management

NetEase-Gründer und -CEO Lei Ding, auch William Lei Ding, geboren 1971 in der östlichen Küstenstadt Ningbo, hat eine „Rags to riches“-Bilderbuchkarriere absolviert, vom Telekom-Ingenieur zum achtreichsten Chinesen. Nach einem Studium am Chengdu Institut für Radiotechnik (heute Universität für elektronische Wissenschaft und Technologie in China), einem Bachelor-Abschluss und einer Stelle beim Software-Unternehmen Sybase in Guangzhou gründete er NetEase 1997. Und machte unglaublich viel Geld. 2003 war er für kurze Zeit der reichste Mann auf dem chinesischen Festland und einer der ersten Milliardäre der Volksrepublik. Und 2020 mit einem Vermögen von 21,4 Milliarden Dollar auf Platz 48 des „Bloomberg Billionaires Index“.

Ganz andere Schlagzeilen macht Lei Ding mit Schweinezucht, einem weiteren, etwa 2012 etablierten Geschäftsfeld. Unabhängig und das Gegenteil gewissermaßen vom Tech-Business. Lei züchtet also die für besonders guten Fleischgeschmack bekannten schwarzen Jeju-Schweine, mit modernen, umweltverträglichen und nachhaltigen Methoden. Ein Stück weit als Tierfreund, oder um das corporate Gewissen zu beruhigen, wohl kaum aber aus Profitgründen.

Geschäftsbereiche

NetEase, Inc. ist neben Tencent, der Sina Corporation (Peking, betreibt den Mikroblogging-Dienst Weibo, das „chinesische Twitter“) und Sohu.com, Inc. (Peking) eines der führenden chinesischen Tech-Unternehmen der ersten Generation. Tätig auf den folgenden Geschäftsfeldern:

Als Internet-Service-Provider (darunter über eine Milliarde registrierte E-mail-Kunden 2018) und als Anbieter diverser Streaming-Plattformen, etwa NetEase CC (Livestreaming von Spielen und Entertainment) und NetEase Cloud Music (Musikstreaming). An einer Finanzierungsrunde der Musikplattform beteiligte sich Ende 2018 übrigens auch der Bertelsmann-Fonds „Asia Investments“ mit über 600 Millionen Dollar. Im Nachrichtengeschäft ist NetEase hauptsächlich mit der „News App“ (Netzwerk chinesischsprachiger News-Kanäle) und dazugehörigen interactive communities aktiv. Weiterhin betreibt man Onlinehandel/E-commerce (Yanxuan), online education (NetEase Youdao) oder cloud reader-Angebote über „NetEase EaseRead“.

Den größten Umsatz aber macht NetEase mit Onlinegaming (als heimischer Konkurrent des Marktführers Tencent). Mit einigen der beliebtesten PC-Client- und Handyspiele in China, teils selbstentwickelt, teils in Zusammenarbeit mit Blizzard Entertainment, der Microsoft-Tochter Mojang AB und anderen globalen Spieleentwicklern. Die bekanntesten Titel sind Fantasy Westward Journey Online und New Westward Journey Online II, oder Tianxia III, New Ghost und Justice. Mit Blizzard Entertainment, Inc. wiederum betreibt NetEase erfolgreiche internationale online games auf dem chinesischen Markt, darunter World of Warcraft, StarCraft II und Diablo III: Reaper of Souls.

Aktuelle Entwicklungen

Man darf nicht vergessen: Auch der weltumspannende Tech-Konzern NetEase mit Dollar- und Renminbi-Umsätzen in Milliardenhöhe ist ein chinesisches Unternehmen und staatlicher Regulierung unterworfen. Neue Spiele müssen erst von offizieller Seite genehmigt werden; online content von Videostreams bis zu Games wird unter Präsident Xi Jinping verstärkt daraufhin kontrolliert, ob Wertestandards der Kommunistischen Partei eingehalten werden. Guo Yiqiang, Leiter des „publishing bureau“ der Propagandaabteilung der KP sagte auf der „Chinajoy“ (Chinas größte Spielemesse) im August 2019, also im Jahr des 70. Geburtstages der Volksrepublik: Glücksspielfirmen „müssen die sozialen Auswirkungen ernsthaft in Betracht ziehen ... und immer in die richtige Richtung in Bezug auf Politik, Werte, Inhalte und Qualität steuern und niemals Plattformen und Kanäle für falsche Ansichten und schlechten Geschmack bieten".

Medienmanager fügen sich der Parteilinie, „socialist values“ und „patriotic themes“ lassen sich in neuen Titeln wiederfinden. Besonders, nachdem die chinesische Regierung im Sommer 2018 einige Monate lang gar keine Spieleveröffentlichungen bewilligt hatte. Jetzt entwickelt Tencent beispielsweise zusammen mit der staatlichen „People’s Daily“-Zeitung „Homeland Dream“, in dem Spieler mit einer offiziellen Parteiprinzipien ähnlichen Politik eine Stadt entwickeln.

Auch NetEase bemüht sich, Traditionen zu berücksichtigen. Im Adventure-Game „Ink, Mountains and Mystery“ (Tinte, Berge und Mysterien) kämpft man mit Monstern aus chinesischen Mythen. CEO William Ding macht sich generell keine Sorgen: "Wir verstehen und unterstützen die Absicht der Regierung voll und ganz... China ist der am schnellsten wachsende und inzwischen auch der größte Spielemarkt der Welt. Klar, dass da auch Probleme entstehen. Zum Beispiel die unerwünschten Auswirkungen von unangemessenen Inhalten.“ Und abschließend: "Aber auf längere Sicht ist es die Absicht der Regulierungsbehörden, das Online-Spielsegment als Unterhaltungsformat und als Bildungsgut zu fördern sowie die Kreativität in der kulturellen Innovation zu unterstützen. Längerfristig unterstützt die Regierung also voll und ganz die Entwicklung der Online-Spieleindustrie, damit sie gesund und nachhaltig wird.“

Am 19.12.2019 die Meldung: Nachdem Mesut Özil sich kritisch zur Situation der Uiguren in China geäußert hat, löscht NetEase seinen „virtuellen Charakter“ aus der Fußball-Simulation „Pro Evolution Soccer“. NetEase vertreibt das japanische Spiel in China und begründet den Schritt mit Özils „extremen Aussagen über China“. Das chinesische Außenministerium hatte ihn zuvor als „getäuscht von Fake News" bezeichnet.